Kultur | 19.03.2007

Rockiges Chanson Française

Text von Janosch Szabo
Als Chanson Française wurde es angekündigt, was letztendlich eine ziemlich rockige Sache war: Das Konzert von Adrienne Pauly im Stadttheater Biel. Zusammen mit ihren vier hochkarätigen Musikern hätte sie sicherlich ein ganzes Openairpublikum mitgerissen.
Fotos: Claude Grassian

Vier dutzend Leute sitzen in den roten Sesseln im Stadttheater. Dann geht das Licht aus, von der Bühne wabert Kunstnebel herüber, schemenhaft sieht man Gestalten zu den Mikrofonen gehen. Unheimliche Stille. Dann, ganz plötzlich, schmettern die Gitarren los, die Musiker erscheinen im Scheinwerferlicht. Der Überraschungseffekt gelingt genial. Einen derart rockigen Start hat wohl kaum jemand erwartet, wurde das Konzert doch als Chanson Française angekündigt. Dass diese Bezeichnung so nicht ganz stimmt, bestätigt sich dann aber auch im weiteren Verlauf des Konzerts.

Band in Hochform

Zwar steht Adrienne Pauly klar im Zentrum des Bühnengeschehens und gibt damit dem Gesang ein Schwergewicht, aber die musikalische Umrahmung ist untypisch rockig. Adan Jodorowsky und Alice Botté greifen nicht selten kräftig in ihre Gitarrensaiten. Und am Schlagzeug wirbelt Olivier Ferrarin. Der schlaksige Typ hat sein Instrument im Griff, wie eine Sekretärin die Computertastatur. Die Beats sitzen haargenau. Einen ähnlich guten Drummer kann man lange suchen. Der fünfte im Bund ist Denis Clavaizolle, der Ruhepol hinter dem Elektropiano.  

Mal rau, mal zart

Und wenn die vier Männer richtig Gas geben und das Bühnenlicht flackert, dann kehrt auch Adrienne Pauly die Rocklady aus sich raus, dann stampft sie mit ihren Absätzen auf die Bühnenbretter, geht weit nach vorne zum Publikum und strahlt eine unheimliche Energie aus, zieht alle in ihren Bann. Doch sind die letzten Töne eines Stückes verklungen, so geschieht etwas Seltsames. Im Spotlicht erscheint die Sängerin verwandelt, für einen kurzen Moment, als zarte junge Frau.     

An die frische Luft

Adrienne Pauly und ihre Jungs gehören definitiv an die frische Luft, an Openairs. Ihre Energie reicht locker für ein paar hundert Leute. Aber ob sie Zehntausende in den Bann zu ziehen vermögen, ist zu bezweifeln, braucht doch ganz besonders die Sängerin die Nähe zum Publikum und würde sich sicherlich unwohl fühlen, sähe sie die Gesichter der Leute weit hinten nicht. Also bitte nicht an die ganz grossen Openairs.  

Adrienne Pauly


Das erste Album der Französin trägt ihren eigenen Namen, «Adrienne Pauly«. Darauf besingt die 26-jährige, am Konservatorium von Paris ausgebildete, Schauspielerin ihren Mikrokosmos, erzählt von der Banalität des Alltags ohne banal zu sein.