Kultur | 26.03.2007

Kunst der Freiheit oder Freiheit der Mode

Text von Daniela Dambach
Hochspannung in der Kaserne Basel. Der entscheidende Moment steht bevor: Die Kollektionen der Diplomanden des Instituts Mode-Design werden den erwartungsvollen Bekannten, stolzen Eltern und kritischen Presseleuten präsentiert.
Der moderne Mann, interpretiert von Simon Burgunder und Nina Fritschi in der Kollektion "My Dogs Run Riot. I didn't". Fotos: Daniela Dambach Von Erde und Wasser inspiriert, mit gekonnten Drapierungen umgesetzt: Ein Modell von Tatyana Naidu. Die Damenkollektion "Gettin' in gettin' out" von Tatyana Naidu.

Es ist Samstag fünf Uhr nachmittags. Die Kasernenhalle ist bis zum letzten Steh- und Sitzplatz besetzt. Unzählige Augenpaare richten sich voller Neugierde auf das Geschehen auf dem Laufsteg. Der kühl und karg eingerichtete Saal lässt keine Ablenkung zu. Die Welt gehört für einen Augenblick den Diplomanden. Das Leben spielt sich auf dem Laufsteg ab. Die Models blicken professionell finster drein. Die Mode ist dominierend in dezenten Farben in uni gehalten. Grau, weiss und schwarz sind die Farben, aus denen die Trends gemacht sind. Weite Schnitte, Lagenlooks, enge Leggins – das Spiel mit den Stoffen ist perfekt. Materialien wie Gummi, Plastik und Lack werden eingesetzt, um den Körper von Mann und Frau noch stärker zu betonen, zu umhüllen, zu konturieren.

Was Mann sich traut

Doch es hat auch Platz für Farbtupfer. Zum Beispiel in der Herrenkollektion für Individualisten, gemeinsam designt von Simon Burgunder und Nina Fritschi. Mit ihrer Kollektion „My Dogs Run Riot. I Didn’t“ wird Mann zweifelsohne auffallen wie ein bunter Hund. Freiheit pur. Erlaubt ist, was Mann sich traut: Bunte Fransenshorts, regenbogenfarbenes Häkel-Patchwork, paillettenbesetzte Glitzeroberteile und der moderne rosarote Samt-Strampelanzug kombiniert mit dickem Fell-Bolero. So manch eine Frau möchte diese Klamotten zwar nicht unbedingt im Kleiderschrank des Liebsten zu finden wissen – für den Laufsteg ist der freakige Look jedenfalls allemal ein Hingucker.  


Nymphe der Moderne

Wesentlich alltagstauglicher ist die Damenkollektion „Gettin‘ in gettin‘ out“ von Tatyana Naidu. Mit den naturnahen Farben erdbraun und aquablau hat sie (über-)irdische Kontraste geschaffen, die in sich stimmig sind und die Kollektion zu einem eindrucksvollen Erlebnis machen. Von den Elementen Wasser und Erde inspiriert, spielt sie gekonnt mit aufwändigen Drapierungen und Säumen, Weiten und Engen und verliert dabei dennoch die Schlichtheit der Natur und ihre Schönheit nicht aus den Augen. Für einen Moment ist der Zuschauer in einer trockenen Wüste mit feuchtfrischen Oasen, taucht ein in Melancholie und die unbeschwerte weibliche Provokation.  

Auch wenn so mancher Zuschauer älteren Semesters belustigt den Kopf schüttelt in Anbetracht dessen, was ihm dargeboten wird – die Modeschau repräsentiert aktuelle Modeströmungen und offenbart womöglich so manchen Trend von Morgen. Alltagstauglichkeit ist gewiss nicht der Anspruch einer Laufstegkollektion. Vielmehr geht es um die Umsetzung von Kunst und Kreativität. Ob die raffinierten Einzelteile kombinierbar und somit auch massentauglich sind, das ist relevant. Mode darf das.

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