Kultur | 12.02.2007

Sohn einer Legende

Sean Lennon musste sich mit zwei Stars als Eltern zurechtfinden, John Lennon und Yoko Ono. Sicherlich keine leichte Sache, vor allem wenn man vor hat im gleichen Business Fuss zu fassen. Trotz allem hat er es geschafft und seinen eigenen Stil gefunden - und dabei war sein Nachname sicher nicht nur ein Hindernis.
Sean Lennon: Keine Kopie des berühmten Vaters.
Bild: www.seanonolennon.com

Viele von denen, die im Musikbusiness den Durchbruch schaffen, stecken schon von klein auf mit einem Fuss im Business. Richard Starkey alias Ringo Starr wiederholte seinem Sohn Zak etliche Male, er solle nicht Drummer werden. Jedoch ohne Erfolg, Zak Starkey erbte die Schattenbesetzung, gibt sich aber als Drummer von The Who und Oasis vollkommen zufrieden. Albert Hammond Junior wusste schon als kleiner Bursche, dass er später einmal denselben Beruf ausüben werde wie sein Vater. Ziggy Marley wurde von der Reggaeszene aufgenommen wie sein weltberühmter Vater und Norah Jones hat die Sitar ihres Vaters Ravi Shankar für ihr heute berühmtes Klavier eingetauscht.

Im Schatten der Eltern

Auch Sean Lennon gehört zu jenen Künstlern, die einen gewissen Namen tragen. Doch reicht das, um Erfolg zu haben? Oder muss doch irgendwo Talent vererbt werden? Und ist solch ein Name überhaupt ein Vorteil?

Unbewusst vergleicht man die Kinder mit deren berühmten Eltern und setzt sie so in deren Schatten. Julian Lennon, John Lennons erster Sohn, den er mit seiner ersten Frau Cynthia Lennon hatte, litt unter dem „the son of“-Titel, weil seine Stimme der des Vaters verwechselbar ähnlich ist. Das lastete schwer auf ihm, hatte er doch mit seinem Vater nie richtig etwas zu tun, und beinahe hätte er seine Leidenschaft zur Musik aufgegeben. Nun ist Julian Lennon aber wieder darüber hinweg und kündigt für das Jahr 2007 sogar ein neues Album an.

Hindernis und Hilfe zugleich

Künstler wie Julian Lennon müssen ihr Können doppelt beweisen. Denn auf der einen Seite finden sich jene Leute, die Fan vom Vater sind und entsprechend eine Coverversion des Originals erwarten, auf der anderen Seite jene, die dem Namen gegenüber skeptisch sind. Fragt sich, ob da ein Künstlername, wie ihn sich heutzutage so viele kreieren, nicht ein Ausweg wäre. Aber da ist ja noch der Stolz, Sohn eines berühmten Vaters zu sein. Es gibt auch noch die angenehmen Seiten. „Ich denke, es ist nicht toll. Es ist ok wenn viele Leute zu meinen Shows kommen, um John Lennons Sohn zu sehen. Die verlassen den Saal als Fans. Das ist natürlich ein Vorteil sein Sohn zu sein… Ich denke es ist eine Herausforderung. Es ist das Schwierigste was ich mit meinem Leben machen muss“, sagte Sean in einem Interview mit dem Depaulia. Er nimmt das Ganze sehr gelassen. Man muss aber zugeben, dass er nicht nur den Namen und das Aussehen geerbt hat, sondern auch das Talent.  

Sean Lennons eigener Stil

Hört man sich Seans Scheibe „Friendly Fire“ an, fängt man nach dem zweiten Song an nachzudenken und fragt sich, von wem er was genau geerbt hat, schliesslich ist Yoko Ono auch eine Künstlerin. Nun, die Stimme erinnert schon mal nicht an seinen Vater, die Musik auch nicht. Viel eher würde man auf Paul McCartneys Sohn tippen, besonders von der Musikalität her. Was aber letztendlich trotzdem auf Lennon Senior zurückschliessen lässt, sind Seans Texte. Melancholisch beschreibt er Beziehungen, die sich meistens zum Schlechten wenden. In „Wait for me“ trauert er einer verlorenen Liebe nach, auf die er sein ganzes Leben lang warten wird. „Life is mostly what, you don’t see anyway, so just look away“ sind die ersten paar Worte aus dem Song „Friendly Fire“ und in „On again and off again“ spricht er über eine Beziehung, die immer wieder bricht und aus der er keinen Ausweg findet. Das einzige Lied, in welchem ein Hauch Optimismus auftaucht, ist „Headlights“. Genau in diesem Song klingt seine Stimme und tönt seine Musik der seines Vaters besonders ähnlich, man wird unvermeidbar in die 70er-Jahre zurückversetzt. Dadurch, dass dies aber der einzige Song auf dem ganzen Album ist, der an den früh gestorbenen John Lennon erinnert, beweist Sean Lennon, dass er seinen eigenen Stil hat.

Am Valentinstag tritt er im Zürcher Abart auf. Wer denkt, die perfekte Kopie seines Vaters sehen zu werden, sollte sich auf etwas ganz anderes gefasst machen.

Wettbewerb – CD’s zu gewinnen


Tink.ch verlost drei Exemplare von Sean Lennons zweitem Album "Friendly Fire". Wer diese Scheibe gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit seinem Namen, seiner Adresse und dem Betreff "lennon" an redaktion@tink.ch Einsendeschluss ist der 20. Februar. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden persönlich benachrichtigt.

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