Kultur | 12.03.2007

Vom Faun und den Faschisten

In seinem neusten Film erschafft der Regisseur von "Blade 2" und "Hellboy", Guillermo del Toros, eine fesselnde Mischung aus kriegsbelasteter Realität und märchenhafter Fantasiewelt.
Der Faun (Doug Jones) und Ofelia (Ivana Baquero) Fotos: www.senator.de Ofelia wird vor drei Prüfungen gestellt. Kann sie wiederstehen? Der Verdammte. Captain Vidal (Sergi Lopez) Das offizielle Poster zum Film.

Mitten im Spanischen Bürgerkrieg ordert der dem faschistischen General Franco unterstehende Captain Vidal (Sergi Lopez) seine hochschwangere Frau samt Stieftochter Ofelia (Ivana Baquero) an seinen momentanen Einsatzort im Gebirge. Ein Sohn soll schliesslich bei seinem Vater zur Welt kommen, so seine Begründung. Während er mit brutalsten Methoden versucht, gegen die Guerilla-Kämpfer vorzugehen, folgt Ofelia einer sich zu einer Fee verwandelnden Libelle in ein heruntergekommenes Labyrinth, wo sie auf einen Pan trifft. Dieser prophezeit ihr die Rückkehr in ein unterirdisches Reich, in dem sie Prinzessin sei und von ihrem Vater sehnlichst erwartet werde.

Um zu erfahren, ob sie wirklich die würdige Königstochter ist, muss sich Ofelia drei Prüfungen unterziehen. Und so begibt sich das ohnehin märchenliebende Mädchen von Aufgabe zu Aufgabe tiefer in die fantastische Welt.  


Alles nur eingebildet?  

Der Film startet mit der Saga um die oben erwähnte Prinzessin. Danach wird man zunächst etwas langatmig in die aktuelle im realen Spanien herrschende Situation eingeführt. Als Ofelia dann aber der Fee in das Labyrinth folgt und dort dem Faun begegnet, wird das Publikum gepackt und von Minute zu Minute mehr in ihre Welt gezogen. Oft unterbricht Del Toro diese fantastischen Filmsequenzen aber mit überraschend brutalen Szenen, die den Zuschauer wieder in die reale Welt mit den uniformierten Faschisten und ihren radikalen Vorgehensweisen katapultieren. Das bewirkt, dass man einerseits wissen will, wie es der leidenden Mutter geht, andererseits kann man es kaum erwarten, bis der Pan wieder auftaucht und Ofelia ihre nächste Aufgabe stellt. Ob die Fabelwesen und ihre Welt existieren oder alles nur eingebildet ist, erfährt man jedoch bis zum Schluss nicht.  

And the Oscar goes to…  

El Laberinto del Fauno, wie der Film im Original heisst, war für sechs Oscars nominiert und gewann drei davon. Ausgezeichnet wurde er in den Kategorien „Beste Kamera“, „Bestes Szenenbild“ sowie „Bestes Make-Up“. Letzteres zeigt sich vor allem in den sehr aufwendig und detaillieb gestalteten Fabelwesen. Doug Jones ist in seinem Faunen-Kostüm unmöglich wieder zu erkennen.

Pan’s Labyrinth ist ganz klar Geschmackssache, entweder findet man den Film genial oder man kann ihn nicht leiden, ein Dazwischen gibt es wohl nicht.

Faun oder Pan?


Ist die immer wieder erwähnte Kreatur nun ein Faun oder ein Pan? Ganz einfach: Ein Faun ist das römische Äquivalent des altgriechischen Gottes Pan, der in der Mythologie die morallose Ganzheit der Natur, sowohl deren Entstehung wie auch Zerstörung, repräsentiert. 

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