Kultur | 26.03.2007

„Es gibt keinen Sinn dahinter“

Wie unterhält man sich mit einem Künstler dessen Band eine neue Szene kreiert und ausserdem ganz England in eine Neonhysterie versetzt hat? Ein Gespräch mit Jamie von den Klaxons, einem gut erzogenen und äusserst liebenswerten britischen Jungen im dunklen Keller des Abart.
Die Klaxons in Pose: Einmal schrill... Fotos: Klaxons ...und einmal brav. Klaxons-Bassist Stefano. Simon der Gitarrist des Trios.

Hello. Very nice to meet you. How are you?

 

Danke, ganz gut. Wie geht es dir? Nervös?

Ich bin nie nervös.

 

Auf eurer Myspace-Site steht, euer Sound klinge wie „Buzz Aldrin returned from the moon and turned Muslim“. Was genau soll das bedeuten?

Eigentlich heisst das, dass bevor Buzz Aldrin zum Mond flog, Leute ihm sagten, es habe einen Riss auf der Oberfläche des Mondes. Aldrin aber glaubte ihnen nicht und war so erstaunt, als er dies dann wirklich sah, dass er zum Islam konvertierte. Also eigentlich wollen wir damit sagen, dass man uns sehen muss, um zu glauben, was wir für Musik machen.

 

Wie würdest du euren Sound beschreiben?

Dark-psychedelic Pop-Music.

 

Also ist das ganze Nu Rave Ding nur…

Ich identifiziere mich nicht so damit. Ich habe es nur gemacht, um mich selbst zu amüsieren und um zu sehen, wie die Leute darauf reagieren.

 

Du warst ja der Erste, der diesen Begriff brachte.

Ich habe das Wort Nu Rave in Gegenwart eines Journalisten vom NME-Magazin erwähnt. Er hat den Braten gerochen und das Ganze aufgeblasen. Meine Absicht war es, den Leuten etwas zu geben, das nicht existiert, um zu schauen, was sie damit anstellen. Sie sollten versuchen etwas zu entdecken, was nicht da ist.

 

Also existiert diese ganze Nu Rave Szene gar nicht?

 

„No“ rufen die die restlichen Bandmitglieder, die gerade hereinkommen, im Chor – und lachen.

 

Dann habt ihr das Ganze erfunden, um euch zu vermarkten?

Nein, es ging nie um uns. Es ging um eine Szene, die nicht existierte. Auch jetzt nicht, da die Medien völlig verrückt spielen und den Begriff wann immer möglich platzieren, und viele Bands sich damit schmücken. Wir bezeichnen uns ja auch nicht als Nu Rave Band.

 

Aber ist das nicht ein bisschen paradox? Schliesslich tourt ihr ja unter dem Werbeslogan „Indie-Rave“ mit verschiedenen Bands durchs Land.

Das war nicht unsere Idee. Das NME-Magazin wollte diese Tour sogar „Nu Rave Tour“ nennen. Wir haben das aber streng untersagt. Dann haben die Journalisten das Ganze in „Indie Rave Tour“ umgetauft, was aber gar keinen Sinn ergibt.

Von was handeln eure Lyrics? Denn ganz offen gesagt, ist es ziemlich schwierig irgendeinen Sinn dahinter zu finden.

Sie handeln von nichts. Es gibt keinen Sinn dahinter. Wir wollten ein Album über Fantasie und Wahnsinn machen.

Ihr habt also gar keine Message an euer Publikum?

Eigentlich wissen wir selbst nicht genau, was unsere Texte bedeuten – vielleicht in ein paar Jahren.

Soll das heissen, dass ihr wirklich nicht wisst, was ihr tut?

Genau. Wir kreieren hier Mythen.

 

Wenn wir gerade von Mythen sprechen, euer Album heisst „Myths of the near future“. Heisst das, ihr seid Mythen aus der Zukunft?

Wir sind eher Mythen der Gegenwart.

 

Anscheinend wollt ihr ja drei Alben herausbringen: Eines soll die Gegenwart darstellen, eines die Zukunft und eines die Vergangenheit. Welches von den dreien ist jetzt erschienen?

Wir dachten ursprünglich, es würde die Zukunft sein. Wenn wir aber eine Platte über die Gegenwart machen, dann würde sie, wenn sie veröffentlicht wird, die Vergangenheit beschreiben. Wir haben keine Ahnung wo wir stehen.

 

Wer ist für eure abgespacte Homepage verantwortlich?

Sie wird in ein paar Wochen erneuert – zum Glück. Ich hasse sie. Die Site hat nichts mit uns als Band zu tun. Sie ist schrecklich, die Farben sind so krass und aggressiv. Die neue Website werden wir selbst im Stil des Albumcovers gestalten.

 

Im Clip zu „Golden Skans“ zertrümmert ihr Neonstäbe. Ist das ein Zeichen dafür, dass ihr die Nu Rave Szene zerstören wollt?

Es ist nicht so symbolisch gemeint – glaube ich jedenfalls. Ich meine, du kannst nicht etwas zerstören, das nicht existiert.

Einen Beweis für diese Szene habt ihr aber schon geliefert: Ihr meldet den Austragungsort eurer Konzerte den Fans kurz vor Beginn der Show per SMS, ganz gemäss Rave Zeiten.

Das haben wir nur einmal gemacht. Einen Monat später versuchten wir das Ganze zu wiederholen, aber die Polizei kam uns zuvor.

 

Nimmst du eigentlich Drogen? Denn eure Texte sind ein bisschen verwirrend. Unsere Art hat mehr mit der Brian Gyson Technik zu tun. Er listete seine Ideen auf, zerstückelte sie und fügte sie auf eine ganz neue Art und Weise zusammen. So gehen wir auch mit unseren Songs vor. Aber es entstand alles auf nüchterner Basis.

Es gibt Leute, die vergleichen euch mit Pink Floyd…

Massive! Wir mochten eigentlich den Gedanken überhaupt nicht, progressiv zu tönen. Jetzt kann man uns am ehesten als eine psychedelische Progressive-Band bezeichnen, was überhaupt nicht unsere Absicht war. Sogar unsere Bandproben tönen wie eine Pink Floyd Jam-Session.

 

Wird es diese Nu Rave Szene noch lange geben? Gibt es Nachfolger?

Ich denke nichts bleibt für immer. Im Bezug auf uns kann ich nur sagen, dass wir nächste Woche unseren ganzen Stil umkrempeln könnten.

 

 

CD-Verlosung


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