Kultur | 19.03.2007

Auf dem rasanten Weg zum Rockolymp

Es muss nicht immer Grossbritannien sein. Waren bis vor kurzem noch London, Sheffield oder Glasgow die Geburtsorte von Indierockern, hört man heute mitreissende Melodien aus Städten wie Stockholm oder Malmö. Schwedische Bands liegen hoch im Kurs.
The Sounds von links nach rechts: Maja Ivarsson, Fredrik Nilsson, Felix Rodriguez, Jesper Anderberg und Johan Bengtsson. Fotos: Sandro La Marca Felix über Sängerin Maja Ivarsson: "Sie ist eine echte Powerfrau, hat eine Wahnsinnsstimme und Charisma... ...wir mussten sie einfach als Sängerin haben."

The Sounds, eine Band, die ihrem Namen alle Ehre macht, gastierte kürzlich im Zürcher In-Club Abart, im Rahmen ihrer Europa-Tour. Maja Ivarsson, Fredrik Nilsson, Felix Rodriguez, Jesper Anderberg und Johan Bengtsson brachten die Menge zum Kochen. Boxen dröhnten, das Publikum tobte und alle Augen waren auf die charismatische, stimmgewaltige Rockgöhre Maja gerichtet, was sicher nicht zuletzt an ihrem lasziven Outfit lag. Den Zuschauern gefiel das Schauspiel sichtlich, und am Ende des Konzerts fragte sich so jeder von Schweiss triefende Zuschauer: Gebührt nun Mando Diao oder The Sounds der Thron auf dem Schwedischen Rockolymp?

 

Tink.ch traf Felix und Johan vor dem Gig und fragte den charmanten Jungs Löcher in den Bauch.

 

Spielt ihr lieber auf grossen Openairs oder zieht es euch auch in kleine, verrauchte Clubs, wo man Auge in Auge mit dem Publikum ist?

Johan: Wir machen beides gerne. Natürlich bereiten Konzerte an riesigen Openairs Adrenalinkicks und wirken beflügelnd, aber wir spielen genauso gerne in Pubs oder Clubs. Denn dort ist die Stimmung viel privater, man kommt mit den Fans sehr eng in Kontakt.

 

Wieso seid ihr in Amerika so berühmt?

Johan: Ein amerikanischer Produzent hat vor einigen Jahren eines unserer Konzerte in Stockholm besucht. Danach kam er zu uns und fragte, ob wir an einem Vertrag interessiert wären – was für eine Frage!

Felix: Ich denke es gehört auch viel Glück dazu, aber wenn du einen guten Produzenten hast, kann dieser viel ausrichten.

 

Habt ihr in denn hier einen schlechteren Plattenverlag? Ihr seid schliesslich in Europa noch lange nicht so bekannt wie in Amerika.

Felix: Nein, ganz sicher nicht, wir haben uns lediglich in den letzten Jahren mehr auf die USA als auf Europa konzentriert. Jetzt touren wir aber auch auf dem europäischen Kontinent, und wir sehen, dass sich die Bemühungen lohnen. Unsere Musik verbreitet sich schnell, Europa ist schliesslich auch kleiner als Amerika.

 

Wer hatte eigentlich die Idee, eine Band zu gründen?

Felix: Das waren ich und Johan, der Bass-Gitarrist. Wir haben alle in verschiedenen Bands gespielt, gingen aber entweder in die gleiche High-School oder kamen aus demselben Dorf. Maja, unsere Sängerin, ging beispielsweise in die gleiche Kunstklasse wie ich. Sie ist eine echte Powerfrau, hat eine Wahnsinnsstimme und Charisma, wir mussten sie einfach als Sängerin haben. Sie war sogleich mit von der Partie und wir fingen an zu experimentieren.

Johan: In Schweden haben wir ein geniales Schulsystem, der Staat unterstützt junge Musiker und man kann für wenig Geld ein Instrument mieten.

Schreibt ihr eure Texte und die Musik selbst?

Felix: Schreiben ist die beste Therapie. Anstatt dir einen Seelenklempner zu leisten, der dir das Geld aus den Taschen zieht, solltest du lieber mal ein Blatt zur Hand nehmen und darüber schreiben. Wirkt sehr befreiend und ist viel billiger und zeitsparender.

Johan: Auf der Tour bin ich mal im Bus in einer dunklen Ecke gesessen, total mies drauf, ich sag es dir. Da kam Felix, streckte mir ein Blatt Papier unter die Nase und riet: „Schreib darüber“. Wir helfen uns gegenseitig. Für Felix bin ich Dr. Johan und er ist für mich Dr. Felix. So entstehen die besten Songs.

 

Dann scheint ihr ja einen ziemlich guten Draht zueinander zu haben. Hat sich  mit dem aufkommenden Erfolg nichts an euer Beziehung verändert?

Felix: Nein, wir sind nur noch enger zusammengewachsen. Es mag sein, dass es Bands gibt, denen der Erfolg zu Kopf steigt, wir aber haben dadurch noch grösseren Respekt füreinander gewonnen. Wir wachsen mit- und aneinander, schliesslich kennen wir uns seit Ewigkeiten, und haben unsere Naivität und Unsicherheit mehr oder weniger abgelegt. Jeder von uns versteht, dass wir das erleben, wovon wir immer geträumt haben, und dass wir uns nur selber damit blockieren würden, wenn wir Starallüren oder Divaattitüden bekämen.

 

Wie seht ihr den momentanen Schweden-Trend? Ist es ein Vorteil eine schwedische Band zu sein?

Johan: Eigentlich halten wir nicht viel von diesem ganzen Hype. Wir mögen den Gedanken nicht, als schwedische Band verkauft zu werden, aber wir mögen den Gedanken, von Schweden zu sein. Das ist nämlich schon eine coole Sache.

Felix: Genau, denn es ist ein sehr kleines Land, und wir wollen gerne Tore für weitere Talente aus unserem Heimatland öffnen. Es sorgt sicher immer für Aufsehen, wenn eine Band nicht aus Amerika oder Grossbritannien kommt, sondern aus einem vergleichsweise winzigen, skandinavischen Land.

Trägt dieser Nationalstolz auch zu einer gewissen hohen Selbsteinschätzung bei? Mando Diao beispielsweise rühmen sich ja gerne mit dem Titel „greatest band of the world“.

Johan: Wir haben davon gehört, dass sich Mando Diao gerne als Wunderkinder verkaufen. Natürlich gebührt ihnen grosser Respekt, aber die „greatest band of the world“ sind sie nicht. Auch wir haben so unsere Zweifel an so einem Titel, denn wer wird schon jemals Genies wie die Beatles oder Rolling Stones das Wasser reichen können? Wir wissen aber, dass wir noch für lange Zeit der Rockszene erhalten bleiben werden, wir glauben aneinander. Deswegen würden wir, innerhalb der Band, uns schon als „greatest band of the world“ bezeichnen, denn wenn wir uns nicht als solche sehen würden, könnten wir kaum mit Überzeugung auf der Bühne stehen.

Felix: Ist ja eigentlich auch logisch, wer will schon fünf unsichere, vor dem Publikum bibbernde Gestalten in die Seiten schlagen sehen. Wir sind gut, und das ist auch gut so.

 

Was ist in dem Fall das Wichtigste für euch auf der Bühne?

Felix und Johan: To have a great time!