Kultur | 19.03.2007

Schwarz-weiss Fotos aus Schwarzafrika

Text von Andrea Würsten | Bilder von Andrea Würsten
Ein Jungfotograf rückt mosambikanische Realitäten ins Bild. Mit Hilfe der Papierabzüge erzählt Bocarras Szenen, die er nur ungenau in Worte zu fassen vermag. Die Werke sind ab Montag, 19. März, in der Gelateria Luna Llena in Bern zu sehen.
Bocarras lässt dem Schnappschuss stets den Vortritt. Fotos: Bocarras Marlboro in Afrika. Finissage in der Galerie aux Grottes in Genf mit dem jungen Fotografen.
Bild: Andrea Würsten

Im Januar zeigte der 21-jährige Bocarras seine Bilder erstmals ausserhalb von Mosambik. Die Galerie hinter dem Genfer Bahnhof war gut besucht. Und obschon die Medien kein Interesse zeigten, wechselten vier Werke seiner Kollektion den Besitz. Nun zeigt er seine Ausstellung auch in Bern. In der Gelateria Luna Llena, die eher für lateinamerikanisches Feeling bekannt ist.  


Lieber Künstler als Pressefotograf

Die Fotografie entdeckte Bocarras bereits in seiner Schulzeit. Américo, auf diesen Namen tauften ihn seine Eltern, fand jeweils nicht die passenden Worte, um seine Beobachtungen präzise zu berichten. Mit seiner ersten Kamera hielt er dann jeweils jene Szenen fest, die ihn faszinierten. Viele seiner Sujets findet er am Wegrand. Inszenierte Fotos sind hingegen nicht seine Welt. Frage ich ihn, ob er später für BBC-Africa arbeiten möchte, winkt er sofort ab. Pressefotografen müssten pädagogisch denken, was zwangsläufig die Gestaltungsfreiheit einschränke. Er wolle künstlerisch tätig sein und dazu viel Raum für das Experimentieren bewahren.  

Der Schnappschuss hat Vortritt

Handwerkliches Geschick ist für seine Fotos notwendig aber nicht ausreichend. Als Künstler sucht er intime Einblicke in das Leben der Anderen, was schon mal zu Irritationen und Verunsicherungen führt. Streift er mit seiner Kamera durch abgelegene Gebiete, so trifft er bei den Menschen auf eine Mischung von Neugier und Angst. Den Vortritt gebe er stets dem Schnappschuss. Wenn dann beim soeben abgelichteten Kind Tränen des Schreckens flössen, würde er es anschliessend beruhigen und gäbe ihm ein Bonbon. Die umgekehrte Reihenfolge funktioniere nicht, ist er überzeugt, „para não perder o momento“.

Die Emotionen der Menschen sind auf seinen schwarz-weiss Fotografien deutlich erkennbar. Durch den starken Ausdruck hebt sich sein Werk von einer Amateuraufnahme ab. Aus seinen Bildern spricht Übermut und Freude, aber auch Scheu, Traurigkeit und Leid.  

Zukunftsträume in Maputo

Gefragt nach seinem Zukunftstraum beginnt Bocarras von einer Galerie in Maputo zu schwärmen. Damit wolle er der Fotografie einen eigenen Ort widmen. Die Ausdrucksform auf Fotopapier hat in Mosambik Tradition. Das DEZA ermöglichte im 2002 unter dem Titel „Iluminando Vidas“ eine viel beachtete Wanderausstellung. Nun will Bocarras an den Erfolg seiner Idole anknüpfen. Auch wenn dies schwierig ist, denn die etablierten Künstler würden kaum Ratschläge an Jüngere weitergeben. Der Weg bis zur eigenen Galerie ist also noch lang. Für den Moment würde er sich zufrieden geben mit einer eigenen Website. Und natürlich einer erfolgreichen Ausstellung in Bern.

Ausstellung Bocarras


Gelateria Lluna Lena

Scheibenstrasse 39, Bern

Tel. 031 332 36 00

täglich geöfnet bis Mitternacht