Wie lange wird noch zugeschaut?

Der bisher bekannteste Fall einer Tötung durch eine Armeewaffe ist die Tragödie der ehemaligen Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet. Die Prominente Mutter eines kleinen Jungen wurde im April des vergangenen Jahres durch Schüsse aus der Armeepistole ihres Freundes erschossen. Nachdem der Schütze auch das Leben von Rey-Bellet’s Bruder ausgelöscht hatte, richtete er sich selber. Dieser Vorfall rüttelte die Schweiz auf. Er ist jedoch nur einer von vielen solcher Horrorereignissen. Meistens spielen sich die Szenarien nach einem ähnlichen Muster ab: Der Täter bringt zuerst Familienmitglieder oder Freundin um und begeht anschliessend Selbstmord. Fast ausschliesslich sind die Täter männliche Personen.

Waffen nach Rekrutenschule billig zu haben

Die meisten Soldaten, die aus dem Dienst entlassen werden, wollen ihre Waffen nicht behalten und geben sie auch gleich ab. Im vergangenen Jahr nahmen nur noch gerade 29 Prozent der Wehrmänner ihre Sturmgewehre mit nach Hause. Die Tendenz ist stark sinkend, denn vor drei Jahren waren es noch über 40 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass immer mehr Männer ihre Waffen nicht mehr für nötig halten und der Meinung sind, dass sie sowieso nur in den Kleiderschrank gestellt werden und in falsche Hände geraten könnten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Waffenliebhaber, die ihre Gewehre und Pistolen gerne mit sich nehmen. Dies meist aus traditionellen Gründen, aus Stolz oder aus purer Freude an den Schussgeräten. Will ein abgehender Soldat seine Verteidigungswaffen nach Hause nehmen, ist das nicht teuer. Ein Sturmgewehr kostet 100 Franken, eine Pistole nur gerade 30 Franken. Das Militär überlässt den Wehrmännern ihre Waffen auf reiner Vertrauensbasis. Die allermeisten Männer, die sich für die Waffe entschieden haben, missbrauchen das Vertrauen auch nicht. Aber gerade deshalb sind die Ausnahmen umso schrecklicher.

Keine Munition als mögliche Lösung

Die Linke möchte die Armeewaffen und die Munition Zuhause ganz verbieten. Vor allem der Bundesrat hängt jedoch an seinem momentanen Regelwerk fest und wehrt sich gegen Änderungen. Das ist allerdings kein Wunder. Der Militärminister Samuel Schmid ist ein leidenschaftlicher Hobbyschütze und sein Bruder Peter Schmid war bis vor kurzem Präsident des Schiesssportverbandes. Doch auch der Bundesrat sieht sich gezwungen, kleine Schritte gegen die hohen Zahlen der Todesfälle durch Armeewaffen zu unternehmen. Er hat vor vier Jahren bestimmt, dass nur noch aktive Armeeangehörige Taschenmunition bekommen. Wer seine Dienstwaffe behalten will, muss zudem in den drei vorangegangenen Jahren in der Rekrutenschule zweimal das Obligatorische Schiessen und zweimal ein Feldschiessen absolviert haben. Warum nicht wenigstens die Munition zu Hause für alle verboten wurde ist jedoch für viele unklar. Ohne Munition würde es für die potenziellen Todesschützen auf jeden Fall schwieriger werden, ihre Waffen zu benutzen und die Waffenfans könnten immer noch ihr Hobby ausleben.


Nationalrat weiter dagegen

Es steht fest, dass in der kommenden Zeit etwas geschehen muss und dass es nicht so weitergehen kann. Eine ideale Lösung zu finden, um die häusliche Sicherheit zu erhöhen, scheint jedoch fast unmöglich. Verbietet man die Armeewaffen zu Hause endgültig, ist natürlich noch lange nicht sicher, dass die Bluttaten aufhören. Die Täter können sich ihre Tatwaffen auch anderswo auftreiben. So denkt anscheinend auch der grösste Teil des Nationalrates. Denn der jüngste Antrag von Boris Banga/SP Solothurn, wonach Ordonnanzwaffen nicht mehr zur persönlichen Ausrüstung gehören und im Zeughaus gelagert werden sollen, wurde mit 96 zu 80 Stimmen abgelehnt. Auch ein anderer SP-Antrag, nach dem aktive Schützen nach ihrem Abtreten aus der Armee die persönliche Waffe in einer zivilen Ausführung zu Marktpreisen kaufen könnten, wurde abgelehnt. Eine bürgerliche Mehrheit im Nationalrat hat sich bei der Diskussion ums Waffengesetz auch in dieser Frage gegen die Linke durchgesetzt.

Puppen an die Macht

Im Oktober 2005 war der CD Release. Nun sind sie wieder auf Tour und wir riskieren einen Blick hinter die Puppenbühne. “Creature Shock Radio”, beinhaltet 16 Tracks erfrischender Elektro-Hip Hop mit heftigen Beats und guten Texten. Es ist das Album einer Hip Hop Gruppe, die anders ist als alle anderen Rapper. Denn man trifft nicht wie erwartet auf zu grosse Hosen, noch grössere T-Shirts und Goldketten mit Gewicht im Kilobereich; Handpuppen heisst das Rezept der Puppetmastaz, wie schon im Voraus der Name verrät.

Amerikanische Einflüsse

Wie ein Einmarsch klingt das Intro, “We Back” eröffnet “Creature Shock Radio” mit einer eindeutigen Botschaft: Sie sind zurück. Mit fetten Beats hiphopen sich die Berliner gekonnt durch die 45 Minuten. Beim Hören der CD denkt man jedoch zuletzt an Deutsche, lassen sie sich doch sehr von US-Rapstars und Black Music inspirieren, wie zum Beispiel R’n’B in “Jukebox”. Und auch mehrstimmige Rap-Strophen zu eingängigen Melodien werden in “Martian Juice” überzeugend gekreuzt.

Mr Maloke und seine Artgenossen

Mit Maulwurf-, Schweine- und Hasenpuppen rappen sie zu Old School Beats und bouncenden Bässen. Elektronische Einspielungen wie in “Do the Swamp” und “Pretending Early Morning” sorgen für eine gelungene Abwechslung. Was Mr Maloke und seine Artgenossen beabsichtigen, wird in “Telephone Audition” klar: Puppen an die Macht! Ein Sänger wirbt per Telefon um einen Vocalpart. Die Antwort: “I don’t like your voice. It’s too humanoid”. Schliesslich wird mit viel Tempo in “Mastaplan” das gelungene Comeback “Creature Shock Radio” abgerundet.

“Rhymes Against Humanity”

Die Puppetmastaz sind die erste Toygroup der Welt. Mit ihren “Rhymes Against Humanity”, den Beats und Slangs beherrschen sie ihr Handwerk. Überregional bekannt wurden sie im 2003. Der Bekanntheitsgrad stieg schliesslich 2005 mit dem Wechsel zum neuen Label Louisville Records und der Veröffentlichung von “Bigger the Better”. Die Hauptvertreter der Gruppe sind unter anderem Maulwurf Mr. Maloke, der das “Bizness” regelt, während Raphase Snuggles The Bunny den Fanbeauftragten und Womanizer abgibt. Neben diesen beiden kämpfen auch Schwein Panic The Pig und  Lurch The Wizard für die Rechte der Handpuppen.


Wer sich das auch Live nicht entgehen lassen will, die "Puppetmastaz" sind wieder auf Tour:

26.04.07 tba in Zürich
27.04.07 Kiff in Aarau

28.04.07 Le Romandie in Lausanne

15.07.07 am Frauenfeld Open Air

08.09.07 Le Monniati Festival in Genf

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Vom Anfänger bis zum Profi

Kunst und Kultur für junge Menschen – das gibt es an der Jugendart in Olten. Vom 20. bis 27. Mai bietet die 16. Durchführung eine Plattform für junge Künstler, die sich präsentieren und entfalten wollen. „Die Jugendart soll Jugendlichen die Chance geben, ihre Vorstellungen von Kunst zu zeigen“, erklärt Manuel Locher, Verantwortlicher für das Rahmenprogramm und die Administration der JugendArt. Die jungen Menschen im Alter zwischen 13 und 26 Jahren mussten bei der Anmeldung auch keine Vorselektion durchlaufen. Die Schützi in Olten bietet Platz für 30 Künstler. Wer zuerst kommt, malt zuerst – eine der Grundphilosophien der JugendArt. “Wir wollen allen eine Chance bieten, vom Anfänger bis zum Profi, der tausende Franken verdienen kann.” Insgesamt werden unter den 30 Künstlern drei Förderpreise verliehen, einer vom Alten Spital in Solothurn, ein weiterer von einer Druckwerkstatt und der letzte vom JugendArt-Team. “Es sind keine Geldpreise, sondern sie bieten den Gewinnern die Möglichkeit, neue und alte Werke an anderen Orten auszustellen, beispielsweise an einem Kunstmarkt.”, sagt Locher.  

U20-Poetry Slam zum Mitmachen

Die Ausstellung der JugendArt wird durch das ausgefallene Bühnenprogramm bereichert, das eine ganz spezielle Hintergrundatmosphäre schafft. Ein Schwergewicht bildet dabei die Musik und das Theater. “Wir bieten ein erweitertes Kunstspektrum, und zu diesem gehört auch das Singen und Theaterspielen”, erzählt der Pressechef Tomas Honegger. Neu in diesem Jahr ist auch der U20-Poetry Slam, wo Besucher gleich selber Kunst erzeugen können. Die JugendArt erreicht mehr und mehr Kultstatus, die positive Entwicklung ist laut Honegger extrem. Im vergangenen Jahr erschienen rund 2000 Besucher. Nebst Sponsoren, einem dem kantonalen Lotteriefonds, dem Migros Kulturprozent und privaten Stiftungen hilft auch die Stadt Olten kräftig mit. So können die Organisatoren jeweils mit einem Budget von etwa 15’000 Franken rechnen. War das Einzugsgebiet früher nur Olten und Umgebung, geht es heute von Liechtenstein bis nach Genf. “Es gibt bereits erste Nachahmer in Chur, Luzern und Fribourg.”

Junge Generation ansprechen

Die JugendArt ist eine Co-Produktion des Oltner Kulturvereins Art.i.g und Blauring & Jungwacht Kanton Solothurn. Das Team um Locher und Honegger besteht aus weiteren sieben Personen. Für ihre Arbeit und den Erfolg erhielten sie vor zwei Jahren den Oltner Kulturförderpreis. Mit der JugendArt wolle man auch weiterhin vor allem die junge Generation ansprechen. Die vielen Bewerbungen seien in gutes Zeichen für die JugendArt. Die 30 Kunstplätze waren in nur gerade zehn Tagen vergeben. “Wir hätten über 45 Bewerbungen annehmen können, doch dazu fehlt uns in der Schützi einfach der Platz.” Ein baldiger Umzug in eine grössere Halle sei kaum denkbar, da das Kulturzentrum ideal liege und relativ günstig ist. “Wir wollen uns aber Jahr für Jahr in allen Bereichen verbessern und die Organisation stetig professionalisieren.”

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Wechselnde Tracks und Dialekte

Säximo Kollektiv feiert nach fünfjährigem Bestehen den Release ihrer ersten CD. „Hip Hop im Fluss“ nennt sich die Scheibe, welche seit dem 9. März im Ladenregal steht. Elf Tracks von Künstlern aus der Schweizer Underground Hip Hop-Szene sind darin enthalten. Mit einer Erstauflage von 1000 CDs erhofft man sich zwar noch nicht den totalen Durchbruch, doch bietet Säximo Kollektiv eine Plattform für talentierte, noch unbekannte Rapper aus allen Regionen.

„Phat Promo“ als Höhepunkt

Mit einem merkwürdigen Intro in Gedichtform heisst einem „Vitus“ im Namen von Säximo Kollektiv willkommen. Zusammen mit „Manekan“ präsentiert der Rapper auch den zweiten oder ersten wirklichen Track, „Abe mit em König“. Gesellschaftskritischer Rap begleitet von einer unruhigen Hintergrundmusik macht den Zuhörer neugierig auf das nächste Stück. Dieses ist Berndeutsch, mit viel Eigenlob, und besingt unsere Bundeshauptstadt. Echt harter Rap gegen Punks, Prostituierte und die Gesellschaft bietet „Phat Promo“ mit seinem Track „Kap“. Einige seiner Verse sind zwar sehr fragwürdig, aber Trap ist mitreissend und gehört ohne Frage zum besten Teil der CD. Nicht allzu spektakulär gestalten sich hingegen die nächsten Stücke. Auch eine gewisse Eintönigkeit macht sich je länger die CD dauert bemerkbar. Die Rapper und ihre Dialekte wechseln zwar nach jedem Track, doch Inhalt und Melodie bleiben weitgehend gleich.

„Saubanner“- einklickende Eintönigkeit

Erniedrigend und ähnlich hart wie Phat Promo gestaltet sich Lied Nummer sechs „Am Morge druf“ von „Saubanner“. Abgesehen von der lästigen ohrenwurmartigen Melodie ist nicht nur der Text ohne Sinn, sondern auch deutlich unter jedem Niveau. Oft machen ansprechende Einleitungsmelodien Hoffnung auf ein gutes Stück, doch nach einigen Sekunden klickt die Eintönigkeit wieder ein, und trotz guten Ansätzen sind viele Stücke nicht besser als durchschnittlich.
Zahlreiche Talente aus vielen Kantonen sollte doch eigentlich eine abwechslungsreiche CD garantieren. Doch trotz guten musikalischen Ansätzen fehlt der Scheibe noch die Reife und die nötige Qualität. Talentförderung in Ehren, doch es wird wohl beim Projekt bleiben.

Spannender Freitagabend

Die verschiedenen Formate wie auch die wechselnden Filmlängen brachten viel Abwechslung in den Abend. Das Publikum fand Gefallen an den Produktionen, insbesondere an denjenigen mit komischen Elementen.

An der Preisverleihung am Sonntag räumte Nicolas Steiner aus dem Wallis in dieser Kategorie sowohl den ersten als auch den zweiten Preis ab, mit einem Animations- und einem Dokumentarfilm.

Mir persönlich gefiel ein anderer Film am Besten, einer, der leider leer ausging. “Clinch, ein Film über den Widerstand in einem Leben, in dem der einzelne Mensch nur noch ein Schatten ist.” Der 21-minütige Spielfilm überzeugte mich vor allem auf Grund der erstklassigen Schauspielleistungen. Der Hauptdarsteller irrt durch sein Leben, unzufrieden, unglücklich. Die Protagonisten verkörpern Monotonie und Trostlosigkeit genau so glaubhaft wie den Widerstand, gegen diese anzukämpfen. Fantastisch auch die Atmosphäre, düster und unheilvoll, doch ständig schwankend zwischen tiefer Melancholie und Komik. Eine sehr gekonnte und interessante Darstellung, wie ich finde.

Dieser Ausflug an die Jugendfilmtage war eines Freitagabends würdig, der wirklich gelungenen Produktionen und der lockeren, guten Stimmung wegen.

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Die Suche nach Liebe und Identität

Der erste Bildstreifen handelt von einer fliegenden Libelle, die auf der Erde nach Freunden sucht. Sie sucht und sucht, und wird nicht fündig. So zieht sie aufs Meer hinaus. Zu weit hinaus. Dann begegnet der Libelle ein rosaroter Wal mit violetten Flügeln. Sie setzt sich auf ihn nieder und findet bei ihm Liebe. Und sie liebten sich. Sie gebaren ein Kind, ein fliegender Wal.

Dieser freudige Auftaktfilm entstand aus den Anstrengungen der Sekundarklasse 2C des Schulhauses Leewasser in Brunnen SZ und der Feder ihres Lehrers Andreas von Euw.

Nächster TraumHalt Lyss

Erhellte Jugendliche und die reformierte Kirche aus Lyss BE boten einen 14 Minuten langen, herrlich zugespitzten Abriss generationsübergreifender seelischer Landschaften. Das Bild von einer Skulptur mit Lehmköpfen wich menschlichen Köpfen und darauf der vielleicht nicht menschlichen Frage: Was würden Sie tun, wenn Sie heute eine Million Schweizer Franken im Lotto gewinnen? Eine Dokumentar-Reise in die Träume und Sehnsüchte von am Bahnhof Lyss aufgegabelten Personen.

Ein schwarzer Mann gestand, er könne sich so viel Geld gar nicht vorstellen, da er bisher nie annäherungsweise so viel besessen hatte. Aber er liebe die ganze Welt – alle Menschen. Darauf kommt es ihm an. Er unterscheidet und urteilt nicht: “Es sind doch alle Menschen Brüder”, und schmeichelt der Schönheit der interviewenden Dame. Ein rund zehnjähriger Knabe mit eingebundenem Gipsarm gab an, er wünsche sich “än Töff”. Ein nicht grauhaariger Greis stellte fest: “Die Zeitlupe ist durch im Alter von 85.”  

Es folgte “Chasch nöd immer gwünne”, ein zweiminütiger Animationsfilm mit einer Puppe in Streifenanzug und blauer Hose und der Hintergrundmusik “Don’t worry, be happy”. Winibald wälzt sich im Bett umher, gähnt zum Sonnenaufgang gähnt, pisst und putzt die Zähne. Und plötzlich gewinnt er im Lotto. Was passiert?  

Herr und Knecht

Der Traum von humaner Erziehung des Schülers Michael: “Wir brauchen keine Erziehung.” Der Sklavensprecher bezeugt: Er ist es überdrüssig, Sklave in der Herrschaft der Lehrer zu sein. “Wäre das schön, tun zu können, was man will.” Eine jüngere Mitschülerin weist ihn zurecht: “Der Lehrer hat seine Knechte, wie der Ritter seine Knappen.” Und der Sklavenführer muss eingestehen: “Ohne Herrschaft geht es auch nicht.”  

Das nächste Einspiel zeigt wie es ist, jeglicher Herrschaft fremd und fern zu sein. Ein Musikvideo von einer Puppe, welche die fremde Welt verzweifelt versucht zu verstehen. Das Gleichnis von in Roboterform gehaltenen Höhlenmenschen stellt eine Maturitätsarbeit dar: “Ich höre die Wahrheit, aber was passiert wirklich?” Anstatt auf Sand geht die Puppe auf Beton.  

Alltag: Eine Schulklasse mit gelangweiltem Lehrer und gelangweilten Schülern. Einer von diesen nimmt ein Ei und zeichnet die Gesichtszüge des Lehrers darauf, und vergleicht in der Luft die Kopfformen. “Leave us kids alone” – eine neue Türe wird geöffnet. Der Kopf des Lehrers wird am Ende in der Hand zerdrückt – im Film “L’uovo del giorno dopo”.

Wenn Engel entscheiden, zu sterben

Ein gefesselter Engel des Todes entscheidet zu sterben. Selbstauflösungsmechanismus. Er hat eine Schienenbahn aufgesetzt, eine Lokomotive darauf anfahren lassen, die, wenn sie in den Abgrund stürzt, einen Schuss aus dem wohl platzierten Gewehr löst. Seine Gedanken schweben von seinem erdlichen Leben weg. Unerwarteterweise kommen ihm Ereignisse mit seiner Freundin hoch, die freudige Gefühle auslösen und wieder ersehnen lassen. Die Lokomotive bleibt stehen und fällt nicht in den Abgrund. Gleichwohl geschockt und in freudigen Gedanken erholt er sich von seinem Selbstmorddrang und packt seinen Lebenswillen für die Gunst seiner Freundin. Da geht die Türe auf, die Freundin kommt herein, bewegt sich zum Gesetzten hin, und fängt den von ihr ausgelösten Schuss selbst auf. Wer eine eigene Grube gräbt, kann andere mit hineinziehen.        

Pascal und Larissa überfahren einen Menschen mit dem Auto. Darauf suchen sie das Weite. Sie landen bei einer in Schwarz gehüllten Gestalt. Diese bietet ihnen einen Handel an. Sie müssen die Zeitmaschine finden – dann sind sie befreit. Aber jetzt befinden sie sich in einem Labyrinth. Ein hinterhältiger Junge, der bereits jahrelang im Labyrinth Wege sucht, hilft ihnen. “Wenn ihr Licht seht, weicht dem aus. Ich bin schon sehr lange im Labyrinth gefangen. Es verändert sich ständig. Damit auch die Wege.”

Dieser fünfte Film der “wädiwood”-Jugendgruppe aus Wädenswil versucht anzuregen, uns unserer Verantwortung zu stellen und gegenseitig die Hand zu geben.  

Blaublütlerenzian   

Ein tierisches Verwandlungsspiel beanspruchte die graue Leinwand sieben Minuten lang. Darauf zeigte Christoph Keller “Ein einig Volk von Blau”. Auf der Strasse rennt ein gesunder Mensch. Er geht ein Parkhaus oder Hochhaus hoch. Ein Kreis von in Blau gehüllten Wesen versperrt ihm den Weg. Verwundert beschaut er sie, und will in die Mitte eindringen, wird aber immer von neuem weg gestossen. Er lässt sie, und geht im Gebäude weiter hinauf. An einer Wand ruht er aus. Ein zerbrochenes Glas liegt neben ihm, welches er sogleich bemerkt und aufgreift – und sich in Ruhe schneidet. Blaues Blut rinnt aus seinen Adern. Mit dieser blauen Farbe beschmiert er sich, stumpft ab und wird abgestorben im blauen Zirkel aufgenommen, erhält einen blauen Mantel, sieht sich gekleideter Gleichheit gegenüber und roten Lippen. Und der blaue Kreis wird zu einem Auge.

Er habe an das Verhalten der Schweizer in Kontakt mit Ausländern gedacht, äusserte sich der Regisseur später zur Motivation für diesen Film.

In gleicher Manie führten Wolken aus Urdorf ZH einen Werbefilm für das “erfundene Getränk l’aux” mit dem Slogan “Bist du k.o. – trink l’aux”.

Eine weitere Spielerei an einem Schwimmbecken über Veränderung von Vergangenheit, zog den Auftakt der Jugendfilmtage in die Länge.

Im wahrhaftigen Sinn einen krönenden Abschluss bot das 15-minütige Werk des Berners David Zürcher “Where I end and you begin”: Eine herrliche Fabel von der Schizophrenie und dem idealisierten und realisierten Identitätswandel.

Filme können für Jugendliche einen neuen Ausdruck bieten, um mit alltäglichen Problemen und Ereignissen klar zu kommen. In der Pause, vor dem Einklang und nach dem Ausklang weilten die jungen und engagierten Filmemacher in der Vorhalle – vom Ereignis, der Präsentation ihrer Werke, erregt. Die “wädiwood”-Produktion “Zweite Chance” wurde mit dem Preis der Publikumsabstimmung gekürt.

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Sinne berühren

Das neue Multiplexkino in der Wirtschaftsoase Sihlcity ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch zu erreichen. Das Areal der ehemaligen Sihl Papierfabrik wich einem breiten Angebot an Unterhaltung und Dienstleistung. 2000 Arbeitsplätze wurden hierfür geschaffen. Total 2’105 Sitzplätze, zehn Säle, und 5’400 Quadratmeter Fläche umfasst der Filmpalast. Die Kinosäle werden für Kongresse und Seminare angeboten.     

Auf Initiative von Peter Preissle, Art Director der Mascotte Film AG Zürich, konnte die zweite Sekundarklasse A seiner Tochter aus dem Schulhaus Hirschgraben zusammen mit Medienleuten vor der Premiere die gegenwärtige Entwicklung von 5D-Kino begutachten. Das Erlebniskino bietet Platz für vierzig Personen. Der Ankündigung zu Folge sollte sich der Besucher “mittendrin im Film” fühlen. Die Filmcity will Jung bis Alt anlocken und lockt mit einem kulturellen Angebot, das von Mainstream über Kunst und Kultur bis hin zu Kinder- und Seniorenfilmen reicht.  

Eduard Stöckli, Mitbetreiber der Arena Filmcity, kündigt den Probelauf des Drive Cinema 5D als ein Erlebnis mehr als Kino an. Es ist zwar ein seriöser Kinokomplex, aber dieser Raum musste erschaffen werden, selbstverständlich um sich zu amüsieren und als Experiment in eine neue Richtung. Und Stöckli schwärmt, wie Bild, Ton und Stühle verschmelzen, wie ein Film zu einem erlebten und erfühlten Ereignis wird. Diese Atmosphäre, das Spiel mit dem Geruch: “In Wien und Berlin existiert dasselbe, ansonsten nirgends. Es ist das einzige derartige Kino in der Schweiz, jedenfalls noch in diesem und im nächsten Jahr.”

Verantwortlich für die Technologie ist das österreichische Unternehmen Prime Cine Technologies. Einige technische Startschwierigkeiten verzögerten die Testaufführung mit den anwesenden Versuchskaninchen, und strapazierten teilweise jene Gemüter.  

Neben dem Sehen, Hören, und Bewegt werden, kann das Kinopublikum den Film fühlen, mittels Wasserfontänen, die vom vorderen Sitzrücken spritzen und dem Krabbeln von Ungeziefer an den Beinen. Des weiteren wabern Düfte durch die Luft, aus einer Auswahl von ingesamt 6’000 Gerüchen.  

Die neuen Dimensionen versprechen aber mehr als sie einhalten. Auffallend sind die technischen Schwierigkeiten und die nicht reibungslosen Bildabläufe. Die Technik befindet sich offensichtlich im Anfangsstadium.     

Der vorgeführte Film handelt vom Schmelzen der Nordpolkappen, davon, den Gefahren, die unseren Planeten und unser Leben bedrohen, ins Auge zu sehen. Lilly Preissle gab an, erschrocken zu sein: “Zum Beispiel als die Schlange ins Bild gefallen ist, oder es an den Fersen kitzelte.” Eine Gruppe von Jungs war von der Qualität mässig begeistert, aber im Grossen und Ganzen doch zufrieden. Eine Pressefrau kommentierte während der Filmvorführung: “Furchtbar.” “Ah… jetzt schmeckt es schon besser.” “Ah… Nein. Das ist zuviel des Guten.” Und eine andere: “Im Flugzeug werden immerhin Kotzbeutel verteilt.”

Ein Jugendlicher begann davon zu schwärmen, wie weit mit diesen Formaten interaktive Spiele entwickelt werden können. Peter Preissle kritisierte, er wisse nicht, ob er 90 Minuten lang mit allen Sinnen mithalten könne und wolle. Andere fanden genau das Gegenteil.  

Technische Unterbrechung: Ein Bild hat sich verschoben. Presseverwirrung. Nach zehnminütigem Fotografengeblitze fragte eine Mitarbeiterin vom Schweizer Fernsehen, ob die Fotografen nicht für fünf Minuten das Geblitze einstellen könnten. Es blitzte fröhlich weiter.  

Zur Auswahl stehen im 5D-Kino der gezeigte “SOS Planet 5D” mit einzigartigen und oft aufgesetzt wirkenden Computeranimationen von der Umweltbedrohung unseres Planeten, “Haie 4D” von Jean-Michael Cousteau, darüber wie die Haie aus der Tiefe wirklich sind, und “Haunted House 5D”, in der eine schwarze Katze durch ein geheimnisvolles Haus führt. Weitere dargebotene Reisen sind bereits angekündigt: So eine “Odyssee 5D” und “Kleine Giganten des Dschungels 5D”.

In der Filmcity Arena sind sogar die Toiletten mit Bildschirmen ausgerüstet. Der Grundausbau wurde von den Architekten der Theo Hotz AG geplant und von der Karl Steiner AG gebaut. Eduard A. Stöckli, Max Koch und Direktor Patrick Tavoli entwarfen das Konzept des Innenausbaus, realsiert von der Cinetec Kinobau AG, Herrn Keist, als Generalunternehmer. Betreiberin ist die Stöckli Holding AG mit Sitz in Chur.

Edi Stöckli, der an verschiedenen Firmen im Filmgeschäft Beteiligungen hält, gab zur Antwort, ich solle ihn in fünf Jahren wieder fragen, ob die Investition sich gelohnt habe: “Die Zukunft des Kinos hat gerade erst begonnen.” In diesem Kinokomplex, in den er sehr viel setzt, sind von seiner Seite und der seiner Partner rund 15 Millionen Franken im Spiel.  

Sinngemäss sagte er, man müsse alle Strömungen oder Wolken mit einbeziehen. So gibt es auch eine Kirche in der grossen Kleinstmetropole Sihlcity. Fast schon überheblich zynisch meinte er: “Wir nehmen alle mit.”

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Kaiser Chiefs Nummer Zwei

Aber jetzt im Ernst, es ist wirklich eine tolle Sache. Zwar ist Yours Truly, Angry Mob nicht so genial wie das erste Album von den Kaiser Chiefs, nämlich Employment, aber es ist immer noch Kaiser Chiefs – Schneller, auch langsamer, auf jeden Fall aber schöner Rock, (oder wie man dem auch sagen will) der vor allem durch Authentizität und Diversifikation überzeugt.


Nichts ist nur Beilage

Mit Diversifikation meine ich, dass sich die fünf Jungs aus Leeds, die unter anderem schon mit den Auszeichnungen “Beste britische Band”und “Bester live Act” geehrt wurden, nicht auf ein bestimmtes Instrument konzentrieren und einem beim Hören nicht das Gefühl beschleicht, dass man alles schon kennt. Kaiser Chiefs schaffen zwischen Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard ein facettenreiches Zusammenspiel, in dem jedes Instrument eine wichtige Rolle einnimmt und nichts einfach nur als Beilage dient. Mit der Stimme von Ricky Wilson entsteht schlussendlich gute (britische) Musik, die auf jeden Fall Spass macht und tanzbar ist.

Und mag man mal nicht mehr tanzen und herumspringen, tut es auch nicht weh, wenn man sich mal auf die Lyrics achtet. Denn Kaiser Chiefs singen nicht von Sex, Drugs and Rock’n’roll-Lügen, oder tun so, als wären sie immer noch die ganz normalen Jungs von der Strasse. Nein, irgendwie gibt’s da so gar kein Getue, das mit der Zeit einfach nur unglaubwürdig ist und auf die Nerven geht. Sie erzählen von alltäglichen Begebenheiten, ihren Gefühlen und Gedanken und dies mit einer Ehrlichkeit, die man selten antrifft.  


Wirklich erst das Zweite

Und trotzdem fehlt irgendwie dieses “gewisse Etwas” auf Yours Truly, Angry Mob. Employment war einfach besser. Denkt man nur an “Every Day I Love You Less and Less”, meiner Meinung nach eines der Besten Lieder, die überhaupt existieren, oder “Born To Be a Dancer”, oder auch “I Predict A Riot”, dann wird man schon etwas nachdenklich. Solche Wahnsinnshits fehlen auf Yours Truly, Angry Mob einfach. Aber da muss man auch ein bisschen nachsichtig sein. Erstens kommen sie aus England, was ja mittlerweile mit der Erwartung verbunden ist, dass man entweder einfach gut, genial und super – oder billig, mainstrem und langweilig ist. Und zweitens, ist Yours Truly, Angry Mob wirklich erst das zweite Album. Also ja, doch kaufen.


Gewinnspiel

Tink.ch verlost in Kooperation mit Universal Music vier Exemplare des neuen Albums, Yours Truly, Angry Mob. Um mitzumachen beantworte die unten stehende Frage und schicke deine Lösung bis zum 8. Aprill 2007 mit dem Betreff "Angry Mob" an: lailo.sadeghi@tink.ch (Deine Adresse nicht vergessen)

Woher kommen die Kaiser Chiefs?

a) Aus England

b) Aus Leeds

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Imagine neu auch in Kolumbien

Mit Imagine international bauen die Veranstalter ein internationales Netzwerk auf. Das Ziel: an möglichst vielen Orten auf der Welt auf die Rassismusthematik aufmerksam zu machen und Jugendliche verschiedener Kulturen darauf zu sensibilisieren. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Brasilien soll nun das Jugendnetzwerk nach Kolumbien ausgedehnt werden. Am 5. und 6. Oktober 2007 ist in der kolumbianischen Metropole Medellín ein Festival geplant. Dieses wird, wie das Imagine in Basel, ebenfalls von Jugendlichen für Jugendliche organisiert. Unterstützung erhalten die jungen Organisatorinnen und Organisatoren in Kolumbien von der Corporacíon Regíon, einer Partnerorganisation von Terre des hommes Schweiz.

Vom 4. bis am 22. März waren Niamh Oeri, Lilian Buss und Nico Scholer vom Schweizer Imagine-Team in Kolumbien unterwegs. Die meiste Zeit verbrachten sie dabei in Medellín. Sie stellten ihr Projekt vor, besprachen mit den kolumbianischen Jugendlichen Ideen, leiteten Workshops und tauschten Erfahrungen aus. Die Workshops drehten sich hauptsächlich um die Rassismusthematik. So wurde diskutiert, wie Rassismus in Kolumbien und in der Schweiz aussieht und Parallelen und Unterschiede aufgezeigt. Die drei Reisenden berichteten laufend in ihrem Reisetagbuch auf der Website des Festivals. Ihre Erfahrung: „Auffallend war, dass sie sich die Schweiz immer in einem extremeren Umfang ausgemalt haben. Die Schweiz ist organisierter, hat weniger Arbeitslose, man feiert mehr Partys etc. In einer anschliessenden Diskussion beantworteten wir ihre Fragen, erzählten wie wir die Schweiz erleben und korrigierten einige dieser Bilder.“

Seit 2003 besteht zwischen den internationalen Schwesterprojekten ein reger Austausch. So besuchen regelmässig brasilianische Jugendliche Imagine in Basel. Im vergangenen Sommer waren erstmals drei Jugendliche aus Medellín zu Besuch. Im Gegenzug zu der aktuellen Reise der drei Schweizer Jugendlichen werden im Juni erneut kolumbianische Gäste in Basel erwartet. Neben ihrer Mitarbeit am Festival am 8. und. 9. Juni 2007 leiten sie ebenfalls Workshops in Schulen der Region Basel.

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