Kultur | 12.03.2007

Charmanter Blues im Zwänzgichäller

Text von Milena Geiser
Am vergangenen Samstagabend gab die Bieler Band Igor im Zwänzgichäller eine Kostprobe vom Feinsten. Die Stimmung war angenehm familiär und die Musik passte genau zum Ambiente dieses Altstadt-Kellergewölbes.
Nach dem ersten Konzert: Das Trio wirft sich in Pose. Fotos: Fabio Blaser Igor ist der Name eines Bärs. Stimmungsvoller Abend im Zwänzgichäller in der Bieler Altstadt. Reto Sommer, wie auch Micha Sportelli... ...und Schlagzeuger Jerome Schütz, spielen auch noch in anderen Bands. Wer in diesem gemütlichen Kellergewölbe auftreten möchte, hat die Chance dazu.

Manchmal vergisst man fast, dass es in der Bieler Altstadt neben dem Théâtre de Poche und dem Carré Noir auch noch den Zwänzgichäller als Konzertort für Kleinkunst gibt. Ein paar steile mit Kerzen beleuchtete Treppenstufen führen hinunter ins Kellergewölbe, das gleichzeitig Bar und Auftrittsraum ist. Ein paar Leute sitzen auf Sesseln oder Sitzsäcken um Tischchen herum. Man kennt sich, ist unter sich. Auf der Bühne stehen schlicht zwei Barhocker und ein Schlagzeug.  

Igor der Bär

Drei Musiker betreten die kleine Bühne, allesamt mit weissem Hemd, schwarzer Hose und roten Hosenträgern. Die Bluesband Igor besteht aus Micha Sportelli, Leadsänger und Gitarrist, Reto Sommer „Sumi“, Gesang und Bass und Jerome Schütz am Schlagzeug. Sie haben sich über verschiedene Ecken kennen gelernt und sind für dieses Konzert zum ersten Mal in dieser Formation zusammen gekommen. Was es mit dem Bandnamen auf sich hat, erklärt Micha ganz zu Beginn. Der Name Igor kommt nämlich einem Bären aus dem Zürcher Zoo zu Ehren, der nach seinem Tod sein Fell als Teppich bei Sumis Freundin hergeben musste. Und da die Bandmitglieder gerade auf Namenssuche waren, schien ihnen Igor passend.  

Popular-Blues mit Pannen  

Der Einstieg ist sanft, als würden die Musiker die Instrumente, die alle akustisch und nur wenig verstärkt sind, allmählich zum Leben erwecken. Langsam entwickelt sich dann ein erster Rhythmus, eine erste Melodie. Die Stimme des Sängers ist weich, eingängig und für diese Art von Musik genau richtig. Die Gitarrenklänge sind manchmal sanft, manchmal aufmüpfig schräg. Der Bass unterstützt den Blues mitfühlend und der Schlagzeuger lenkt das Geschehen aufmerksam mit seinen „Bäselis“. Diese bringen allerdings kein Glück. Sie brechen, weil der Leim zu alt ist, und müssen geflickt werden. Damit sind die Pannen eingeleitet. Die Gitarre verstimmt sich immer wieder und muss nachgestimmt werden. Es wird aber alles charmant überbrückt: „Igor, der Bär wird auch kein einfaches Leben gehabt haben“, sagt Micha und weiter geht’s mit dem nächsten Lied.  

Ohrwürmer mit Gefühl

Micha Sportelli schreibt seine Texte und Melodien selber. Er greift Themen auf, die uns alle etwas angehen. Von sich selber sagt er, dass er leicht grün angehaucht sei und sich eines Morgens um vier Uhr früh doch sehr gewundert habe, dass die Vögel im Winter um diese Uhrzeit schon pfeifen. Daraus entstand dann zum Beispiel der Song „Whistle“.

Nur ein Lied ist gecovert und zwar von Bob Dylan. Da muss sogar der gebürtige Coiffeur vom Spicker ablesen. Auch das meistert er elegant: „Lyrics, die nicht die eigenen sind, kann man sich einfach nicht merken.“ Die eigenen Songs sind mitunter richtige Ohrwürmer, die ein Gefühl vermitteln. Beim Song „Sensitive Soul“ singen sogar einige aus dem Publikum mit. Eine Bestätigung, wie gut es den Leuten gefallen hat. Die drei Musiker haben vom ersten Augenblick an eine einzigartige Stimmung in den Zwänzgichäller gezaubert, die man nicht so schnell wieder vergisst.

Lust auf einen Gig?


Der Zwänzgichäller sucht talentierte Musiker und Musikerinnen, Bands, Künstler und Künstlerinnen für Live-Gigs. Wer jemanden kennt oder selber auftreten möchte, meldet sich bitte bei Sonia Sanchez, sonia.sanchez@gmx.ch