Sport | 01.03.2007

Kampf mit Schwert und Stock

Man kennt Kendo vor allem aus Filmen und Büchern - die Kampfsportart ist im asiatischen Raum weit verbreitet. Auch in der Schweiz gibt es die Möglichkeit, die Führung des Schwertes zu erlernen.
Beim Kendo ist viel Technik und Konzentration gefragt. Fotos: Julian Perrenoud

Immer und immer wieder saust der Stock des Angreifers auf den Helm, den Bauch und die Schultern des Gegners nieder. Die Ruhe in der Halle wird von hohen und tiefen, langanhaltenden Rufen gebrochen. Nach 20 Sekunden werden die Kämpfe mit einem einzigen kurzen Aufschrei abrupt beendet und es herrscht Stille. Danach verbeugen sich alle Kampfbeteiligten.

Doch der raue Eindruck, den der asiatische Kampfsport Kendo auf Aussenstehende haben mag, täuscht. Während einem Training läuft alles sehr geordnet, gesittet und ohne Aggressionen ab. Kendo bedeutet übersetzt „Schwertweg“ und ist die älteste japanische Kampfkunst, stark beeinflusst vom Zen-Buddhismus.

Verbot nach dem zweiten Weltkrieg

Der Begriff Kendo reicht in Japan über 500 Jahre zurück. Die jetzige Form kennt man aber erst seit etwa 150 Jahren. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde die traditionelle Kampfsportart für kurze Zeit gar verboten. Heute sind es rund zehn Millionen Menschen, die der Kampfkunst im Geburtsland der alten Samurais nacheifern. Im Vergleich machen „nur“ drei Millionen Japaner Judo, und eine Million übt sich in Karate.

Auch in der Schweiz wird Kendo betrieben: In der Turnhalle der Froheimschule trainiert der Kendo Verein Olten Ken Shin Kann zweimal in der Woche unter der Leitung von Urs Jäger.  

„Aggressionen sind im Kendo kontraproduktiv“

Beim Kendo ging es ursprünglich darum, im Kampf zu überleben. Es wird mit Schwert und Stock gekämpft. Doch nicht nur die Beherrschung der Waffen spielt eine wichtige Rolle. „Kendo ist sehr vielschichtig. Geschichte, Philosophie und Psychologie sind eng mit den Kampftechniken verbunden“, erklärt Jäger, der mit dreizehn Jahren mit dem Kendo begann, dann wieder aufhörte, seit drei Jahren aber wieder trainiert und in Olten Kendo-Leiter ist. „Der Drang zu gewinnen, ist natürlich immer da, doch muss man seine Gefühle und Aggressionen im Griff halten können“, sagt er. Diese seien nämlich, schlecht eingesetzt, beim Kendo nur kontraproduktiv.

Beim Zweikampf schaut man weniger auf die eigene Verteidigung, als vielmehr auf die Offensive und den geführten Konterangriff. Dabei spielt auch die Fusstechnik eine entscheidende Rolle. Man trainiert aber nicht nur die Geschicklichkeit und seinen Körper, sondern auch seinen Geist. Durch die Philosophien des Zen-Buddhismus erlangt man die Fähigkeit zur Konzentration und zum Erreichen der inneren Ruhe.  

Holzschwert und Bambusstock

Kämpfte man früher noch mit echten Waffen, so kommen heute Trainingswaffen zum Einsatz, Holzschwerter und Fechtstöcke aus vier bambusleisten, Shinai genannt. Die Verletzungsgefahr ist dadurch erheblich geringer.
Die Ausrüstung, die beim Kampf mit dem Stock unumgänglich ist, besteht aus einem Schutz für den Kopf, die Hände, die Unterarme, die Lenden und den Rumpf. Unter der Rüstung tragen die Kämpfer den Hakama und Heiko-Gi, blaues Gewand.

Anders als bei vielen Kampfsportarten erkennt man im Kendo des Gegners Stärke nicht durch ein äusseres Kennzeichen, wie beispielsweise ein Gurt. Nach aussen hin wirkt er also neutral und dem Gegenüber gleichgestellt.

Es gibt sechs Schülergrade (Kyu). Danach folgen die eigentlichen Graduierungen, die Dan-Grade, von denen es offiziell zehn gibt.

Mit 4000 Techniken äusserst komplex

Das Ziel eines Kendo-Kämpfers im Wettkampf ist, den Gegner mit Stock oder Schwert an einer der vier festgelegten Trefferzonen Kopf, Unterarme, Rumpf oder Kehle zu treffen. Die Schläge werden vom Angreifer immer laut gerufen, damit der Zuschauer oder Schiedsrichter weiss, dass der Treffer kein Zufallsprodukt war. Nur ein korrekt ausgeführter Schlag ergibt dann einen Punkt. Es gibt rund 4000 Techniken, die teilweise an den Wettkämpfen zum Einsatz kommen.

Jährlich finden Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften auf allen Ebenen statt, unter anderem auch die Europa- und Weltmeisterschaft. Auch Frauen können Kendo betreiben. Sie trainieren und kämpfen jedoch meist getrennt von den Männern.

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