“Für die Show kriegst du es immer hin”

Trotz nachmittäglichem Unwohlsein der amerikanischen Frontfrau und Schauspielerin Juliette Lewis  startete das Konzert vom 20. April pünktlich im ausverkauften Rohstofflager. Bereits drei Alben hat die Band rund um die Schauspielerin Juliette im Gepäck. Die 34-jährige Lewis ist dem gemeinen Publikum eher bekannt aus Filmen wie “Natural Born Killers” oder “From Dusk Till Dawn”. Dass sie auch rocken kann, scheint sich aber mittlerweile gut herumgesprochen zu haben. Sie bestätigte zwar, dass ihr Auftritt tatsächlich nicht ganz den gewohnten Standard erreicht habe. Danach sprach sie noch kurz über das Schweizer Publikum, welches sie zu Vergleichen mit Deutschland oder Italien verleitete. Was von ihr aus gesehen selbstverständlich ein Kompliment sei.

Leider musste das geplante Interview mit Juliette Lewis ausfallen, da sie sich wegen Krankheit vor dem Konzert schonen wollte. Zum Gespräch erschienen stattdessen ihre Bandmitglieder Kemble Walters (Gitarre) und Jason Womack (Bass)

Ihr werdet heute Abend spielen?
Jason: Klar werden wir spielen, ich weiss nur nicht wie der Ort hier heisst.
Kemble: Rolfs Lager? Ro sto flag….er?

Genau. Wird das Konzert heute Abend anders sein, da sich Juliette nicht so gut fühlt?

Kemble: Wenn sie sich nicht gut fühlt, geht sie schlafen oder so was. Wenn sie dann aber auf der Bühne steht ist aber alles wieder gut.
Jason: Ja, für die Show kriegst du es als Künstler immer hin.
Kemble: Die Energie ist auf jeden Fall da. Was wir aber gerade über die Schweiz entdeckt haben, ist eure Regelung betreffend der Lautstärke. Wenn du hier über einem gewissen Pegel bist, wird gleich die Musik ausgeschaltet. Das kennen wir überhaupt nicht. Wir sind es uns eigentlich gewohnt, mit der Lautstärke da oben zu sein (hält die Hand weit über seinen Kopf) und nun müssen wir hier unten sein (die Hand verschwindet fast unter der Tischplatte). Das wird sehr interessant.

Werden wir also etwas verpassen, wenn ihr nicht voll aufdrehen dürft?

Jason: Wohl kaum, wenn ihr es euch so gewohnt seid. Aber ich mag es, wenn ich das Schlagzeug und den Bass bis ganz tief in mir drin spüre.
 
Fühlt ihr euch nicht in den Hintergrund gedrängt, weil die Leute bei euch vielleicht nur hier sind um Juliette Lewis einmal live zu sehen?

Jason: Ja, das passiert oft, aber das passiert wohl vielen Bands und ihren Leadsängern. Die Leute identifizieren sich nun mal mit den Sängern.

Ist das nicht ermüdend, möchtet ihr nicht alle im Zentrum stehen?
Kemble: Wir machen alle eine gute Show, einzeln und zusammen. Wenn die Zuschauer am Schluss der Show nicht begreifen, dass eine Band vor ihnen steht, haben wir etwas falsch gemacht.
Jason: Ja, es geht um die Songs und die Band, nicht um jemand einzelnen. Klar bekommt sie die meiste Aufmerksamkeit, einfach aufgrund dessen, wer sie ist.

Eure neuste Platte, “Four on the Floor”, ist viel mehr Rock and Roll.
Kemble: Ja, bei den ersten Platten hat Juliette über die Demos entschieden und welche Songs sie wollte. Dann haben wir auch angefangen, Songs zu schreiben.  Wir haben alle unsere Stücke, sei es Tanz- oder Rockmusik, einfach irgendwie zusammen gestellt. Beim nächsten Album war der Fokus schon viel mehr auf dem, was wir eigentlich wollen und wie es klingen sollte. Unsere ganze Energie sollte in jedes einzelne Stück fliessen. Die erste Platte war einfach eine Amateurplatte.

Ward ihr damit nicht zufrieden?
Kemble: Doch, natürlich, aber verglichen mit dem neusten Album haben wir beim ersten gerade mal unsere Füsse etwas benetzt. Jetzt hören wir genauer hin und wissen was wir wirklich wollen und wie es sich anhören soll. Dieses letzte Album war das Beste bis jetzt und ich hoffe, es wird noch besser.

Textlich scheint es so zu sein, als ob Juliette mehr in die einzelnen Songs reinpacken wollte als eigentlich möglich ist.
Kemble: Sänger wollen sich immer ausdrücken. Sie wusste immer wie die Songs klingen sollen, welches Gefühl raus sollte. Aber es ist ihre eigene Art des Songschreibens, dass sie eher eine Geschichte erzählen will, anstatt einzelne Gedichte zu schreiben. Da ist dann etwas, was dich packt, dass sie dir einfach etwas erzählen will.

Ich seid mit einer britischen Band unterwegs. Wie sehr bekommt ihr diesen Hype um britische, und eben gerade nicht amerikanische Bands mit?
Jason: Meist nur in persönlichen Gesprächen. Klar hat Bush viele negative Gefühle verursacht unter Europäern, aber auch unter Amerikanern. Musikalisch habe ich noch nie darüber nachgedacht. Ich mag britische Bands.

Seid ihr denn eine amerikanische Band?
Jason: Rock and Roll ist doch sehr universal. Als wir in Südkorea spielten, hatten wir eine lokale Vorgruppe, die sich anhörten wie die Ramones. Es scheint also, dass alle dieses Rock and Roll Ding haben können.

Würdet ihr auch gerne mal etwas Exotisches in eurer Musik versuchen?

Kemble: Ja, experimentieren ist immer gut. Aber es ist dieses Ding als tourende Band, da wir es noch immer in der Musikszene irgendwie schaffen wollen und müssten. Da bleibt nicht viel Zeit für Experimente. Wir touren bis zu 12 Monate im Jahr und müssen während dieser Zeit noch das Album unseres Lebens aufnehmen. Viel liegt da nicht mehr drin.
Jason: Wir wollen uns einfach natürlich entwickeln und nicht krampfhaft neues Zeug einbauen und Dinge probieren, nur damit sie ausprobiert wurden.

Möchtet ihr noch etwas anfügen? Ihr bekommt ja neben Juliette meistens kaum die Möglichkeit zu antworten.
Jason: Nein, sie ermuntert uns, zu antworten. Aber natürlich werden wir nur selten gefragt, ist ja verständlich.

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“Ich lasse mich von fast allem begeistern”

Wie ist das Leben auf Rädern?

Der Wagen ist dein Zuhause, der Wagenplatz das Dorf. Es ist ein Abenteuer, eine Lebensart, die mich fasziniert. Ich fühle mich wohl hier in dieser kleinen Welt und finde es schön, immer wieder an einen neuen Ort zu kommen. Doch muss man auch viele Kompromisse eingehen, lässt Freundeskreise zurück und teilt mit der ganzen Truppe die Küche. Die Wochen sind lang – sechs Tage. Dem allem Stand zu halten, ist die Herausforderung.


Ihr seid immer dicht beisammen.

Ja, wir arbeiten und leben zusammen, sind eine Truppe und doch auch 16 Individuen. Jeder hat seinen Kopf, es ist nicht immer harmonisch. Wir müssen uns ja auch gegenseitig kritisieren, um Forschritte zu machen. Und dann wiederum gemeinsam Extremsituationen durchstehen, bei schlechtem Wetter, wenn alle müde sind, das Zelt aufbauen zum Beispiel. Da kommt man an Grenzen.

Hast du die Möglichkeiten dich auszuklinken?

Ja, einen Tag in der Woche habe ich frei. Dann gehe ich Freunde besuchen. Dieser Ausgleich ist wichtig und tut mir gut.

Welches sind für dich die schönsten Momente des Zirkuslebens?

Den Stolz der Kinder zu sehen, wenn sie in der Manege stehen, ihr Staunen, wenn wir mit unserem Tross auf einen neuen Platz kommen, ein gemütlicher Abend mit dem ganzen Team oder selber Zirkus machen zu können.

Was fasziniert dich daran?

Ich bewege mich sehr gerne und mache gerne Musik. Ich lasse mich von fast allem begeistern. Ich könnte mich nicht für nur eine Disziplin entscheiden, da würde mir was fehlen. Deshalb liebe ich an unserem Circolino besonders die Vielfalt der Möglichkeiten und den Ausgleich zwischen dem eigenen Programm und der Kinderanimation.

Was treibt dich an?

Woche für Woche Kinder mit dem Zirkusfieber anstecken zu können, ist sehr erfüllend. Man kann sie mit ganz wenig packen, besonders Kinder mit einer Behinderung, da sie oft nicht so reizüberflutet sind wie andere.

Wie soll guter Zirkus sein?

Zirkus soll unterhalten, originell sein und die Leute staunen und in eine Traumwelt eintauchen lassen. Es braucht keine Glanzleistungen im Mittelpunkt, sondern vielmehr neue überraschende Disziplinen und eine Geschichte, die einen Bogen spannt.

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Viel Bewegung bei den Pipistrelli

Da steht es, das grosse blaue Zirkuszelt, mitten auf dem Sportplatz beim Schulhaus, und neben der Turnhalle die Wagen und Traktoren. Die Pipistrelli sind da, sind gekommen, um den Kindern der Primarschule Breiti und der Heilpädagogischen Schule Turbenthal den Traum vom Zirkus zu erfüllen. Und tatsächlich: Überall auf dem Schulgelände üben kleine Zirkuskünstlerinnen und Zirkuskünstler eifrig für ihren grossen Auftritt in der Manege. Der wird am Freitagabend sein. Im Zelt probt die Musikgruppe, auf dem Basketballplatz knurren die als Raubtiere Verkleideten, in der Turnhalle feilen die Clowns an ihrer Nummer, in einem Durchgang tanzen kleine Mädchen und ein Junge über das Seil und gleich um die Ecke wird jongliert und getanzt.

Es geht um Freude

Bei jeder Gruppe sind ein oder zwei Pipistrelli dabei, als Animatorinnen und Animatoren. Eine davon ist die 22-jährige Irene Müller. Ihr Rezept, die Kinder zu motivieren und an ihrer Fantasie zu kitzeln, ist ganz einfach. Sie verrät, was sie sagt, wenn ein Kind zu Beginn noch etwas skeptisch ist: “Das ist eine Chance für dich. Du entscheidest frei, was du machen möchtest. Ich bin da, dir zu helfen. Es ist fast alles möglich.” Ihre Zirkuskollegin Andrea Wampfler bekräftigt: “Jeder kann hineinbringen, was er will.” So geht es beim Circolino Pipistrello nicht um artistische Höchstleistungen, sondern vor allem darum, dass alle Freude haben. Es geht um die verschiedenen Zirkus-Disziplinen, um das Verbeugen und das Manegenbewusstsein.


Alle helfen mit

Es ist vier Uhr. Die Kinder verräumen ihre Kostüme, ihre Hüte, Tücher, Bälle und Clownnasen, sie haben Feierabend. Nicht aber die Pipistrelli. Zuerst treffen sie sich zu einer kurzen Besprechung des Nachmittags, später am Abend wollen sie auch noch ihr eigenes Zirkustheaterprogramm durchspielen, als Probelauf. Und dazwischen gibt es ein kleines Nachtessen. Thomas, der Zivi, hat zwei grosse Bleche Apfelkuchen bereitgestellt. Irene schnappt sich ein Stück und ist schon wieder weg. Sie hat noch eine Sitzung mit dem Leitungsteam. Als sie zurückkommt, erklärt sie: “Jeder vom Team hat eine Aufgabe, ist zuständig für einen Bereich, wie Presse, Apotheke, Musik, Technik und vieles mehr. Und dann gibt es noch das Leitungsteam, zudem ich seit diesem Jahr gehöre. Wir sind drei Leute, der Knotenpunkt zwischen dem Team und dem Stiftungsrat, und unsere Aufgabe ist es die Übersicht zu bewahren.” Das ist gar nicht so einfach, organisieren die 16 Pipistrelli ihre Tournee schliesslich von A bis Z alleine. Dass bei einem solchen Unterfangen ziemlich viel zusammenspielt, wird klar, wenn Irene, die nun schon drei Jahre dabei ist, sagt: “Ich habe noch lange nicht alles gesehen, es gibt noch vieles zu entdecken.”  

Ja, langweilig wird es den Pipistrelli nicht so schnell. Jede Woche sind sie von neuen Kinderhorden umgeben, erleben besonders intensive Wochen, wenn sie mit behinderten Menschen arbeiten, und spielen dann immer wieder auch noch ihr eigenes Programm. “Das Feuer ist entfacht – ein ZuFall” heisst es und ist laut Plakat ein circensisches Athleticum. Was auch immer das sein soll, ein Besuch bei der Hauptprobe schafft Klarheit über die Zirkuskünste der Pipistrelli.

Olympia in der Manege

Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen ins Tösstal, als sich die Pipistrelli mit allerlei Instrumenten vor dem Zirkuszelt aufstellen und zur Einlassmusik anstimmen. Eine Handvoll Leute sitzt im Gras und hört der fröhlichen Musik zu. Darunter die beiden Regisseure Annette Stickel und Pascal Démarais sowie der Musikverantwortliche Marc Bänteli. Alle drei haben anfangs Jahr mit der bunten Truppe im Winterquartier des Circolino in Rikon zwei Monate lang an dem Stück geübt und gefeilt, Ideen auf den Boden gebracht und Nummern zu einer ganzen Geschichte zusammengestellt. Diese Geschichte dreht sich rund um einen olympischen Ring, der den Göttern ganz zufällig ins Rund der Manege gefallen ist. Und dort sollen nun also die Olympischen Spiele stattfinden.

Die Pipistrelli nehmen die Herausforderung ohne lang zu fackeln an, bemühen sich um eine griechische Atmosphäre, inszenieren eine Eröffnungsfeier, denken gar ans Maskottchen und laufen bei der Fackeljonglage oder dem Drahtseilakt der Federballastronauten zu Höchstleistungen auf. Viel Bewegung prägt dieses originelle Spektakel, wer nicht in der Manege steht, musiziert, hilft beim Aufbauen der Geräte oder sitzt hinterm Lichtpult. Die akrobatischen Nummern sind wohl nicht so spektakulär wie jene im grossen Knie, aber dafür einmalig und überraschend, spielerisch und luftig leicht. Denn wer hat schon einmal ein Wettschwimmen an Hängetüchern mitverfolgt?

Die Pipistrelli unterwegs


Die Tournee 2007 führt den Circolino Pipistrello dieses Jahr zu Schulen aller Altersstufen, Heimen, Ferienpassaktionen und Integrationsprojekten für Menschen mit oder ohne Behinderung. Die Traktoren ziehen das kleine Zirkusdorf inklusive Zelt, Kostüme, Requisiten, Werkstatt und Wagen von Schaffhausen bis nach Hergiswil im Kanton Luzern und vom solothurnischen Günsberg bis ins nahe Ausland, nach Lichtenstein. Die genauen Spieldaten sind auf der Website des Zirkus’ zu finden.

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Vom Gebet zur Sünde und zurück

Die Isländische Band Gus Gus, damals noch ein Künstlerkollektiv, gründete sich 1995. Anfänglich noch 12 Mitglieder umfassend, ist die Band heute auf ein Trio geschrumpft: Biggi Veira, Earth und President Bongo heissen die Mitglieder.
 Ihr erstes Album, ein Soundtrack zu einem selbst gedrehten Film, wurde in einer bescheidenen Auflage von 1000 Stück veröffentlicht. Dies war eher eine Notlösung, um dem Kollektiv weiterhin das Arbeiten zu ermöglichen. Ihr erstes kommerzielles Album erschien 1996 unter dem Titel “Polydistortion”. Album Nummer zwei “This is Normal” erschien 1999. Gus Gus war zu dieser Zeit wieder nahe am Bankrott doch Touren und Musik sollten weiter gehen, ja, mussten weiter gehen.

Tour mit Hip-Hop Band

Auf das neue  Jahrtausend hin schrumpfte die Band massiv: Sieben Mitglieder verliessen die Band. Doch drei Verbliebenen liessen sich dadurch nicht unterkriegen und arbeiteten munter weiter. Im Jahre 2000 erschien bereits das nächste Album “Gus Gus vs. T-World”, unter Mitwirkung von den eben genannten T-World, wobei deren ältere Aufnahmen von Mitte der neunziger Jahre als Grundlage dienten. Der Veröffentlichung folgte eine grosse Tour, unter anderem begleitet von einer Hip-Hop Band. Bald wurde Earth als neustes Mitglied aufgenommen und Gus Gus bekam endlich eine Leadsängerin. Der Eroberung der internationalen Musikszene stand nun nichts mehr im Wege.

Von Elektro zu House

Letzten Februar nun ist ihr fünftes Album “Forever” erschienen. Auch diesmal wieder unter Mitwirkung verschiedenster Gastmusiker. Ein Album, das die Reise zwischen Gebet und Sünde der Reise der Gefühle zur Tanzfläche gleichzustellen versucht. Die Band Gus Gus hat sich immer mehr von der Vermischung von Kunst und Elektro entfernt. Was früher noch nach Elektro-Soul klang, ist mit der Zeit der House-Musik gewichen. Was die drei Isländer in Zürich auf die Bühne bringen werden, darauf darf man also sehr gespannt sein. Gelten sie doch hinter vorgehaltener Hand als einer der besten live Dance Acts überhaupt. Tink.ch wird es  sich anhören und natürlich auch ansehen und gegebenenfalls mittanzen.

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„Ich fand die Idee wirklich cool“

Was muss man mitbringen, um bei euch mitzumachen?

Vor allem das Interesse am Radiomachen. Aber grundsätzlich sind alle willkommen, die etwas zu sagen haben oder einfach ihre Ideen umsetzen wollen.

Was ist deine Funktion im Team?

Ich bin Redaktionsmitglied. Obwohl ich zur Zeit noch alles mache, möchte ich später meinen Schwerpunkt auf die Musikredaktion legen.

Wie bist du zum Projekt RadioIndustrie gekommen?

Ich habe das Projekt “usZug” vor einem Jahr verfolgt und ich fand die Idee wirklich cool. Die aktuellen Radiosender gefallen mir nicht mehr und als die Informationsveranstaltung an meinem 20. Geburtstag stattfand, nahm ich das als Zeichen und ging hin. Mir gefällt besonders, dass wir sehr viel Freiheit haben bei der Programmgestaltung.

Hattest du bereits Erfahrung im Radio machen?

Nein. Aber das braucht es auch nicht, da wir hier alles beigebracht bekommen.

Wie wurde euch das nötige Wissen beigebracht?

Zwei aus der Projektleitung waren beim Radio 3fach und haben sich da instruieren lassen. Nachher haben sie uns das grundlegende journalistische Basiswissen vermittelt.

Wie viele sind im Team?

Bisher sind wir nur zu Dritt, aber das wird sich sicherlich noch ändern.

Was ist dein persönliches Ziel?

Ich bin generell Medieninteressiert und möchte daher einen Einblick ins Radio gewinnen. Ich könnte mir durchaus eine journalistische Laufbahn vorstellen und sehe dieses Projekt als Chance. Ausserdem mache ich selber Musik und möchte die Zuger Musik fördern.

Beim einmonatigen Versuch “Radio usZug” gab es feste Sendefenster. Wird es das wieder geben?

Alles ist noch in der Entwicklungsphase, aber wir möchten uns schon an die Sendefenster des Projekts “UsZug” anlehnen. Der Fokus wird jedoch auf der Jugend und Zug liegen.

Welche Musikrichtungen wird es geben?

Wir wollen möglichst viele Musikrichtungen abdecken, aber am Ende bestimmt der Einfluss der Mitschaffenden das Programm.

Auf was freust du dich am meisten?

Dass es endlich los geht. Ich freue mich auf die Umsetzung der eigenen Ziele und die vielen Leute, die ich kennenlernen werde.

Wie lange wird das Radioprojekt dauern?

Das Radioprojekt ist längerfristig angelegt. Das heisst zunächst wird es bis Ende Jahr laufen und dann entscheiden die Verantwortlichen wie es weiter geht. Es kommt auch auf das Interesse der Jugendlichen an und ob wir es schaffen das Redaktionsteam auszubauen. Geplant ist auch, dass wir zwischendurch eine temporäre Konzession für einen Monat auf UKW erhalten.

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Feinstaub in der Rostlaube

“Quatre mille! Non, non, non! Deux mille!” Wir trafen uns in der Mitte bei 3000 CFA Francs (senegalesische Währung) und los ging die holprige Fahrt durch die Stadt. Taxifahrten in Senegal bedeutet Mut und Verhandlungsbereitschaft: So muss vor jeder Fahrt der Preis mit dem Chauffeur ausgehandelt werden und Sicherheit wird bei den Gefährten nicht gerade gross geschrieben.

Ein Kubikmeter Abgas

Neben “Ndiaga Ndiaye”, den auffälligen, bunten Bussen, ist das Taxi Innerorts ein häufig genutztes Fortbewegungsmittel. Da die Routen der “Ndiaga Ndiaye” als Fremder schwer bis gar nicht auszumachen sind, nutzten wir die zwar teureren und nicht immer bequemeren Taxis. Als wir eines Abends im dichten Verkehr mit unserem Fahrer den Weg aus der Stadt suchten, um einen Bekannten zu besuchen, gelangen die Abgase kubikmeterweise in das Auto. Leider liessen sich die Fenster nicht schließen und so mussten wir die einstündige Fahrt durch den Stau mit hohem Feinstaubkonzentrat über uns ergehen lassen.

Hilfe vom Fahrer
Während dieser Zeit fragte ich mich mehrmals, wie die Fahrer denn die vor ihnen liegende Straße erkennen, da die Frontscheibe bei geschätzten 30 Prozent der Taxis zersplittert und sowieso bei 100 Prozent der Autos vollkommen verstaubt ist. Am Ende vieler aufregender Fahrten freuten wir uns jeweils, wenn wir die – im wahrsten Sinne des Wortes – Rostlauben gesund verlassen konnten. Jedoch benötigten wir auch hier des Öfteren die Hilfe des Fahrers oder vorbeigehender Passanten, weil sich die eine oder andere Autotüre nur von aussen öffnen liess. Aber all diese Strapazen haben wir bestens überstanden und vielleicht wagen wir uns, wenn wir das nächste Mal in den Senegal reisen, ja in einen prall gefüllten “Ndiaga Ndiaye”.

Bonjour, ça va?

Am 14. März 2007 haben wir unser Abenteuer Afrika gestartet. Obschon bis dahin der Winter in der Schweiz noch nicht eingezogen war, wollten wir schnell an die Wärme gelangen. Schon nach drei Tagen waren wir in Südfrankreich angekommen. Von da an fuhren wir immer der Küste entlang bis nach Spanien, wo wir unter anderem Barcelona und Valencia besuchten. Knapp zwei Wochen später hat uns eine Fähre von Algeciras nach Tanger (Marokko) gebracht. Wir stehen also nun auf dem Kontinent Afrika.

Am ersten Tag hatten wir etwas Mühe den Campingplatz in Tanger zu finden. Dabei mussten wir feststellen, dass man hier nicht einfach nur nach dem Weg fragt, sondern ein Gespräch immer mit “Bonjour, ça va?” beginnt. Erst danach geht man zum eigentlichen Thema über. Die Menschen hier sind sehr offen und gesprächig, kommen auf einen zu und wollen über Gott und die Welt sprechen.

Visajagd

Wir bewegen uns der Küste entlang nach Süden mit Zwischenhalten an schönen Orten wie Asilah, Mehdya Plage, Salé, Casablanca und Tiznit. Einen längeren Halt legen wir in Salé, einem Vorort von Rabat, ein. Da wir ohne Visa gestartet sind, müssen wir diese für die nächsten Länder besorgen. Eigentlich sollte das ja kein Problem darstellen. Leider waren infolge eines uns unbekannten Feiertages alle Botschaften geschlossen. Am nächsten Tag erfuhren wir dann, dass man das Visum für Mauretanien nur noch auf dem Konsulat in Casablanca bekommen kann und die Botschaft von Senegal wegen eines Jubiläums in Senegal für drei weitere Tage geschlossen ist. Nicht so schlimm, wir haben ja Zeit. Einzig das Visum für Mali konnten wir schon am dritten Tag abholen. Eine Woche später haben wir dann vorerst mal die nötigen Visa für unsere Weiterreise im Pass eingetragen. Während dieser Zeit sitzen wir an den Abenden oft mit Hamid bei einem Bier oder zwei.

Wunderschöne Campingplätze

Danach zieht es uns aber schnell weiter Richtung Süden. Der Wind am Abend ist doch recht kühl und wir wollten ja eigentlich an die Wärme. Also fahren wir in drei Tagen durch die ganze Westsahara. Die Strasse ist in gutem Zustand und wir kommen entsprechend schnell voran. Dabei lernen wir zwei schöne Campingplätze kennen. Einer heisst Fort Bou Jerif und liegt etwa 50 km entfernt von Guelmim. Hier findet auch jeden Samstag ein grosser Kamelmarkt mit Dromedaren statt. Der Campingplatz selbst steht irgendwo im Niemandsland und ist nur über eine Piste erreichbar. Der andere Campingplatz La roi de beduin ist kurz vor Laayoune und wird durch ein sehr nettes belgisches Ehepaar geführt. Auch hier mussten wir zuerst noch einige Kilometer auf einer Piste zurücklegen, bevor wir die wunderschöne Umgebung geniessen konnten.

Und nun sind wir von Dakhla nach Nouadhibou gefahren, haben also die Grenze von Marokko nach Mauretanien überquert und sind dabei auch gerade noch das erste Mal im Sand stecken geblieben. Der Grenzübertritt verlief ansonsten problemlos.

Scheinbar soll die Oase Chinguetti (etwas östlicher in Mauretanien) in der Nähe von Atar ausserordentlich schön sein. Die Strecke dazwischen, mitten durch die Wüste, kann mit dem Eisenerzzug bewältigt werden. Deshalb stehen wir nun auf dem Wagon und warten.

Kostbares Gut

Etwas haben wir schon gelernt in Afrika. Hier gibt es etwas sehr Kostbares, was wir in unserer materialistischen Gesellschaft leider nicht mehr haben. Zeit. Hier kennt man keine Eile. “Von nichts gibt es so viel wie von der Zeit, denn es kommt ja immer mehr Zeit”, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Irgendwann wird die Schlange der Zugswagen zusammengesetzt sein und wir können losfahren. Es ist jetzt zehn Uhr.


Tour d’Afrique

Seit Mitte März sind die beiden Luzerner Cyrill Müller und Linus Hüsler mit einem selber umgebauten VW-Bus unterwegs Richtung Süden. Auf der Suche nach endlosen Wüsten und traumhafte Stränden, herumziehenden Nomaden und Hirtenvölkern. Mit einem Global Positioning System (GPS) zeichnen sie ihre gesamte Reise kontinuierlich auf und bilden den Weg auf einer interakiven Karte von Google ab. Für Tink.ch berichten sie in loser Folge von ihren Abenteuern. Aktuelle Tagebucheinträge und Bildergalerien gibt es auf ihrer Reisewebsite.

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Immer wieder Bombenalarm

“Ich wuchs in Basel auf und besuchte dort die erste Rudolf Steiner Schule in der Schweiz. Der Umzug ins Berner Oberland auf den Hasliberg war ein richtiger Kulturschock für mich. Alles war neu, alles war anders. Es war eine völlig neue Welt für mich, dort oben in den Bergen. In meiner Klasse waren 25 Buben und ich war das einzige Mädchen. Als der Krieg ausbrach, mussten alle Lehrer Wehrdienst leisten. Ich war 16 Jahre alt, als ich die Schule beendete. Danach erhielt ich die Zusage für eine Lehre als Weberin im Heimatwerk in Brugg. Auf meiner ersten Fahrt dorthin stiegen hunderte Soldaten in den Zug ein, denn es war die zweite Mobilmachung der Schweizer Armee. An allen Bahnhöfen winkten die Frauen und Kinder zum Abschied. Manche weinten, andere hatten Angst. Das war sehr eindrücklich. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment.

20 Rappen für den Krieg

Angekommen in Brugg begann ich meine zweijährige Ausbildung zur Handweblehrerin. Ich war damals sehr arm. Gerade mal 4.80 Franken “Taschengeld” stand mir pro Monat zur Verfügung. Vom Fünfliber flossen nämlich noch 20 Rappen in die Landesverteidigung. Ich wohnte für wenig Geld bei einer Familie, aber dafür musste ich ihnen auf dem Lande helfen. Das war mit der Ausbildung zusammen eine sehr strenge Arbeit. Wir Lehrlinge mussten dann auch Landdienst leisten und in der Stadt, auf kleinen Wiesen oder Fussballplätzen, allerlei Gemüse anbauen oder Bucheckern zur Gewinnung von Öl sammeln. Immer wieder ertönte der Bombenalarm, denn Brugg liegt fast an der Grenze. Als Freiburg zugebombt wurde, haben wir alles aus der Ferne mit angehört. Wir hatten natürlich Angst und mussten oft in den Luftschutzraum fliehen. Das war aber keine Übung, sondern totaler Ernst. Wir konnten auch nicht weg, sondern waren einfach da. Wir überwanden aber unsere Angst.

“In den Läden gab es keine Milch”

Meine Mutter unterhielt eine Art Kinderheim auf dem Hasliberg mit bis zu 20 Kindern. Im ersten Kriegsjahr, als ich einmal nach Hause gehen durfte, mussten meine Schwester und ich immer auf der Mägisalp Milch holen. Das waren fast 800 Höhenmeter Unterschied. Jeden Morgen um fünf Uhr zogen wir los und schleppten 10 bis 15 Liter Milch auf dem Rücken den Berg hinunter. Da alle Sennen an der Grenze waren, mussten wir alles selber besorgen. Milch in den Läden gab es nicht. In unserer Freizeit suchten wir zwei uns eine Höhle, in der wir uns verstecken wollten, falls Hitlers Armee in die Schweiz einfallen würde. Sogar Essen und Wolldecken haben wir bereits dorthin verfrachtet. Dazu haben wir Schweizer Lieder geübt, damit die Deutschen dann merken würden, dass wir Schweizer sind und sie uns verschonen würden. Hitler geisterte während der Kriegszeit immer wie ein Schreckensgespenst in unseren Köpfen umher.

“Ich las unendlich viel”

Nach dem Krieg war die Lehre zu Ende und ich unterrichtete überall in den Dörfern Spinnen und Weben. Damals war diese Arbeit noch sehr nützlich und auch wichtig, da man noch nicht so viele Kleider kaufen konnte wie heute. Eigentlich wollte ich ja Ärztin werden. Aber ohne das nötige Geld konnte ich mir die Ausbildung nicht leisten. Dafür hatte ich alles, was mich interessierte, in Büchern gelesen. Ich las unendlich viel. Ab und zu habe ich auch Bilder gezeichnet. Vor allem, als ich Ernst kennen gelernt habe. Ich war 17, für kurze Zeit auf dem Hasliberg in den Ferien, und besuchte an einem Sommerabend mit einer Freundin den Brünig-Schwinget. Nach den Wettkämpfen gab es traditionsgemäss Tänze. Meine Freundin verschwand danach einfach. Plötzlich sprachen mich sechs junge Hasliberger an und fragten nacheinander, ob sie mich nach Hause begleiten dürfen. Ich sagte allen ab. Schliesslich blieb nur noch Ernst übrig und er sagte: “So darf ich halt mit dir gehen.”

Briefpost während fünf Jahren

Wir haben uns vorher nicht gekannt. Er war Bauer und Schriftsteller und meine Mutter hatte mir einmal zu Weihnachten ein Buch von ihm geschenkt. Damals wusste ich aber noch nicht, wer er ist. Während der Lehre und in der Zeit danach haben wir uns dann immer Briefe geschrieben. Fünf Jahre lang. Die Briefe konnte ich mir leisten, da er ja an der Grenze stationiert und Militärpost gratis war. Wir haben lange gewartet, bis wir uns richtig geliebt haben. Mit 22 Jahren heiratete ich dann Ernst und gebar fünf Kinder. Er war damals 28 Jahre alt. Die Briefe von ihm und die von mir habe ich heute noch allesamt. Sie haben vor einiger Zeit durch verschiedene Zufälle alle wieder zusammengefunden. Sie erfreuen mich heute noch sehr.”

Steckbrief:


Walpurga Nägeli wurde am 27. März 1924 geboren und lebte 14 Jahre in Dornach, danach auf dem Hasliberg und in Brugg. Ihre Mutter war Gärtnerin, der Vater Kunstmaler. Sie hatte sechs Geschwister und machte eine Ausbildung als Handwebinstruktorin. Sie hat fünf Kinder und sechs Enkel und war 50 Jahre mit Ernst Nägeli verheiratet, bevor er am 12. August 1996 starb.