Gesellschaft | 27.03.2007

Sinne berühren

Text von Alain Bopp
Im neuen Zürcher Einkaufszentrum Sihlcity wurde am 22. März die Arena Filmcity eröffnet. Den Besuchern wird unter anderem ein in der Schweiz einmaliges 5D-Action-Kino-Programm angeboten. Drei 25-minütige Streifen stehen zur Auswahl.
Auf in neue Dimensionen mit der 3D-Brille. Fotos: Johannes Dietschi In diesen Sesseln wird man zuweilen durchgeschüttelt. Zwangsoptimist Eduard Stöckli, Mitbetreiber der Arena Filmcity: "Die Zukunft des Kinos hat gerade erst begonnen."

Das neue Multiplexkino in der Wirtschaftsoase Sihlcity ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch zu erreichen. Das Areal der ehemaligen Sihl Papierfabrik wich einem breiten Angebot an Unterhaltung und Dienstleistung. 2000 Arbeitsplätze wurden hierfür geschaffen. Total 2’105 Sitzplätze, zehn Säle, und 5’400 Quadratmeter Fläche umfasst der Filmpalast. Die Kinosäle werden für Kongresse und Seminare angeboten.     

Auf Initiative von Peter Preissle, Art Director der Mascotte Film AG Zürich, konnte die zweite Sekundarklasse A seiner Tochter aus dem Schulhaus Hirschgraben zusammen mit Medienleuten vor der Premiere die gegenwärtige Entwicklung von 5D-Kino begutachten. Das Erlebniskino bietet Platz für vierzig Personen. Der Ankündigung zu Folge sollte sich der Besucher „mittendrin im Film“ fühlen. Die Filmcity will Jung bis Alt anlocken und lockt mit einem kulturellen Angebot, das von Mainstream über Kunst und Kultur bis hin zu Kinder- und Seniorenfilmen reicht.  

Eduard Stöckli, Mitbetreiber der Arena Filmcity, kündigt den Probelauf des Drive Cinema 5D als ein Erlebnis mehr als Kino an. Es ist zwar ein seriöser Kinokomplex, aber dieser Raum musste erschaffen werden, selbstverständlich um sich zu amüsieren und als Experiment in eine neue Richtung. Und Stöckli schwärmt, wie Bild, Ton und Stühle verschmelzen, wie ein Film zu einem erlebten und erfühlten Ereignis wird. Diese Atmosphäre, das Spiel mit dem Geruch: „In Wien und Berlin existiert dasselbe, ansonsten nirgends. Es ist das einzige derartige Kino in der Schweiz, jedenfalls noch in diesem und im nächsten Jahr.“

Verantwortlich für die Technologie ist das österreichische Unternehmen Prime Cine Technologies. Einige technische Startschwierigkeiten verzögerten die Testaufführung mit den anwesenden Versuchskaninchen, und strapazierten teilweise jene Gemüter.  

Neben dem Sehen, Hören, und Bewegt werden, kann das Kinopublikum den Film fühlen, mittels Wasserfontänen, die vom vorderen Sitzrücken spritzen und dem Krabbeln von Ungeziefer an den Beinen. Des weiteren wabern Düfte durch die Luft, aus einer Auswahl von ingesamt 6’000 Gerüchen.  

Die neuen Dimensionen versprechen aber mehr als sie einhalten. Auffallend sind die technischen Schwierigkeiten und die nicht reibungslosen Bildabläufe. Die Technik befindet sich offensichtlich im Anfangsstadium.     

Der vorgeführte Film handelt vom Schmelzen der Nordpolkappen, davon, den Gefahren, die unseren Planeten und unser Leben bedrohen, ins Auge zu sehen. Lilly Preissle gab an, erschrocken zu sein: „Zum Beispiel als die Schlange ins Bild gefallen ist, oder es an den Fersen kitzelte.“ Eine Gruppe von Jungs war von der Qualität mässig begeistert, aber im Grossen und Ganzen doch zufrieden. Eine Pressefrau kommentierte während der Filmvorführung: „Furchtbar.“ „Ah… jetzt schmeckt es schon besser.“ „Ah… Nein. Das ist zuviel des Guten.“ Und eine andere: „Im Flugzeug werden immerhin Kotzbeutel verteilt.“

Ein Jugendlicher begann davon zu schwärmen, wie weit mit diesen Formaten interaktive Spiele entwickelt werden können. Peter Preissle kritisierte, er wisse nicht, ob er 90 Minuten lang mit allen Sinnen mithalten könne und wolle. Andere fanden genau das Gegenteil.  

Technische Unterbrechung: Ein Bild hat sich verschoben. Presseverwirrung. Nach zehnminütigem Fotografengeblitze fragte eine Mitarbeiterin vom Schweizer Fernsehen, ob die Fotografen nicht für fünf Minuten das Geblitze einstellen könnten. Es blitzte fröhlich weiter.  

Zur Auswahl stehen im 5D-Kino der gezeigte „SOS Planet 5D“ mit einzigartigen und oft aufgesetzt wirkenden Computeranimationen von der Umweltbedrohung unseres Planeten, „Haie 4D“ von Jean-Michael Cousteau, darüber wie die Haie aus der Tiefe wirklich sind, und „Haunted House 5D“, in der eine schwarze Katze durch ein geheimnisvolles Haus führt. Weitere dargebotene Reisen sind bereits angekündigt: So eine „Odyssee 5D“ und „Kleine Giganten des Dschungels 5D“.

In der Filmcity Arena sind sogar die Toiletten mit Bildschirmen ausgerüstet. Der Grundausbau wurde von den Architekten der Theo Hotz AG geplant und von der Karl Steiner AG gebaut. Eduard A. Stöckli, Max Koch und Direktor Patrick Tavoli entwarfen das Konzept des Innenausbaus, realsiert von der Cinetec Kinobau AG, Herrn Keist, als Generalunternehmer. Betreiberin ist die Stöckli Holding AG mit Sitz in Chur.

Edi Stöckli, der an verschiedenen Firmen im Filmgeschäft Beteiligungen hält, gab zur Antwort, ich solle ihn in fünf Jahren wieder fragen, ob die Investition sich gelohnt habe: „Die Zukunft des Kinos hat gerade erst begonnen.“ In diesem Kinokomplex, in den er sehr viel setzt, sind von seiner Seite und der seiner Partner rund 15 Millionen Franken im Spiel.  

Sinngemäss sagte er, man müsse alle Strömungen oder Wolken mit einbeziehen. So gibt es auch eine Kirche in der grossen Kleinstmetropole Sihlcity. Fast schon überheblich zynisch meinte er: „Wir nehmen alle mit.“

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