Kultur | 12.02.2007

Sofareisen mit Endo Anaconda

Text von Milena Geiser
Endo Anacondas Lesung im Bieler Kellertheater Théâtre de Poche war ein voller Erfolg. Die Kolumnen aus seinem Buch "Sofareisen" machen Lust auf mehr. Mit Beginn der Euro 08 ist es soweit und sonst gibt es den Endo ja auch noch singend, als Frontmann von Stiller Has.
Theatralisch in Bewegung: Endo Anaconda während seiner Lesung im Théâtre de Poche in Biel. Fotos: Sabine Burger

Wenn Endo Anaconda nach Biel kommt, ist immer volles Haus. So auch im Théâtre de Poche am vergangenen Freitagabend. Das kleine Kellertheater ist für den Sänger von Stiller Has ein sehr emotionaler Ort: Hier hatte er einen der ersten Auftritte mit seiner Band; die Bieler Altstadt war sein Kinderspielplatz.

Mitten aus dem Leben

Endo Anaconda hat unter dem Titel „Sofareisen“ seine Kolumnen, die er für die Berner Zeitung schrieb, in einem Buch zusammengetragen. Das Gute an Kolumnen sei, sagt Endo, „dass die Leute nachher nicht kommen und fragen, ob ich das alles schon einmal erlebt habe“, wie es manchmal bei seinen Songtexten der Fall sei. Seine Kolumnen sind frech, spritzig und mitten aus dem Leben gegriffen.

Gummibäume, Sofas und anderes

Die Lesung fängt brisant an: Die Wohngemeinschaft mit seinen Zimmerpflanzen wird aufs Korn genommen. Sein adeliger Gummibaum hat sich zu einer richtigen Persönlichkeit entwickelt und ist einfach unverwüstlich. Endo Anaconda, der bekennende Katholik, macht sich über seine militärische Karriere, die nie eine war, ebenso Gedanken, wie über die heutige Jugend, Marsmenschen, seinen Rauchkonsum und die Swiss. Ihr gibt er auch gleich einen neuen Namen, „Lufthänsli“. Und so ist auch die Parallele von Bern nach Berlin gezogen, seine Lieblingsstadt. Nicht zu vergessen, sein berühmt-berüchtigtes Sofa, das allerdings nur eine Kopie und eine Fehlkonstruktion war.  

Der Blick ruft

Das Publikum ist schnell vom Künstler eingenommen und dankt ihm mit heftigem Klatschen und Lachen. Der schweizerisch-österreichische Doppelbürger liest mit einem unverkennbaren Akzent aus seinem Buch und ergänzt mit Anekdoten auf Schweizerdeutsch. „Eigentlich wollte ich gar nie Kolumnen schreiben“, sagt er und kann es selber fast nicht glauben, dass er während der Fussballeuropameisterschaft 08 als Sportkolumnist beim Blick in die Tasten greifen wird.

Uns freuts, denn Kolumnen wie jene aus dem Buch „Sofareisen“ machen eindeutig Lust auf mehr.

Sofareisen


Endo Anacondas Sammlung von Kolumnen aus den Jahren 2001 bis 2005 ist in jeder guten Buchhandlung erhältlich. Erschienen ist das 256 Seiten starke Werk beim Ammann Verlag.

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