Gesellschaft | 12.03.2007

Vormittags Schule, nachmittags CEO

Text von Rahel Schmid
Im Rahmen von Young Enterprise Switzerland lernen Schülerinnen und Schüler die wirtschaftlichen Abläufe, den Umgang mit Finanzen und den professionellen Marktauftritt einer Firma kennen.
Von innen ein leistungsstarker Memorystick... Fotos: Rahel Schmid ...von aussen ein edler Kugelschreiber. Mario, Roland und Levent (von links). Drei der sechs Jungunternehmer.

Mit Unterstützung von Young Enterprise Switzerland (YES) gründen Schülerinnen und Schüler in Eigenregie eine Firma, die eine Dienstleistung anbietet oder ein Produkt vertreibt. Diese Miniunternehmen mit Maxiprofit – zumindest, was die beruflichen Schlüsselfunktionen wie Eigeninitiative, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit betrifft – fördern den praxisnahen Lernprozess.

Das Jungunternehmen Speicherplatz präsentierte an der Mustermesse Basel sein Produkt, den handlichen Kugelschreiber mit integriertem Laserpointer und USB-Stick namens Kul3. Tink.ch hat die CEO, den Marketingleiter und den Messeverantwortlichen an ihrem Stand getroffen.

Wie habt ihr vom Projektangebot Young Enterprise Switzerland erfahren?

Roland Kienast (Marketing): Uns ist schon seit der ersten Klasse des Gymnasiums eingetrichtert worden, dass wir als Wirtschaftsgymnasiasten bei YES teilnehmen können und dies auch sehr erwünscht sei. Wir konnten dieses Thema dann als Freiwahlfach belegen.

Was für ein Produkt verkauft ihr?

Caroline Dreier (CEO): Einen Kugelschreiber mit einem Laserpointer und einem USB-Stick mit einem Gigabyte Speicherplatz. Der Preis beträgt 44 Franken.

Wehalb habt ihr euch für den Verkauf dieses multifunktionalen Sticks entschieden?

Levent Morandini (Messeverantwortlicher): Wir haben ein Produkt gesucht, das möglichst viele Menschen kaufen würden, und haben im Internet recherchiert, was es überhaupt für Möglichkeiten und Produkte gibt. Von einem Bekannten haben wir dann den Tipp bekommen, auf einer bestimmten Homepage zu suchen. Dort haben wir schliesslich diesen Stick gefunden.

Wie habt ihr das nötige Startkapital zusammenbekommen?

Roland: Das besteht aus 94 Partizipationsscheinen, sozusagen Aktienscheine im Wert von je 30 Franken. Die Aktionäre haben zwar kein Mitspracherecht, aber wenn wir mit unserem Geschäft Erfolg haben, werden ihnen Dividenden ausbezahlt. Die restlichen sechs Partizipationsscheine besitzen wir als Hauptaktionäre. Dadurch ist gewährleistet, dass nur wir über die Geschäftstätigkeit unserer Firma bestimmen können.

Wie teilt ihr die Organisation eures Unternehmens auf und wie viel Zeit müsst ihr investieren?

Caroline: Wir haben pro Woche eine Schulstunde für unsere Sitzung zur Verfügung, der Rest geschieht in unserer Freizeit. Während dieser Sitzung besprechen wir den Stand unseres Unternehmens und verteilen auch unter uns die anfallende Arbeit. Wir sind in verschiedene Abteilungen gegliedert: Geschäftsführung, Marketing, Einkauf, Messe, Verkauf, Finanzen und Informatik. Jeder ist für sein eigenes Ressort verantwortlich.

Seid ihr bei eurer Geschäftstätigkeit auch auf unvorhergesehene Schwierigkeiten gestossen?

Levent: Vor Weihnachten hatten wir grosse Probleme mit der Bezahlung nach China, von wo wir unser Produkt beziehen. Die Bank hat den Zahlungsverkehr irgendwie falsch aufgeschrieben, wir wissen auch nicht genau, was da schief gelaufen ist. Dazu kam noch, dass wir eine Grossbestellung von 100 Stück hatten, diese wurde dann aber wegen der Lieferverzögerung abgesagt.

Wie sieht die bisherige Bilanz eurer Geschäftszahlen aus?
Roland: Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden. Schon am Eröffnungstag sind 50 Stück verkauft worden. Wir haben geplant, dass wir im ganzen Jahr mindestens hundert verkaufen sollten, damit es sich rentiert und wir nicht in die roten Zahlen rutschen. Aber wir mussten bis jetzt sogar zwei Mal eine Nachbestellung organisieren.

Welche Fähigkeiten als Jungunternehmer habt ihr erworben?

Levent: Sehr viele. Wie man als Einzelperson die Firma vertreten muss und natürlich wie es innerhalb eines Unternehmens abläuft. Wie kommt man an das Produkt, wie bewirbt man es, wie wickelt man Zahlungen ab? Jeder von uns ist durch das YES-Projekt um Erfahrungen reicher geworden, insbesondere in seinem eigenen Zuständigkeitsbereich.

Wie sieht die Zukunft eurer Firma aus?
Roland: Wir haben ein Jahr lang Zeit, um unser Unternehmen zu führen, danach müssen wir es von YES aus auflösen. Wir könnten aber alleine nochmals von vorne anfangen. Doch wir haben das Problem, dass wir noch nicht 18 Jahre alt sind und deshalb noch keine AG gründen können, auch finanziell wäre dies schwierig. Wir warten ab, wie dieses Jahr verläuft. Danach schauen wir weiter.

Links