Kultur | 12.02.2007

Namen, die man sich merken sollte

Anlässlich der Verleihung, des mit 10'000 Franken dotierten "Swiss Top Awards" veranstaltete DRS 3 ein Konzert im Zürcher Mascotte. Nebst den Gewinnern My Name Is George, die die Jury mit feinstem Britpop überzeugt hatten, stellten auch die Zweitplatzierten Stevans ihr Talent unter Beweis.
Albert den Dekker hat eine tolle Stimme. Fotos: Stefan Urech Stolze Gewinner: Das Quintett My Name Is George mit dem Siegerscheck. Das Konzert im Mascotte liess die Klasse der Siegerband erkennen, vermochte das Publikum aber nicht zu Tanzstürmen hinreissen.

Melodiöser Elektrosound dröhnt durch die Lautsprecher. Während die Bühne langsam im Trockeneisnebel verschwindet, vervollständigt das Scheinwerferlicht die dramatische Szenerie. Es ist angerichtet. Wie Gladiatoren marschieren die fünf Musiker auf die Bühne. Kaum erstummt die eingespielte Musik, legen sie auch schon los. Und das gleich mit einem ihrer absoluten Ohrwürmer, „The Moment“. Die Newcomerband 2006 hat die Kunst des Entertainments voll im Griff.  

Tanzsound alla Sixties

Aber eigentlich lädt allein nur schon der Sound zum Abtanzen ein. Es sei denn, man ist kein Freund der Sixties. Denn gewisse Lieder scheinen direkt aus der Beatles-Ära zu kommen, wobei My Name Is George aber nicht einfach eine Retroband ist. Die Einflüsse aus Grunge und anderen Stilrichtungen sind deutlich auszumachen und lassen die Musik moderner erklingen, ohne dass sie dabei an Authentizität verliert.  

Die popigen Melodien werden dabei oft durch den einzigartigen Sound des Keyboarders unterstützt, vor allem dann, wenn er in die Tasten seiner alten Hammondorgel haut. Kein Wunder kann sich der langhaarige Schlacks neben uns bei „Supermarket“ nicht mehr zurückhalten und sorgt in den vorderen Reihen für den einen oder anderen blauen Fleck. Mit besagtem Grobmotoriker haben wir übrigens schon Wochen zuvor beim Konzert von The Fratellis Bekanntschaft gemacht. Dort ist er aber nicht weiter aufgefallen, da es an den meisten Indie-Konzerten ziemlich wild zu und her geht. Leider ist das an diesem Abend, mal abgesehen vom Auftakt, nicht der Fall. Da kann sich selbst der Frontsänger einen treffenden Kommentar nicht verkneifen: „Ihr seid ja wie ein Kinopublikum“, bemerkt er, als er vergeblich versucht die Leute zum Mittanzen  zu animieren.  

Cüpli-Atmosphäre im Mascotte

Es lag tatsächlich am Publikum, dass die Stimmung im Mascotte nicht gerade berauschend war. Die Konzertbesucher waren fast ausschliesslich von DRS 3 ausgelost worden. Das hat wohl dazu geführt, dass nicht das Kernpublikum, sondern Leute, die einfach aus Prinzip bei Wettbewerben mitmachen, da waren. Kam noch dazu, dass mit der Preisverleihung und dem ganzen Drumherum ein wenig Cüpli-Atmosphäre aufkam.  

Doch war es wohl auch nicht Ziel der Veranstaltung, das Konzert des Jahres steigen zu lassen, sondern den „Swiss Top“-Gewinner 2006 zu küren. Und da haben die Musikredakteure mit der Band My Name is George wahrlich ein goldenes Näschen bewiesen. Denn musikalisch hat die Band das Potential gross raus zu kommen. Die Mischung aus popigen Melodien und kantigem Sound stimmt perfekt. Bestes Beispiel dafür, dass die Musik für eine breitere Masse taugt: Als nach ein paar etwas rockigeren Liedern die Ballade „Take me to the Place“ erklingt, singt das bis anhin zurückhaltende Mädchen hinter uns das Lied von Anfang bis Ende mit.  

Auch Stevans zeigen Klasse

Die Winterthurer Band My Name Is George ist momentan wohl das Beste was die Schweizer Indie-Szene zu bieten hat. Dass es in der Schweiz aber noch mehr Talente gibt, bewies der Auftritt der Vorband an diesem Abend. Die Genfer Rockgruppe Stevans, Zweitplatzierte beim „Swiss Top Award“, hätten den Titel genau so gut gewinnen können. Obwohl sie nur zu Dritt sind, hat ihr Sound eine enorme Klangkraft, was nicht zuletzt am unglaublich starken Schlagzeuger liegt. Ihr Sound erinnert stark an The Killers und kommt sogar an deren Qualität heran. My Name is George und Stevans sind Namen, die man sich hierzulande merken sollte. Wir sind auf jeden Fall schon mal gespannt auf das nächste Album. Und wie wird wohl der nächste „Swiss Top“- Jahrgang schmecken?

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