Kultur | 27.03.2007

„Spielfilme reizen uns am meisten“

Text von Ayse Turcan | Bilder von Tanja Demarmels
Luzia Schneebeli, Stefania Burla und Moritz Bachmann haben mit ihrem 20-minütigen Spielfilm "Das Unterseeboot" in der Kategorie C den Springenden Panther abgeräumt. Tink.ch traf sie zum Gespräch über Kunst, Castings, Botschaften im Film und Ideen für die Zukunft.
Die Macherinnen von "Das Unterseeboot" erhalten den ersten Preis in der Kategorie C.
Bild: Tanja Demarmels

Wie kam es, dass ihr zusammen diesen Film gedreht habt?

Wir waren früher schon bei Freunden beim Filmemachen dabei. Doch schon lange hat es uns gereizt, selber mal ein Projekt anzugehen, vor allem in dieser Konstellation. Wir möchten später alle etwas Richtung Film oder Kostüme machen. Da wir alle eine ähnliche Zukunft ansteuern, wollten wir Erfahrungen sammeln.

Wieso habt ihr einen Spielfilm gemacht?

Spielfilme reizen uns am meisten. Es ist eine attraktive und spannende Form des Films. Wir wollten mit Schauspielern arbeiten und konnten auch Kostüme verwenden.

Wie habt ihr die Schauspieler für euren Film gefunden?

Wir haben an verschiedenen Orten Zettel aufgehängt, dass wir Leute für eine Filmproduktion suchen. Beim Casting sind dann sehr viele junge Leute erschienen, doch keine einzige ältere Person. Der ältere Herr wurde dann von Stefania Burlas Vater gespielt, die Dame fanden wir bei einem Laientheater.

Wie habt ihr eure Produktion den finanziert?

Wir mussten nicht so viel ausgeben, da wir das Glück hatten, dass uns vieles gesponsert wurde. Verpflegung oder auch die Räume für die Sets wurden uns zur Verfügung gestellt. Daneben gab es aber auch viele kleinere Dinge, wie Benzinkosten, die wir selber bezahlt haben. Alles zusammengerechnet beliefen sich die Ausgaben dann doch auf etwa 1000 Franken.

Hattet ihr die Absicht, mit eurem Film eine konkrete Botschaft zu vermitteln?

Nun, eigentlich haben wir uns zu Beginn gar nicht so viele Gedanken dazu gemacht, erst mit der Zeit wurde uns klar, was wir damit aussagen wollen. Rassismus ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema, das uns sehr beschäftigt. Viele Menschen sind Ausländern gegenüber sehr skeptisch. Un dann ist da auch noch die Frage, was die Menschen eigentlich am Leben hält. Für den älteren Mann im Film ist das der Goldfisch.

Was ist für euch Kunst?

Träume wahr werden zu lassen. Sich vom Materialismus zu distanzieren, seine Kreativität auszuleben, einfach frei zu sein.

Welche wichtigen Erfahrungen habt ihr beim Dreh gemacht? Was würdet ihr beim nächsten Film vielleicht anders machen?

Besser Planen. Wir hatten zu Beginn der Dreharbeiten ein richtiges Chaos, als wir drehen wollten hatten wir Mühe, einen Goldfisch zu besorgen, die Läden waren zu. Dann machte das Brockenhaus, das versprochen hatte uns Möbel zu liefern, einen Rückzieher. Wir mussten improvisieren, und aus einem Disaster ist etwas Tolles entstanden. Das Teamwork war super.


Viele Leute sind gespannt auf eine nächste Produktion von euch. Habt ihr diesbezüglich schon Pläne?
Wir haben eine Idee, doch bis wir diese umsetzen können, werden wohl noch einige Jahre verstreichen. Das wird dann wahrscheinlich ein etwa 90 minütiger Film.

Könnt ihr mehr darüber verraten?

Nun ja, das Hauptthema: Es wird in diesem Film um Kommunismus gehen.

Was bedeutet euch der erste Platz, den ihr heute an den Jugendfilmtagen erreicht habt?

Es ist eine tolle Bestätigung dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Man kann einen eigenen Film mit der Zeit nicht mehr bewerten, wenn man ihn sich zigmal angesehen hat.

Irgenwelche letzten Worte?

Es hat uns alles sehr viel Spass gemacht und wir bedanken uns noch mal bei allen, die uns geholfen haben. Wir machen jetzt dann sicher auch noch eine Party für alle Involvierten.

Zum Film „Das Unterseeboot“ 


Der Film handelt von einem alten Ehepaar, das sich sichtlich auseinander gelebt hat. Er kümmert sich ausschliesslich um seinen Goldfisch, sie richtet ihre ganze Aufmerksamkeit auf Klatsch und Tratsch, insbesondere auf das junge Paar, welches in der Dachwohnung des Hauses lebt. Sichtlich empört ist die alte Dame, als sie erfährt, dass ihre Mieterin ihren ausländischen Freund ohne Aufenthaltsgenehmigung beherbergt. Zum Showdown kommt es, als die alte Frau das Paar zum Essen einlädt, ihre rassistische Haltung offenbart und ihrer Mieterin die Wohnung kündet.

Der Film behandelt verschiedene Themen, einerseits Rassismus verbunden mit engstirniger Denkweise, und zeigt daneben grundsätzlich verschiedene Beziehungen zwischen den Paaren und zwischen alt und jung.

Wunderschön finde ich, wie die Einsamkeit innerhalb einer Beziehung dargestellt wird. Man kann sich sehr gut in die Figuren hineinversetzen. Die Handlung ist klar und trotzdem nicht vorausschaubar. Die Geschichte wirkt sehr realistisch und durchwegs glaubwürdig. Obwohl das nicht unbedingt ein allgemeingültiger Massstab ist, ich habe am Ende dieses Films geweint. Das heisst noch nicht viel, doch zumindest, dass "Das Unterseeboot" wirklich unter die Haut geht. Ein tolles Debüt.