Kultur | 05.03.2007

Die schönste bulgarische Tradition

Text von Ekaterina Karabasheva | Bilder von Wikimedia.org
Der 1. März ist in Bulgarien ein besonderer Tag. Da stecken sich die Menschen gegenseitig rotweisse Glücksbringer an, die Martenitzi. Sie symbolisieren das Ende des Winters und bringen den Frühling.
Bulgarische Glücksbringer, die Martenitzi.
Bild: Wikimedia.org

Baba Marta, Oma Marta, ist ein uraltes bulgarisches Fest, ein typisch bulgarischer Brauch. Gefeiert wird am 1. März. An diesem Tag schenken die Bulgaren einander die so genannten Martenitzi – Schmuckstücke aus verflochtenen weissen und roten Fäden. Die Martenitzi werden an der Kleidung angesteckt oder am Handgelenk getragen, um gesund und glücklich im Leben zu bleiben.

 

Die Martenitza leitet sich ethymologisch vom Namen des Monats März (bulgarisch: Mart) und der Phantasiefigur der Baba Marta ab. Andere Legenden machen Verbindungen zu den stolzen Proto-Bulgaren geltend, die im Jahre 681 unter der Führung ihres Khan Asparuch ein grosses Reich begründeten, oder sogar zu den Thrakern, die vor 3000 Jahren das Land besiedelten. Sie waren der Annahme, dass im Frühling nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch unterschiedliche böse Geister erwachen.

 

Deshalb besteht seit uralten Zeiten der Brauch, anfangs März eine Martenitza aus gezwirnten roten und weissen Wollfäden zu schenken – rote Fäden, die die bösen Geister vertreiben und Gesundheit und Kraft bringen, und weisse Fäden für ein langes Leben. Das Verschenken der Martenitza ist ein Ritual, das magische Kräfte verleiht. Gleichzeitig dienen die Martenitzi als Amulette, die ihre Träger vor Unglück und Unheil schützen sollen.

Nach dem Brauch werden die Martenitzi getragen bis das erste Zeichen des Frühlings in Erscheinung tritt, gemeinhin ein Storch, eine Schwalbe oder ein blühender Obstbaum. Manche binden die Schmuckstücke, die es in vielen verschiedenen Formen gibt, dann um die Äste eines blühenden Baumes mit Gesundheits-, Erfolg- und Fruchtbarkeitswünschen. Andere werfen sie in einen Fluss, um Glück zu haben und Böses wegfliessen zu lassen.

In ihrem Wesen sind die mit dem ersten März verbundenen Sitten und Bräuche eigenartige Zauberpraktiken mit dem Ziel, das Wachstum in der Natur im kommenden Frühling zu fördern und den Menschen im kommenden Jahr Gesundheit und Glück zu bringen.

 

Die Martenitza ist ein bulgarischer Zauber, ein Zauber, der vor dem Bösen schützt und das Gute anzieht. Die Tradition ist bis heute lebendig. Die Bulgaren sind bereit, die Zauberkraft der bulgarischen Martenitzi allen Menschen in der Welt zu schenken.