Gesellschaft | 30.04.2007

Bonjour, ça va?

Seit zwölf Uhr sitzen wir im Bus, obwohl wir eigentlich immer noch am selben Ort stehen. Denn unser Fahrzeug darf auch mal Pause machen. Wir verweilen mit unserem Gefährt auf einem Flachwagon der Eisenbahn, die normalerweise Eisenerz von Guelb El Rhein nach Nouadhibou fährt. Aber mal ganz von vorne.
Der Autozug im Nirgendwo LU 161665 auf dem Pass Qouinat et Mlis Samstäglicher Markt in Guelmim Die Reiseroute der beiden Luzerner Abenteurer.

Am 14. März 2007 haben wir unser Abenteuer Afrika gestartet. Obschon bis dahin der Winter in der Schweiz noch nicht eingezogen war, wollten wir schnell an die Wärme gelangen. Schon nach drei Tagen waren wir in Südfrankreich angekommen. Von da an fuhren wir immer der Küste entlang bis nach Spanien, wo wir unter anderem Barcelona und Valencia besuchten. Knapp zwei Wochen später hat uns eine Fähre von Algeciras nach Tanger (Marokko) gebracht. Wir stehen also nun auf dem Kontinent Afrika.

Am ersten Tag hatten wir etwas Mühe den Campingplatz in Tanger zu finden. Dabei mussten wir feststellen, dass man hier nicht einfach nur nach dem Weg fragt, sondern ein Gespräch immer mit „Bonjour, ça va?“ beginnt. Erst danach geht man zum eigentlichen Thema über. Die Menschen hier sind sehr offen und gesprächig, kommen auf einen zu und wollen über Gott und die Welt sprechen.

Visajagd

Wir bewegen uns der Küste entlang nach Süden mit Zwischenhalten an schönen Orten wie Asilah, Mehdya Plage, Salé, Casablanca und Tiznit. Einen längeren Halt legen wir in Salé, einem Vorort von Rabat, ein. Da wir ohne Visa gestartet sind, müssen wir diese für die nächsten Länder besorgen. Eigentlich sollte das ja kein Problem darstellen. Leider waren infolge eines uns unbekannten Feiertages alle Botschaften geschlossen. Am nächsten Tag erfuhren wir dann, dass man das Visum für Mauretanien nur noch auf dem Konsulat in Casablanca bekommen kann und die Botschaft von Senegal wegen eines Jubiläums in Senegal für drei weitere Tage geschlossen ist. Nicht so schlimm, wir haben ja Zeit. Einzig das Visum für Mali konnten wir schon am dritten Tag abholen. Eine Woche später haben wir dann vorerst mal die nötigen Visa für unsere Weiterreise im Pass eingetragen. Während dieser Zeit sitzen wir an den Abenden oft mit Hamid bei einem Bier oder zwei.

Wunderschöne Campingplätze

Danach zieht es uns aber schnell weiter Richtung Süden. Der Wind am Abend ist doch recht kühl und wir wollten ja eigentlich an die Wärme. Also fahren wir in drei Tagen durch die ganze Westsahara. Die Strasse ist in gutem Zustand und wir kommen entsprechend schnell voran. Dabei lernen wir zwei schöne Campingplätze kennen. Einer heisst Fort Bou Jerif und liegt etwa 50 km entfernt von Guelmim. Hier findet auch jeden Samstag ein grosser Kamelmarkt mit Dromedaren statt. Der Campingplatz selbst steht irgendwo im Niemandsland und ist nur über eine Piste erreichbar. Der andere Campingplatz La roi de beduin ist kurz vor Laayoune und wird durch ein sehr nettes belgisches Ehepaar geführt. Auch hier mussten wir zuerst noch einige Kilometer auf einer Piste zurücklegen, bevor wir die wunderschöne Umgebung geniessen konnten.

Und nun sind wir von Dakhla nach Nouadhibou gefahren, haben also die Grenze von Marokko nach Mauretanien überquert und sind dabei auch gerade noch das erste Mal im Sand stecken geblieben. Der Grenzübertritt verlief ansonsten problemlos.

Scheinbar soll die Oase Chinguetti (etwas östlicher in Mauretanien) in der Nähe von Atar ausserordentlich schön sein. Die Strecke dazwischen, mitten durch die Wüste, kann mit dem Eisenerzzug bewältigt werden. Deshalb stehen wir nun auf dem Wagon und warten.

Kostbares Gut

Etwas haben wir schon gelernt in Afrika. Hier gibt es etwas sehr Kostbares, was wir in unserer materialistischen Gesellschaft leider nicht mehr haben. Zeit. Hier kennt man keine Eile. „Von nichts gibt es so viel wie von der Zeit, denn es kommt ja immer mehr Zeit“, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Irgendwann wird die Schlange der Zugswagen zusammengesetzt sein und wir können losfahren. Es ist jetzt zehn Uhr.


Tour d’Afrique

Seit Mitte März sind die beiden Luzerner Cyrill Müller und Linus Hüsler mit einem selber umgebauten VW-Bus unterwegs Richtung Süden. Auf der Suche nach endlosen Wüsten und traumhafte Stränden, herumziehenden Nomaden und Hirtenvölkern. Mit einem Global Positioning System (GPS) zeichnen sie ihre gesamte Reise kontinuierlich auf und bilden den Weg auf einer interakiven Karte von Google ab. Für Tink.ch berichten sie in loser Folge von ihren Abenteuern. Aktuelle Tagebucheinträge und Bildergalerien gibt es auf ihrer Reisewebsite.

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