Gesellschaft | 17.03.2007

Wenig Klimawandel beim Autosalon

Text von Wanja Knausz
Sieben Hallen voll Blech, Promis und Besucher. Entspannte Stimmung neben müden Beinen und teurem Essen. Autoneuheiten aus aller Welt glänzten um die Wette. Erstmals dabei war auch eine Automarke aus China und, wenn auch noch sehr zurückhaltend, erste umweltfreundliche gasbetriebene Autos.
Von weniger Benzinverbrauch keine Spur. "Ich saufe für fünf." Fotos: Wanja Knausz und Yann Schlegel Der gelbe Pfeil. Doch wo sind die vielen angekündigten Alternativ-Energien? Champagner und Ferrari harmonierten am Autosalon gut zusammen. Eines der wenigen Hybrid-Modelle. Der Glanz von Honda. Ein Erdgas-Mobil. Ein Jaguar, für den wohl eher reichen Kunden.

Eine neue Rekordzahl an ausgestellten Autos vermeldete der Genfer Autosalon bei seiner 77. Durchführung. Ganze sieben Hallen wurden mit Blechmodellen gefüllt. Wie gewohnt war jede Marke vertreten, von Ferrari bis Mercedes über Dodge und Bentley. Die Besucher standen Schlange. Shakira kritzelte ein Autogramm für Seat, die UEFA Champions League warb für Ford und Mädels in kurzen Röcken für Alfa Romeo. Nervige Vertreter und eifrige Poliermännchen eilten zwischen überflüssigen Wettbewerben und dem hin und her trudelnden Besucherknäuel umher. Doch es gab zweifellos auch Lichtblicke. Schnittige Sportwagen und glänzende Limousinen waren ein echter Augenschmaus und auch einige umweltfreundliche Autos wagten sich ins internationale Rampenlicht des Mega-Events.

Bolliden, Schlitten und Miniröcke

Der Klimawandel beschäftigt uns fast täglich, in den Medien ist er präsent wie nie. Betritt man den Genfer Autosalon, ist davon jedoch nichts zu merken. „Je mehr Saft, desto mehr Kraft“ ist bei den Autoriesen offenbar noch immer oberstes Gebot. Auch die Kunden scheint dieses Motto noch anzuziehen. Kein Wunder, denn die Bentley-Bolliden und Jaguar-Schlitten konnten wohl so manch schlechtes Gewissen verdrängen. Glänzend poliert, mit schönen Frauen und leuchtenden Scheinwerfern geschmückt, beförderten sie die Autoliebhaber in den siebten Himmel.

Doch so schlecht ist die Welt auch wieder nicht. Der Umwelttrend greift in der Autobranche stärker um sich, als es in Genf den Anschein machte. Erdgas-Autos sind klar auf dem Vormarsch. In der Schweiz gibt es heute 3300 Erdgasautos und es werden immer mehr. Das Tankstellennetz umfasst bereits 85 Tankstellen, die Zielgrösse 100 dürfte bald erreicht sein. Auch die Auswahl an Automodellen ist deutlich gestiegen. Wer auf Gas setzt kann zwischen 22 Modelle von neun Anbietern wählen. Klar an der Spitze ist der italienische Autohersteller Fiat mit sieben Modellen, doch auch Edelkarossen von Chevrolet und Mercedes, mit je einem Modell, sind erhältlich. Auch Dieselautos dürften bald sauberer werden, denn frühestens ab Ende 2008 dürfen diese per Gesetz nur noch mit Filter verkauft werden. Umweltschonende Autos haben es zwar noch schwer, doch es entwickelt sich langsam ein Trend. Wie stark er sich durchsetzen wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Die Chinesen kommen, jedoch gemächlich

Erstmals war am Internationalen Genfer Automobilsalon eine Automarke aus China vertreten. „Die Chinesen kommen“ wäre jedoch vorerst übertrieben. Unauffällig und noch wenig brillierend stand die erste chinesische Automarke „Brilliance“ in Halle 2. „Chinesische Fahrzeuge werden in den kommenden Jahren eine bedeutende Rolle auf dem europäischen Markt spielen“, gibt sich der Geschäftsführer Prof. Hans-Ulrich Sachs selbstbewusst. Noch sind die chinesischen Hersteller technologisch zwar im Rückstand, doch in einigen Jahren dürften chinesische Marken eine ernstzunehmende Konkurrenz darstellen. In Genf war von einem eigenen Design zwar noch wenig zu erkennen, doch Brilliance hat sich bereits die Dienste von Pininfarina sowie anderer renommierter Carrossiers gesichert. Dieses Jahr noch unauffällig, doch 2008 dürften die Chinesen in Genf bereits deutlich präsenter sein.

Neue Modelle, Glanz und Gloria

Doch nicht nur Brilliance war neu in Genf. Wie jedes Jahr gab es auch bei der 77. Durchführung viel Neues zu bestaunen. Nissan präsentierte gleich drei Weltneuheiten. Die Personenwagen C4, C2 und C4 Picasso unterstrichen Genf als eine der wichtigsten Automessenstädte der Welt. Auch Nissan und Tata präsentierten je einen neuen Personenwagen. Ein Publikumsmagnet waren auch die Weltpremieren Mercedes Benz CL216 und das E92 Coupe von BMW. Auch der Magna Steyr, der eher einem weissen Ufo denn einem Auto glich, erlebte in Genf seine Premiere. Als absolutes Highlight bezeichnet werden dürfen aber auch der goldenen Mazda Hakaze, mit seinem futuristischen aber absolut gelungenen Design, der Stola-1 mit seiner beeindruckenden Kühlerhaube und der silbern edle Lexus LF-A II, in dessen Nähe man sich den obersten Kreisen gleich etwas näher fühlte.