Kultur | 05.03.2007

Nils Althaus und seine Liedermacherkunst

Text von Janosch Szabo
Im Film "Breakout" gibt er den Krassen, auf der Bühne mit seiner Gitarre ist er aber ganz anders, humorvoll, originell und ein bisschen veträumt, ein Mann der leisen Töne, der aber auch mal lauter zupfen kann: Nils Althaus. Letzte Woche startete der junger Liedermacher seine Tournee mit einem Konzert im Bitrot Morillon in Bern.
Nils Althaus, bekannt aus dem Film "Breakout", ist im Grunde ein sanfter poetischer Liedermacher mit Humor und einem charmanten Lächeln. Fotos: Janosch Szabo

Nils Althaus ist ein Mann der leisen Töne, einer der wie Mani Matter klingt, wenn er reimend Geschichten aus dem Leben singt und dazu die Gitarre zupft. Und doch ist er anders als der bekannte Berner Liedermacher, er ist ein Mann der gewitzten Sprüche, ein Plappermaul sondergleichen, einer der immer was zu sagen weiss. Vor und nach jedem Lied erklärt und erzählt er, ausschweifend und spontan Anekdoten einbindend.

Ausstrahlung als Trumpf

Bei all dem wirkt er nie langweilig, zieht das Publikum voll in seinen Bann. Die Leute bleiben dran, blicken gespannt auf diesen Mann mit der Gitarre und dem Sieben-Tage-Bart, geniessen sein charmantes Lächeln und belohnen gelungene Sprüche mit herzhaften Lachern. Die ziehen sich durch den ganzen Abend. Aber Nils ist kein Pointenreisser, er macht leichte lockere Sprüche, spontan und kreativ, nicht gekünstelt, nicht abgehoben. Das tut gut, diese Ehrlichkeit, diese Bescheidenheit, die eigene Ausstrahlung als Trumpf zu sehen und nicht unnötig aufzubauschen.

Tolle Stimme und Selbstironie

Ob es ihm gelingt, trotz allem Erfolg, diese Haltung zu wahren? Es ist zu hoffen, denn Nils Althaus ist jung, 25 Jahre, mit verträumtem Blick, charmantem Lächeln und toller Stimme. Einer, der der Kleinkunstszene gut tut, der auch junge Leute anzieht.

Seine Texte sind poetisch und kommen doch an Mani Matters tiefgründige verspielte Wortkonstruktionen nicht heran. Aber das weiss Nils ja auch und will das auch gar nicht verbergen. Er gibt sich selbtironisch und stellt sein Repertoir grosszügig unter das Motto Lug und Betrug.

Stimmungsvolles Debutalbum

Sehr authentisch und nah bei den Leuten gibt sich Nils Althaus auch auf seiner erst kürzlich erschienenen und am 26. Februar im La Cappella in Bern getauften CD „Fuessnote“. Der junge Mundartliedermacher hat sie live eingespielt, 15 Lieder und immer dazwischen die Sprüche und Geschichten, der Applaus und das Lachen aus dem Publikum. Das schafft Atmosphäre. Der Mix auf dem Album ist vielfältig und spannend aufgebaut. So geht es nach einem Auftakt ganz in Mani Matter Manier „Es lysligs Lied“ bald einmal ans Feurige: In „Tango“ beweist der junge Musiker, dass er auch mal kräftiger in die Saiten greifen kann. Wenig später „A dr Kasse“, ein Exempel von Nils Kreativität und Originalität beim Liedermachen, ein flammendes Plädoyer gegen das Einkaufswägeli: „I schtah i dr Schlangä vor dr Kasse mit em Ichaufswägeli. Da gafft mir so nä angrä i mis Wägeli ganz unverläge dri“.

Mal originell, mal poetisch, mal gesellschaftskritisch

Weitere Highlights sind das rassige, eingängige und überraschend gesellschaftskritische „Füdleblutti Meitschi“, das poetisch schräge „Dr Dings“, sowie der „Hit-i-5-Minuten Crashkurs Intensiv 2000“. In diesem Stück trumpft Nils Althaus nicht nur mit originellen Einfällen und Reimen auf, sondern entfaltet eindrücklich auch seine ganze Stimmbreite.

Insgesamt ein buntes Potpourri stimmungsvoller, frecher, origineller, zarter, witzig komischer und intelligenter Liedermacherkunst. Den Schluss macht ein „Bonus Träck“ namens „Dr Verluscht“, ein romantisch trauriges Liebeslied: „Und falls drs no einisch überleisch und das Liäd ghörsch, denn möchti dass d weisch, dass i ewig druf warte, dass zrügg chunsch und wider dini i mini Hang leisch.“

Nils Althaus bei Radio-Factory


Am Mittwoch 7. März ist Nils Althaus Gast im Factory-Talk des jungen Nidauer Webradios Radio-Factory. Die Sendung beginnt um 19 Uhr, die Fragen stellt Matthias von Wartburg. Und da gibts dann auch sicher ein paar Hörproben und Hinweise auf kommende Konzerte.

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