Sport | 01.03.2007

„Die Wenigsten wollen soviel Fleiss aufbringen“

Erwin J. Manser, der Gründer des Kendo Vereins Olten, hat es mit mehreren Schweizermeister-, einem Europameisterschaftstitel und dem fünften Platz an der Weltmeisterschaft weit gebracht im Kendo.
Der Weg eines Kendo-Kämpfers ist lang und nimmt viel Zeit in Anspruch. Fotos: Julian Perrenoud Kendo ist stark mit seinem Ursprungsland Japan verbunden. Erwin J. Manser hat den Kendo Verein in Olten gegründet. Auch der neue Kendo-Leiter Urs Jäger war einmal ein Schüler von Manser. Die hohe japanische Kampfsportart verlangt viel Ausdauer, trotzdem kann sie von jeder Person betrieben werden.

Wie ist Ihre Beziehung zu Japan, dem Ursprungsland des Kendo?

Da ich schon oft geschäftlich in Japan war, lerne ich das Land, die Kultur und die Leute immer besser kennen und verstehen, vor allem auch die Mentalität der Menschen: Höflichkeitsformen sind sehr, sehr wichtig, auch beim Kendo. Man dankt dem Gegner vor und nach dem Kampf. In Japan werden diese Ideologien des Anstands auch im Alltag gelebt.  

Welchen Stellenwert geniesst Kendo in Japan?

Das Kendo hat eine lange Tradition und ist für die Bevölkerung sehr wichtig. Es ist die höchste Stufe der Kampfkunst, weit vor Judo, Aikido und Karate. An Universitäten und höheren Schulen ist Kendo ein Pflichtfach.  

Wie wichtig ist die Religion?

Die Religion ist absolut unwichtig. Es gibt sowohl Zen-Buddhisten und Shintos, als auch Katholiken und Reformierte, die Kendo betreiben. Es gibt aber von der Ethik her in Japan, China und Korea gewaltige Unterschiede.  

Ist Kendo so komplex, wie es den Anschein macht?

Es gibt rund 4000 Techniken, aber man lernt natürlich bei weitem nicht alle. Für einen Anfänger dauert es bis zum ersten Kampf mindestens ein Jahr und dann kriegt er bei Wettkämpfen normalerweise von allen erst einmal eins auf den Kopf.  


Vor allem durch Filme stösst Kendo weltweit auf Interesse. Merken Sie viel davon?

Ja, es interessieren sich wirklich mehr Leute für Kendo. Aber von denen bleibt fast niemand. Die Wenigsten besitzen die nötige Disziplin, die Wenigsten wollen den Fleiss aufbringen, den Kendo erfordert.


Für wen ist Kendo geeignet, und für wen gerade nicht?

Kendo kann jeder betreiben. Man muss dafür einfach Zeit aufbringen können und regelmässig trainieren. Alter und Geschlecht spielen keine Rolle. Fritz Dätwiler brachte das Kendo in die Schweiz. Als er damit begann, war er um die 50 Jahre alt.

Hilft das Training auch Geist und Körper im Alltag?

Ja, und das ist ein wichtiger Punkt. Mir hat es geschäftlich sehr viel geholfen. Wenn man seine Psyche unter Kontrolle halten kann, wird alles berechenbar. Man kennt gewisse Reaktionen bereits im Voraus. Beim Kampfsport geht es um Durchsetzungsvermögen, das man man dann auch in den Alltag übertragen  kann.

Wie viel Zeit muss man investieren, um beim Kendo Fortschritte machen zu können?

Wöchentlich sollte man ein- oder zweimal trainieren kommen. Wir sind in Olten etwa zehn Leute. Die Meisten kommen am Dienstagabend. Der grösste Verein ist in Zürich, mit rund 150 Mitgliedern.