Kultur | 12.03.2007

The Sounds – zwischen Pop und Punk

Text von Sandro La Marca
Das Konzert im Abart war zwar nicht ausverkauft, doch trotzdem machten die symphatischen Schweden auf Teufel komm raus, sie waren teuflisch gut drauf.
Es ging ziemlich ab im Abart: Das Publikum war begeistert. Fotos: Sandro La Marca Nicht so harmlos, wie sie aussieht: Frontfrau Maja Ivarsson. The Sounds von links nach rechts: Maja Ivarsson, Fredrik Nilsson, Felix Rodriguez, Jesper Anderberg und Johan Bengtsson. "Hot, it's sweaty" heisst es nicht nur in ihrem Song "Tony The Beat" Stage Diving scheint Majas Hobby zu sein. Gitarrensound und Keyboard: ein Hauch von New Wave.

Eines war letzten Sonntag am Konzert von The Sounds definitiv nicht ernst zu nehmen: Der Titel „Running Out Of Turbo“, der auf ihrem letzten Album „Dying to Say This to You“ am Schluss der Trackliste steht. Den Schweden ging alles andere als der Turbo aus. Besonders für Frontfrau Maja Ivarsson schien die Bühne zu klein und der Aschenbecher wohl zu weit weg; dafür musste eben das Publikum hinhalten. Doch die oder der Glückliche mit dem brandlochsignierten T-Shirt dürfte sich gefreut haben. Man sei trotzdem gewarnt. Die Frau behauptet ja schliesslich für sie sei Rock’n’Roll Teufelsmusik und grundsätzlich böse. Doch, dass aus Wut nicht nur teuflisch gute Musik, sondern auch positive Energie entstehen kann, das konnte man an ihrer symphatischen Ausstrahlung erkennen. Trotz Punk-Attitüde bestach sie immer wieder das Publikum. Majas offenherziges Auftreten und ihre kraftvolle, freche Stimme inszeniert mit einer Beweglichkeit, vergleichbar mit der einer Fruchtgummischlange – Wer kann da schon wiederstehn?

Pop oder Punk? Wen kümmerts!

Wer die Sounds bisher nur von Myspace her kannte oder von der CD, der oder die dürfte im Abart ganz schön Augen gemacht haben. Was einem da an schwedischer High Heels-Akrobatik geboten wurde, überraschte viele Zuschauer und liess jeden im Saal wahre Publikumsnähe spüren. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die mit Hotpants betuchte Sängerin landete während dem Konzert plötzlich mit einem Sprung im Publikum. Stagediving, Rauchen und Biertrinken auf der Bühne scheinen definitiv Ivarssons Hobbies zu sein. Zumindest schien es der über den Köpfen der Zuschauer zappelnden blonden Rock-Lady echt Spass zu machen.

Wer da während dem Konzert noch nicht stutzig wurde, ob The Sounds wirklich nichts als Popmusik spielen, war wohl definitiv zu betrunken, um über den Bühnenrand zu sehen. Jedenfalls war ihr Auftritt im Abart das wohl beste Rock’n’Roll-Konzert einer Pop-Band seit geraumer Zeit. Klischees hin oder her, The Sounds haben bewiesen, dass es auch ohne geht. Schade nur, dass die gute Stimmung nach dem Konzert nicht mehr lange währte, da die meisten Partysanen noch irgendwie nach Hause kommen mussten, wie so oft bei Konzerten am Sonntag. Der Rock’n’Roll-Teufel hat Montags wohl auch nicht frei.

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