19.03.2007

„Do you leave se field, or wos?“

Auch in Österreich ist Fussball der Breitensport schlechthin. Und weil es mir grad so gut gefällt, trete ich seit eineinhalb Saisonen selbst in der Liga der Wiener Diözesansportgemeinschaft das runde Leder. Teil 13 der Serie Wiena Gschichtln.
Torpedo Lainz posiert fürs Mannschaftsbild. Der Autor dieser Geschichte ist der dritte von unten links.
Bild: Martin Schipany Die Schiedsrichter sorgen im Wiener Unterklasse-Fussball gerne für Unterhaltung. Fotos: Georg Tschannett Zweikampf auf dem Kunstrasen.

Letzten Sonntag begann die Frühjahrssaison der Wiener Diözesansportgemeinschaft. Wir treffen uns beim SV Slovan Platz, ein Kunstrasenplatz, der weder mit Kunst noch mit Rasen etwas gemeinsam hat. Vor gezählten 12 Zuschauern, was bereits eine beachtliche Zahl ist, laufen wir mit dem Schiedsrichter auf das Spielfeld. Doch nach drei schnelleren Schritten bremst der Unparteiische abrupt ab: „Nu, jetzt verlier‘ i glei mei Hosn. Owa do homma an Gummi, daunn geht des scho.“* Bereits vor dem Anpfiff war also für Unterhaltung gesorgt. Im weiteren Spielverlauf kommentiert der etwas dickliche, in die Jahre gekommene Schiri jeden Spielzug – sofern er ihn überhaupt selbst ausmachen kann, denn er macht nicht nur ein Mal den Eindruck „schasaugat“** zu sein.

Unsere Heimspiele absolvieren wir in der von uns geliebten „Arena St. Atzgersdorf“. Der Name Arena existiert bei uns nur vereinsintern, denn der Platz ähnelt mehr einem Acker, der, je länger die Saison dauert, umso mehr umgegraben wird. Ausserdem hat die Infrastruktur leider auch nichts mit den modernen Arenen der Welt gemein. Trotzdem sind wir stolz, als einzige Mannschaft der 2. Klasse B auf saftigem Grün zu spielen.

Die Teams in der Diözesansportgemeinschaft, welche vier Ligen von der neunten bis zur zwölften Spielklasse, von der Bundesliga heruntergerechnet, umfasst, sind bunt gemischt. So spielten wir letzte Saison im Cup gegen Blue Danube – eine Mannschaft bestehend aus Österreichern und englischsprachigen Ausländern. Beim Englisch-Niveau der Schiedsrichter kommt es durchaus vor, dass sich selbiger – nicht immer gewollt, aber durchaus unterhaltsam – in den Mittelpunkt bringt: Als sich ein gegnerischer Spieler verletzte, fragte der enervierte Referee den Südafrikaner: „Do you leave se field, or wos?“ Es lebe der Wiener Unterklasse-Fussball.

* Na so etwas, jetzt verlier ich gleich meine Hose. Aber da ist eh ein Gummizug, dann geht das schon.

* Eine „schasaugate“ Person sieht schlecht.

Ähnliche Artikel