Kultur | 26.02.2007

Was darf es sein, bitte?

Text von Anita Kupper
Das Sortiment der Brötchen in den Bäckereien und Lebensmittelläden von Wien ist gross. Nur: Wie heissen all die verschiedenen Sorten? Teil 11 der Serie Wiena Gschichtln.
Brötchen so weit das Auge reicht. Fotos: Bernhard Braun Doch wie heissen sie bloss? Im Lebensmittelgeschäft kann man sie wenigstens in Ruhe anschauen, beim Bäcker ist das anders.

„Was darf es denn sein, Fräulein?“, fragt mich die nette Dame hinter der Brotauslage. Ich möchte gerne dieses Brötchen dort rechts hinten, aber ich weiss nicht, wie es heisst. Aus den kleinen Schildchen, die die verschiedenen Brot-Sorten beschreiben sollten, werd‘ ich leider auch nicht schlau. Unter den langen mit Salz bestreuten Dingern dort steht „Bio-Sonnenblumen-Laibchen“, was mich verunsichert. Die Dame schaut mich erwartungsvoll an. „Ich hätte gerne einen Kornspitz“, antworte ich ihr, weil ich sie nicht länger warten lassen will und weil das die einzige Bezeichnung ist, die mir spontan in den Sinn kommt. Ich mag Kornspitze zwar, aber ich möchte auch die anderen Sorten ausprobieren.  

Da liegt zum Beispiel die Semmel aus Weissbrot, die in Vorarlberg übrigens der Semmel genannt wird, welche mir jedoch zu langweilig ist. Aufgepeppt als Leberkässemmel oder als Wurstsemmel, wie ich sie aus der Krimiserie „Kommissar Rex“ kenne und wie sie in Wien liebend gern gegessen wird, ist sie nicht mehr so langweilig, aber ich mag weder die Wurst noch den Leberkäs (Fleischkäse). Die Schwester der Semmel nennt sich Steirische Langsemmel und ist, wie der Name schon sagt, länglich. Zu kaufen gibt es die Langsemmel nature oder mit Saatenmischung bestreut.  

Weiter vorne liegt das Croissant oder Kipferl, das zwar meist nicht so gut wie das Schweizer Gipfeli ist, aber – so wird erzählt – von den Wiener Bäckern höchstpersönlich erfunden wurde. Nach dem Sieg gegen die Türken 1683 hätten sie zum Andenken das Teighörnchen in der Form eines türkischen Halbmondes erfunden. Der Name „Croissant“ kommt aus dem Französischen, wo die Mondsichel als „croissant de lune“ bezeichnet wird.  

Neben den Butterzöpfli, die sich hierzulande Flesserl oder Striezerl nennen, präsentieren sich die verschiedensten Arten von Weckerln: Das Sonnenblumenweckerl, das Kürbiskernweckerl oder das Topfenkornweckerl. Die österreichischen Weckerl sind meist aus Vollkornmehl und somit nicht mit unseren Weggli zu verwechseln. Die verschiedenen Sorten sprechen mich sehr an – ich muss mir die Namen merken, um beim nächsten Broteinkauf nicht schon wieder mit einem Kornspitz aus dem Geschäft zu gehen.