Kultur | 26.03.2007

„Die schlechten Anmachen dürfen nicht fehlen“

Text von Lena Tichy
Obwohl sie gerade zu ihrer Signierstunde muss, nimmt sich die Comickünstlerin Kati Rickenbach Zeit für ein Interview mit Tink.ch - und illustriert nebenher ganz locker ein paar Exemplare ihres neuen Buches "Filmriss". Ein Gespräch über Männer, Grosis und Baslerinnen in Zürich.
Wenn man Kati zuschaut, könnte man meinen, Zeichnen sei das Leichteste der Welt. Fotos: Mia Tichy Interview hinter dem Signierpult: Lena Tichy von Tink.ch im Gespräch mit Kati Rickenbach. Der Pinsel ist Katis liebstes Werkzeug. "Die Linien werden schön weich", meint sie. Trotz der langen Schlange bewahrt die Künstlerin Ruhe.

Kati, deine Geschichten handeln immer wieder mal von schrecklichen Parties. Was macht deiner Meinung nach eine solche Fete aus?
Gute Frage. Zu einer echt lausigen Party gehört natürlich schlechte Musik. Ich will ja jetzt niemandem zu Nahe treten, aber Trance zum Beispiel finde ich ganz übel. Was auch nervt ist, wenn alle Leute mindestens zehn Jahre jünger sind als du und dann noch auf irgendwelchen seltsamen Drogen, nur mit sich selbst beschäftigt und total woanders sind. Ach ja, und die schlechten Anmachen dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Vergangenen Sommer hast du für einige Wochen den Comiczeichner Mike van Audenhove im Züritipp vertreten. Welche Rückmeldungen bekamst du auf deine Comic-Strips?
Zuerst hatte ich ja gar keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse. Ich habe mich einfach über das Angebot gefreut und dann in den Geschichten versucht, meine Erfahrungen als Baslerin in Zürich zu dokumentieren. Ich selbst fand meine Comics total harmlos, aber plötzlich wurde dann ein lokales Politikum daraus. Es kamen Leute zu mir und sagten, das könne ich doch nicht machen, einfach so über die Zürcher herziehen. Aber gleichzeitig bekam ich auch viele positive Resonanzen von Exil-Baslern, die sich sehr gut in meinen Comics wieder erkannten. Insgesamt erlebte ich also das ganze Spektrum an möglichen Reaktionen.

Am diesjährigen Fumetto wird dein erstes Buch „Filmriss“ vorgestellt, welches von einer wilden Nacht und eben, einem Filmriss, handelt. Soll dein Werk auch als Warnung verstanden werden, verantwortungsvoll mit Rauschmitteln umzugehen?
Du meinst, ob ich eine moralische Botschaft vermitteln will? Nein, gar nicht. Die Geschichte zu „Filmriss“ entstand ganz ohne Storyboard, ich ging einfach jeden Tag in mein Atelier und zeichnete kleine Karteikarten voll. Eines Tages beim Radfahren kam mir dann plötzlich diese Idee: Was wäre wenn du eines Sonntagmorgens aufwachst, mit einem Riesenknutschfleck am Hals, und dich an nichts mehr erinnerst? Daraus entstand dann das Buch. Meine Absicht war aber von Anfang an, eine lustige Geschichte zu erzählen, die den Leserinnen und Lesern Spass macht.

2004 warst du für ein Semester als Austauschstudentin in Hamburg und wurdest dort bald Teil der lokalen Comicszene. Inwiefern ist das Comicschaffen in Deutschland anders als in der Schweiz?
In Hamburg hatte ich das Glück, die neue deutsche Erzählergeneration in ihren Anfängen mitzuerleben. Da waren auf einmal Leute, die die Initiative ergriffen, ganz anders als in der Schweiz. Auch die Comickunst an sich wird dort viel ernster genommen als hier und niemand wird belächelt, wenn er Comiczeichnen zu seinem Beruf macht. Ich gehe auch jetzt noch regelmässig nach Hamburg, habe viele Freunde dort und schätze den guten Austausch mit dieser Szene.

Deine Geschichten sind, wie du sagst, inspiriert vom Alltag. Welche seltsamen Alltagserscheinungen beobachtest du in der Schweiz?
Da gibt es ganz Vieles. Meine Lieblingssituationen spielen sich allerdings vorwiegend in Zürcher Trams ab. Da beobachte ich dann Leute, die alleine in einem Viererabteil sitzen und total ranzig werden, wenn sich noch jemand dazusetzen möchte. Herzig sind auch die Grosis, die dir im Zug von ihren Enkeln erzählen und gar nicht mehr aufhören wollen. Im Ausgang gibt’s auch immer viel zu Sehen. Ich beobachte zum Beispiel gerne Leute, die sich gerade kennen lernen, die miteinander flirten. Da siehst du manchmal schon von weitem, worum es eigentlich geht.

Was auch auffällt ist, dass die Männer in deinen Comics immer ziemlich schlecht wegkommen: Sie sind schleimig, langweilig oder einfach nur dämlich. Nur aus Neugier: Welches war die schlimmste Anmache, an die du dich erinnerst?
An eine erinnere ich mich, die war so was von plump, daraus habe ich sogar einen Comic gemacht. Eine Freundin und ich waren mal in einer Bar in Basel und ich ging ein Bier für uns bestellen. Neben mir am Tresen stand dann so ein Mann, Typ Macho, und während er ebenfalls auf sein Bier wartete, quatschte er mich plötzlich an: „Sag mal, kennen wir uns nicht?“ Ich verneinte dann und drehte mich etwas zur Seite. Er liess aber nicht locker: „Ich bin übrigens der Luigi. Und  du bist wirklich sehr schön. Hast du denn einen Freund?“ Als ich ja sagte, war für ihn die Sache natürlich gelaufen. Aber als echter Schürzenjäger liess er nicht locker. Und dann fragte er tatsächlich: „Und hat denn deine Freundin einen Freund?“ Echt unterste Schublade, oder?

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