Kultur | 19.02.2007

Multikulturelle Ballnacht

Text von Anita Kupper
Fasnachtszeit bedeutet in Wien Ballzeit. Neben dem berühmten Wiener Opernball, der letzten Donnerstag stattfand, wurde Freitagnacht im Rathaus am 13. Wiener Flüchtlingsball gefeiert. Die rauschende Ballnacht bringt Menschen aus aller Welt zum Musizieren und Tanzen. Teil 10 der Serie Wiena Gschichtln
Bis die Füsse brennen: Tanzen zu Walzerklängen und anderen Rhythmen. Fotos: Bernhard Braun Festlich: Der grosse Saal im Wiener Rathaus. Durstlöscher: Shantel verteilt Wodka ans Publikum. Fotos: Anita Kupper Stimmgewaltig: Shantel in Festlaune. Vesna Petkovic: Sängerin des Bucovina Club Orkestar.

Schon als wir die Feststiege mit dem dunkelroten Teppich hinaufgingen, fühlte ich mich wie in ein Märchen versetzt, und als wir den grossen Saal des Wiener Rathauses betraten, blieb mir der Atem weg. Das Rathaus, von dem ich in früheren Gschichtln bereits geschwärmt hatte, zog mich mit seiner Innenarchitektur in seinen Bann: Der Festsaal beeindruckt vor allem durch seine Höhe, aber auch durch die liebevollen Verzierungen im neugotischen Stil. Durch die stattlichen Fenster kann das Burgtheater vis-à -vis bestaunt werden und die prachtvollen Kronleuchter geben dem Raum eine angenehme Wärme.

Ich habe die Atmosphäre an diesem aussergewöhnlichen Ball sehr genossen. Im Publikum fanden sich eleganten Damen in wallenden Ballkleidern, Gewänder aus afrikanischen Stoffen, junge Erwachsene in aufwändigen Kostümen oder mit Dreadlocks und bequemen Jeans. Menschen aus aller Welt tanzten zu Musik aus aller Welt. Im Festsaal und im Staatsenatssaal fanden gleichzeitig mehrere Konzerte statt, während im Grauen Salon verschiedene DJs die multikulturelle Masse zum Schwitzen brachten. Unter anderem musizierten in dieser Nacht folgende Künstlerinnen und Künstler: Die kubanische Sängerin Milagros Piñera mit Iván Ruiz Machado, Russkaja, Fatima Spar & die Freedom Fries, Juanita und die Chili Cheeps sowie Denk. Zwischen den Konzerten ertönte immer wieder der klassische Wiener Walzer aus den Lautsprechern. Ein Stück, das sich perfekt in die kulturelle Vielfalt eingliederte und gern betanzt wurde.    

Auch Shantel aus Frankfurt begeisterte mit seinem Bukovina Club Orkestra die Tanzbeine. Die Musik klingt, laut Programmheft, nach Osteuropa, mit Klezmer- und Zigeunertönen. Der publikumsnahe Shantel wird im April, als erster Deutscher, mit dem renommierten BBC Award for World Music 2006 ausgezeichnet. Sein Können hat er mit seiner achtköpfigen Band auch am 13. Flüchtlingsball bewiesen. Zu deren Gipsy-Sound wurde getanzt bis die Füsse schmerzten und gesungen bis die Kehlen trocken waren. Um dem entgegenzuwirken, verteilte Shantel zwischen seinen Liedern zwei Flaschen „Duty-Free-Vodka from Istanbul“ in Plastikbechern an sein Publikum.  

Später bewegten wir uns zu den rhythmischen Klängen von Insingizi aus Zimbabwe und Haja Madagascar. Doch nach dem letzen Trommelschlag wankten auch wir mit schmerzenden Füssen durch die leeren Strassen nach Hause und sanken um halb fünf in der Früh ins wohlverdiente Bett.

Wiener Flüchtlingsball


Der Wiener Flüchtlingsball wird vom Projekt Integrationshaus organisiert. Die gesamten Einnahmen des Festes kommen den Flüchtlingsprojekten im Integrationshaus zu Gute. Auch die Stadt Wien beteiligt sich und stellt dem Flüchtlingsball jedes Jahr die Räumlichkeiten des Rathauses zur Verfügung.

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