Gesellschaft | 12.03.2007

Es geht in die zweite Runde

Text von Ayse Turcan
Reporterin Ayse Turcan hat sich über die zahlreichen Reaktionen auf ihren Kommentar "Raucher-Hatz" gefreut und fand die Kritik anregend. Nun folgt ihre Stellungsnahme, mit der sie eine Art von Diskussion entstehen lassen möchte.

Ich halte es für das Recht eines jeden Menschen, seine eigene Gesundheit zu zerstören. Es gibt sehr viele verschiedene Arten, dies zu tun. Damit greife ich erneut einen der beiden Kernpunkte meines ersten Kommentars auf, nämlich die Frage, wieso gerade die Raucher hinhalten müssen. Ich könnte mich mit den Massnahmen gegen die Raucher besser abfinden, wenn gegen alle Gruppen, die ihre Gesundheit schädigen, gleichermassen vorgegangen würde.

Nicht einverstanden bin ich mit der Aussage von Julian Perrenoud, ich zitiere: „Die Alkoholpreise werden ständig erhöht, fetthaltige Speisen (Fastfood) sind extrem teuer.“ Die Erhöhung der Alkoholpreise ist meiner Meinung nach nicht vergleichbar mit jener der Zigaretten. Da ich auch gelegentlich Alkohol trinke, kann ich das wohl einigermassen beurteilen. In den letzten Jahren wurde ich jedenfalls nie von extrem höheren Alkoholpreisen überrascht, diese hängen eher von der Lokalität ab. Wenn ich jedoch am Kiosk stehe, die fünf Franken siebzig zusammenkratze und mir die nette Kioskdame „sechs Franken bitte“ sagt, ohne Vorwarnung, schockiert mich das meistens ziemlich. Auch bei der Aussage, Fastfood sei extrem teuer, bin ich nicht wirklich einverstanden. Die McDonalds-Aktion, ein Burger für ein oder zwei Franken lässt grüssen.   

Ein weiterer Punkt in dieser Angelegenheit, auf den ich bis jetzt vielleicht zu wenig eingegangen bin, ist der Zeitpunkt, zu dem diese Raucher-Hatz stattfindet. Es ist die Scheinheiligkeit, die mich ärgert. Wieso hat man Jahre oder Jahrhunderte lang nichts unternommen? Ebenso schlimm ist in meinen Augen die Inkonsequenz. Der 17-jährige Raucher darf sich seine Zigaretten nicht im Coop kaufen, aber er kann in ein Restaurant oder eine Bar gehen und sich an einem Automaten bedienen. Was soll das? Und wieso darf sich ein 16-Jähriger mit Bier und Wein ins Koma saufen, ein 17-Jähriger aber keine Zigaretten kaufen?  

Was mich stört, sind in erster Linie die Massnahmen gegen die Raucher, nicht die zum Schutz der Nichtraucher. Nun, es wird also etwas unternommen zum Schutz der Nichtraucher. Einverstanden. Doch statt das Rauchen in Cafés zu verbieten, wieso nicht ein Gesetz lancieren, das die Wirte dazu zwingt, ein Fumoir einzurichten?

Und der Zug für die Züge ist wohl bereits abgefahren. Doch hätte man, anstatt das Rauchen ganz zu verbieten, nicht einfach am Anfang oder Ende des Zugs einen einzigen Raucherwagen behalten können? Nur bei interregionalen Zügen, die weitere Strecken fahren, und mit Lüftung natürlich.

Ich finde, es wird mit zu grosser Radikalität vorgegangen. Selbstverständlich ist das meine persönliche Meinung und die meisten von euch haben wohl eine andere. Doch da in den Medien vorwiegend gegen die Raucher gewettert wird, fand ich es an der Zeit, zu zeigen, dass es, wenn auch nur in der Minderheit, Andersdenkende gibt.