Kultur | 12.02.2007

Was sollen all die Waagen?

Text von Anita Kupper
Überall in Wien bieten sich Waagen zur Gewichtskontrolle an. Haben Herr und Frau Wiener ein Gewichtsproblem? Teil 9 der Serie Wiena Gschichtln.
20 Cent kostet die exakte Messung des eigenen Körpergewichts. Fotos: Anita Kupper Unübersehbar: Riesige Waagen an jeder Ecke in der Stadt.

Seit einigen Tagen sehe ich an jeder zweiten Bim-Station (Tram-Station) grosse Waagen. Waagen mit zwei A, nicht Rennwagen oder Pferdewagen, sondern Gewichtswaagen. 20 Cent kostet die exakte Messung des eigenen Körpergewichts. Doch wer bezahlt diese 32 Rappen? Gibt es unter den Wienerinnen und Wienern tatsächlich Bedarf an öffentlichen Waagen? Oder gehört das Requisit zu einer Initiative der Stadt Wien?  

Bereits im Jahr 2004 versuchte die Hauptstadt Österreichs mit der Kampagne „Wien nimmt ab“ ihre Bürgerinnen und Bürger zum Abnehmen zu bewegen. Zum Frühlingsanfang wurden Übergewichtige ermuntert bis zum Sommer fünf Prozent ihres Gewichtes loszuwerden. Allen, die dieses Ziel innerhalb der vorgegeben drei Monate erreichten, winkten als Belohnung Bädergutscheine. Laut Archivmeldungen wurden mit der Gesundheitskampagne 30’000 Wienerinnen und Wiener erreicht.

Sind die stattlichen Waagen ein Überbleibsel aus dem Jahr 2004? Vielleicht wurden so alle abnehmenden Stadtbewohner ständig an ihr Ziel erinnert, bis zum Sommer einige Kilo weniger auf die Waage zu bringen. Komischerweise sind mir die nun unübersehbaren Messgeräte bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht aufgefallen, jetzt springen sie mir an jeder Ecke ins Auge. Wahrscheinlich haben sie nur den geeigneten Zeitpunkt abgewartet. Ich hör sie bereits flüstern: Anita, dir würde ein wenig Sport auch wieder einmal gut tun.