Kultur | 12.02.2007

„Je bekannter, desto besser“

Das Winterthurer Quintett My Name Is George ist "Swiss Top"-Sieger 2006. Tink.ch traf die Band kurz vor ihrem Auftritt im Backstagebereich des Mascotte. Bassist Stefan Traxler über Namenfindung, Zukunftspläne und die Schweizer Indie-Szene.
My Name is George sind die "Swiss Top"-Gewinner 2006: Bassist Stefan Traxler (vorne) und Matthias Kräutli, Matete, der Schlagzeuger. Fotos: Stefan Urech. Und hier die anderen drei: Gitarrist Philip Harrison, Sänger Albert Den Dekker und der Mann an den Tasten, Dani Gisler (von links). Stefan Traxler im Interview mit Reporter Philip Wiederkehr: "Wir fühlen uns nicht gekränkt, nicht die hippsten zu sein. Je bekannter, desto besser."

Heisst du George?

Nein, mein Name ist Stefan. Aber auch sonst in der Band heisst niemand George.

Wie seid ihr auf diesen unkonventionellen Bandnamen gekommen?

Tja, irgendwann kommt der Punkt, wo man als Band einen Namen braucht. Mit der Zeit wird man bei dieser Suche so verzweifelt, dass dann halt My Name Is George zum Bandnamen wird.  

In dem Fall ist der Name einfach aus Blödsinn entstanden?

Ja genau, du sagst es.  

Mit dem Titelbericht in der letzten 20-Minuten-Week seid ihr nun wohl definitiv schweizweit bekannt. Spürt ihr was davon?

Wir merken, dass seit etwa einem halben Jahr die Leute wirklich wegen uns an die Konzerte kommen, und das in der ganzen Schweiz. Mit dem Gewinn des DRS 3 „Swiss Top Award“ ist jetzt natürlich auch die Presse viel aufmerksamer geworden. Es ist schon sehr viel los zur Zeit.  

Was macht ihr eigentlich mit den 10 000 Franken Preisgeld?

Wir können es uns jetzt besser gehen lassen. Wir sind schon mal zusammen bowlen gegangen, demnächst steht ein gemeinsamer Schwimmbadbesuch an (lacht)…  


…das tönt ja toll, was ihr damit alles vorhabt.

Finde ich auch (lacht). Nein, Spass beiseite. Wir werden vorderhand in Bandroom-Equipment investieren, damit es uns dort ein bisschen besser geht. Für einen Videoclip oder eine neue CD werden wir das Geld sicher nicht ausgeben. Es ist ja nicht so, dass die zehntausend Franken in zwei Monaten weg sein müssen.  

Mit den Erfolgen von Franz Ferdinand entstand ein ziemlicher Hype um die ganze Indieszene. Spürt ihr diesen Trend auch in der Schweiz?

Man spürt es sicherlich an den vielen gut besuchten Konzerten. Aber auch am Radio wird immer häufiger Musik aus dem Indibereich gespielt. Es war für uns wohl ein Glücksfall, dass wir genau in diese Zeit hinein gekommen sind.  

Dann seid ihr einfach auf diese Welle aufgesprungen?

Nicht unbedingt. Wir haben ja auch schon viel früher in anderen Bands diesen retro-angehauchten Sound gespielt.  

Werdet ihr in der Schweiz eine Vorreiterrolle wie damals Franz Ferdinand in Grossbritannien übernehmen?

Unsere Möglichkeiten sind sicherlich nicht so gross. Wir versuchen natürlich an Konzerten Supportbands vorzuschlagen, die uns gefallen.  

Welche Musik gefällt euch denn?

Wir sind da ziemlich offen. Natürlich mögen wir Indiebands, wie zum Beispiel die Arctic Monkeys. Hin und wieder höre ich aber auch mal House und anderen Elektrosound.  


Ihr seid bereits durch Deutschland und England getourt. Ist es euer Ziel euch international zu etablieren?

Das ist längerfristig sicher unser Ziel. Vorderhand wollen wir vor allem mal in Deutschland Fuss fassen.  

Hat man es da als Schweizer Band schwieriger?

Wir sind zu einem gewissen Grad Exoten. Das kann sowohl Vor- wie auch Nachteile haben. In Deutschland hat es natürlich bereits hunderte Bands, die sich konkurrenzieren.  


Findet ein Verdrängungskampf statt?

In der Schweiz eigentlich nicht. Im Gegenteil, man kennt sich und hilft sich gegenseitig. Das finde ich eigentlich sehr cool und angenehm.  


Verkommt Indie eines Tages zum Mainstream, wie es beim Hiphop der Fall war?

Das glaube ich nicht. Der Vergleich mit Grunge ist wohl eher angebracht. Was unsere Musik betrifft, mach ich mir da aber eh gar keine Gedanken. Je bekannter, desto besser.

Habt ihr gar nicht das Verlangen anders zu sein als die Masse?

Wir wollten eigentlich schon immer Musik für eine breitere Masse machen, darum fühlen wir uns auch nicht gekränkt, wenn wir nicht die hippsten und die grössten Aussenseiter sind.  

Wie sehen eure Pläne in nächster Zeit aus?

Wir machen erst mal eine Gig-Pause und schreiben neue Songs. Und dann ist unser Ziel, in der Schweiz grössere Konzerte zu geben. Im Moment sind wir gerade für Open Air-Auftritte am verhandeln. Wir hoffen, dass alles klappt und wir dann auf dem Gurten oder in St. Gallen auftreten können.  

Was macht ihr eigentlich sonst noch so neben der Musik?

Ich bin Softwareentwickler und der einzige von uns der hundert Prozent arbeitet. Harrison arbeitet irgendwas in der Industrie. Dann haben wir noch einen Geographie-Studenten. Matete ist eigentlich der Einzige, der die Musik zum Beruf macht. Er kann jetzt quasi seinen Traum leben.  

Möchtest du auch ein Mal voll auf die Karte Musik setzen?

Das ist in den nächsten zwei Jahren eher unrealistisch. Es gibt nur sehr wenige Schweizer Bands, die von der Musik leben können. Aber klar, es ist natürlich der Traum eines jeden Musikers, denke ich.

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