Sport | 23.03.2007

Sie gibt alles für ihren Traum

Text von Yann Schlegel
Erst kürzlich hat sie sich der siebten Kreuzbandoperation in ihrer noch jungen Karriere unterziehen müssen, trotzdem wirkt sie aufgestellt und motiviert:Dominique Gisin erzählt im Interview vom Skirennsport, von ihrer Verletzung und der WM in Are.
Dominique Gisin beim Interview in Engelberg, dahinter die atemberaubende Bergkulisse. Fotos: Thomas Hirsbrunner Im Porträt: Schon bald will die 21-Jährige wieder im Skizirkus mitmischen. Es ist ihr nicht anzumerken, dass sie schon den siebten Kreuzbandriss erlitten hat.

Wie geht es Ihnen den Verhältnissen entsprechend?
Es geht mir schon sehr gut, ich kann bereits wieder Vieles machen und habe praktisch keine Schmerzen mehr.  


Nach dieser Knieoperation fragen sich alle, wie und ob es mit Ihrer Karriere weitergeht.

So wie es im Moment aussieht, werde ich sicher weiterhin im Skizirkus mit dabei sein. Die Rehabilitation verlief bis jetzt super und hoffe, dass ich im September das Skitraining wieder aufnehmen kann. Dann wäre noch nichts verloren, da ich bis zum Sisonstart noch zwei bis drei Monate Zeit hätte, zu trainieren. Und Kondition kann ich schon vorher viel aufbauen. Also glaube ich daran, in Topform in die neue Saison starten zu können.  


Nach etlichen Verletzungen haben Sie immer wieder die Motivation gefunden sich zurückzukämpfen. Woher nehmen Sie die Kraft und den Mut?

Das Skifahren ist mein Leben. Es gibt nichts Schöneres auf der Welt für mich. Dass ich diesen Sport zu meinem Beruf machen, von ihm leben, damit die ganze Welt bereisen und immer an den schönsten Skiorten sein kann, das ist mein Traum. Für diesen Traum lohnt es sich einfach alles zu geben, jetzt nach meinem ersten Weltcup-Winter erst recht. Es war so schön, dass ich es nicht mehr aufgeben möchte.

Nimmt die Angst vor einem schlimmen Sturz nicht nach jeder Verletzung zu?

Mit jedem Sturz, den man erlebt, hat man ein neues, unschönes Bild in Erinnerung. Aber mein letzter Sturz im italienischen Tarvisio war der schlimmste, den ich je hatte. Trotzdem ist er relativ glimpflich ausgegangen. Bei meinem rechten Knie, auf dem mehr Druck lastete und das schon sechs Mal operiert wurde, hat jede einzelne Struktur gehalten. Das gibt mir wiederum Vertrauen und Mut. Auch der Faktor, dass ich bei schönem Wetter gestürzt bin, ist positiv. Viele Fahrer, die bei schlechtem Wetter stürzen, haben danach ein Schlechtwettertrauma. Bei uns Skifahrern ist jeder Sturz, bei dem nichts passiert, ein „guter“ Sturz.  

Wann sind Sie das erste Mal auf Skiern gestanden?

Als ich eineinhalb Jahre alt war und kaum laufen konnte (lacht). Ein Jahr später fuhr ich schon selbstständig den ganzen Tag Ski. Nur das Aufsteigen auf den Skilift bereitete mir noch ein wenig Mühe. Ich liebte das Skifahren von Kindesbeinen an. Die längste Pause, die ich einlegen musste, war im Jahre 2002, als mich eine schwere Verletzung daran hinderte. Da stand ich acht Monate nicht auf den Skiern.  


War es schon immer Ihr Traum, Profi-Skirennfahrerin zu werden?

Das war schon immer mein Wunsch. Seit ich mich erinnern kann, wollte ich Skirennfahrerin werden. Es steht auch in sämtlichen Poesien meiner Jugendzeit.  

Welches war der schönste Moment Ihrer Karriere?

Die Fahrten in Altenmark gehören sicherlich zu den schönsten Momenten. Ich hatte ein annähernd perfektes Rennen und mein Gefühl war, während ich in Richtung Tal brauste, unbeschreiblich. Für mich ist der schönste Moment sowieso dann, wenn ich unterwegs bin, nicht wenn ich im Ziel stehe und meine Laufzeit sehe. Auch die WM in Are war sehr schön, vor allem die Stimmung und das Städtchen – wie in einem Märchen.

Sie erlebten Ihre erste Ski-WM in Are. Wie war dieses Erlebnis?

Es war die schönste Woche dieses Winters, auch weil es so kalt war. Der viele Schnee behagte mir sehr. Dazu war die Abfahrtsstrecke der Frauen wirklich fabelhaft. Sie hatte alles zu bieten, was sich eine Abfahrerin wünscht. Und auch, dass die Männer des Schweizer Teams so viele Erfolge feiern konnten, machte die WM unvergesslich.  

Das Schweizer Frauenteam von Swiss-Ski hatte diese Saison mit wenigen Ausnahmen Mühe, mit guten Resultaten an der Weltspitze mitzumischen. Was sind die Gründe?

Wir hatten nicht eine viel schlechtere Saison als letztes Jahr. Es hat einfach ein Sieg gefehlt, das ist klar. Der Unterschied ist auch, dass die Herren diese Saison bedeutend besser gefahren sind, was uns ein wenig in den Schatten gestellt hat. Zudem waren wir viele Weltcup-Debütantinnen im Frauenteam.


Diese Saison war gezeichnet von zahlreichen Rennausfällen wegen Schneemangels und schlechten Wetterverhältnissen. Machen Sie sich Sorgen um den Skirennsport der Zukunft?

Bei uns Skifahrern ist das schon länger ein Thema. Jeden Sommer, wenn wir auf dem Gletscher trainieren, sehen wir, wie stark er geschmolzen ist und das bereitet uns Sorgen. Aber wir sehen diesen Winter positiv für uns, weil er vieles in Bewegung gesetzt hat und auch die Politik damit konfrontiert wurde. Ich habe die Hoffnung, dass noch etwas passiert und der schnelle Klimawandel gebremst werden kann.  


Sie träumten einst davon, Militärpilotin zu werden. Tun Sie das immer noch?

Es ist eine Zeit her, dass dies mein Wunsch war. Nun kann ich nicht mehr zurück und habe mich für das Skifahren entschieden, was ich keineswegs bereue. Neben dem Skifahren habe ich ein Physik- und Mathematikstudium in Basel begonnen.  


Welches ist Ihr grösster Traum?

Momentan ist sicherlich Olympia-Gold mein grösstes Ziel, mit der Vision Vancouver. Was nach der Skikarriere kommt, weiss ich noch nicht genau. Da sie aber nicht einmal das halbe Leben ausfüllt, hoffe ich auch dann noch Träume zu haben.

Links