Gesellschaft | 26.02.2007

Wieso gerade die Raucher?

Text von Ayse Turcan
Ein qualmender Aufschrei gegen die Raucher-Hatz und ein Apell für mehr Eigenverantwortung. Denn: "Jeder muss selber entscheiden, inwieweit er seine Gesundheit gefährden oder schädigen will.»

Mir ist sehr wohl bewusst, dass das Rauchen schädlich ist. Es ist auch keinesfalls meine Absicht, Nichtraucher zum Rauchen zu animieren. Was mich aber richtig ärgert, ja regelrecht zur Weissglut treibt, ist die Art, wie seit einiger Zeit überall auf der Welt eine Hetze gegen die Raucher stattfindet.

Es weiss wohl etwa ab dem sechsten Lebensjahr jeder, dass das Rauchen schädlich ist. Es gehört zur Pflicht der Eltern, ihre Kinder vom Rauchen abzuhalten, genauso wie es ihre Pflicht ist, sie davon abzuhalten Alkohol zu trinken oder minderjährig schwanger zu werden. Doch sobald eine Person selbstständig ist und die Freiheiten eines Volljährigen besitzt, ist sie meiner Meinung nach fähig, selbst entscheiden zu können, ob er oder sie rauchen will. Daher verstehe ich nicht, wieso ständig die Zigarettenpreise erhöht werden und wieso seit kurzem der Zigarettenverkauf erst an Jugendliche ab 18 Jahren gestattet ist. Ich habe meinen Konsum in den letzten drei Jahren trotz der ständig steigenden Preise nicht um eine Zigarette gesenkt und den Rauchern in meiner Umgebung geht es ähnlich. Wir steigen vielleicht auf andere Formen des Rauchens um, doch wir rauchen nicht weniger. Das Einzige, was mit der Teuerung der Zigaretten erreicht wird, ist der wirtschaftliche Ruin vieler Raucherinnen und Raucher.

Und wieso gerade wir? Wieso werden nicht ständig die Alkoholpreise erhöht? Wieso steigen die Preise von fetthaltigen Speisen nicht? Sind das nicht auch gesundheitsschädliche Genussmittel? Das Rauchen ist eine Freiheit und sollte es auch bleiben, genauso wie die Entscheidung Alkohol zu trinken oder eine gefährliche Sportart auszuüben. Jeder muss selber entscheiden, inwieweit er seine Gesundheit gefährden oder schädigen will. Man kann einen überzeugten Raucher niemals dazu zwingen, das Rauchen aufzugeben, erstens, weil es eine Sucht ist, und zweitens, weil der Beschluss aufzuhören vom Betroffenen selbst kommen muss.

Eine andere Angelegenheit ist das Rauchen in öffentlichen Räumen. Ich halte es für selbstverständlich, dass man als Raucher Rücksicht auf Nichtraucher nimmt. Wenn ich in einem Café oder Restaurant sitze, frage ich meine Tischnachbarn, ob es sie stört, wenn ich rauche. Antworten sie mit ja, dann warte ich oder lasse es bleiben. Wiederum finde ich, dass an die Eigenverantwortung eines Menschen appelliert werden sollte, anstatt Verbote und Gesetze zu erlassen. Ich weiss, dass die meisten Menschen in vielerlei Hinsicht nicht sonderlich rücksichtsvoll sind, doch es widerstrebt mir, dass, anstatt ein Umdenken zu erreichen, immer der einfachere Weg der Verbote gewählt wird. Ein weiterer Nachteil ist die Tatsache, dass Verbote bei vielen Rauchern eine Trotzreaktion hervorrufen. Sie nehmen eine Busse in Kauf, nur um weiterhin rauchen zu können, weil sie es für ihr Recht halten, überall rauchen zu dürfen. Diese Haltung finde ich natürlich auch lächerlich, verstehe aber nicht, wieso in Zügen ein Rauchverbot gilt. Die Anzahl der Nichtraucherwagen war sowieso immer grösser als die der Raucherwagen und ich habe mich in meinen Nichtraucherzeiten nie über die Existenz der Raucherwagen gestört.  

Mein Fazit: Mehr Eigenverantwortung übernehmen und keine Hetze gegen die Raucher betreiben. Dass dieses Thema erst in letzter Zeit so aktuell ist, finde ich sowieso höchst fragwürdig. Meines Wissens wird seit einigen Jahrhunderten Tabak geraucht, das Rauchen ist nicht ein neues Phänomen unserer Zeit. Soll mit der Anti-Raucher-Propaganda vielleicht von anderen innenpolitischen Problemen abgelenkt werden?