Gesellschaft | 05.03.2007

Schall und Rauch

Ayse Turcans Kommentar "Raucher-Hatz" hat die Gemüter erhitzt. Fünf Leserbriefe flatterten in die Mailbox von Tink.ch, heftige Gegenwehr, bissige Konter, klare Statements. Eine besonders pointierte Meinung mit stichhaltigen Argumenten verfasste Reporterin:

Liebe Ayse, Ich kann wahrlich nicht nachvollziehen, warum du dich über Massnahmen enervierst, die es Menschen unter 18 Jahren erschweren sollen, sich die Lungen mit Gift voll zu pumpen. Im Alter von siebzehn Jahren erliegen viele Jugendliche immer noch oder erst recht einem extremen Gruppendruck. Wird das Nachgeben durch Vorweisen einer Altersbescheinigung am Kiosk ein klein bisschen erschwert, ist das doch wünschenswert. Ganz klar: Das ist eine Alibiübung. Jeder kleine Knirps kann sich in einem Restaurant eine Packung glimmender Sargnägel organisieren? Nur: Irgendwo muss man ja anfangen mit dem Schutz der Jugend.

Ich bin nicht der Meinung, dass es nur die Eltern sind, die die Kinder zu erziehen haben. Der Staat muss seine Rolle sehr wohl auch wahrnehmen. Die Werbung, die den Konsumenten mehr beeinflusst als er es überhaupt wahrnimmt – sonst würden ja nicht jährlich Milliarden dafür investiert – muss in die Schranken gewiesen werden. So sollte zum Beispiel Werbung für extrem fett- und zuckerhaltige Speisen während Kindersendungen verboten sein, oder auch Raucher- und Alcopopwerbung an Jugendanlässen.

Natürlich schadest du dir als Raucher selbst. Dein Lungen-, Zungen-, Mundhöhlenkrebs und andere grauselige Ergebnisse sind allerdings mit deiner Gesundheit nicht bezahlt. Dank fleissigen Ärzten wirst du nämlich versorgt, therapiert und aufgepäppelt, falls dir einmal die Luft ausgehen sollte, so will es unser Gesundheitssystem. Für die Krankenkasse bezahlen alle, die Raucher ebenso wie die Nichtraucher. Der Preisanstieg scheint mir gerechtfertigt.

Man kann einen Raucher nicht zwingen aufzuhören, aber man kann ihn sehr wohl beeinflussen. Wenn er seiner Sucht in öffentlichen Gebäuden nicht mehr nachgehen kann, die Preise erhöht werden und er medial mit Berichten über die verherenden Auswirkungen seines Tuns zugeballert wird, kann es durchaus sein, das es beim einen oder anderen Klick macht. Und ich meine nicht das Klicken des Feuerzeugs.

Das Rauchen in Zügen beobachten Raucher fast immer aus der Raucherperspektive – verständlich. Ich kenne sehr viele Nichtraucher, die sich früher darüber beklagt haben, keinen Sitzplatz mehr ergattern zu können, während im Raucherabteil die Hälfte leer war. Der nicht rauchende Kontrolleur ist sicher auch dankbar für das Verbot. Allerdings vermute ich, dass der SBB die Gesundheit ihrer Kunden eher zweitrangig ist. Im Raucherabteil herrschte immer ein tristes Bild: Bekiffte Halbstarke markierten ihr Umfeld mit Spucke, zerschnitten Sitze und gaben ihr Bestes, das Abteil zu verwüsten. Die Unzivilisierten fühlten sich von den Raucherabteilen eindeutig stärker angezogen als von den anderen. Nachvollziehbar, dass die SBB dort Kosten spart.

Danke fürs Lesen und jetzt gehe ich eine rauchen.

weitere Reaktionen 


Hier unten gleich die Links zu Ayse Turcans Kommentar und zu den weiteren Leserbriefen.