Gesellschaft | 05.02.2007

Der älteste Nationalpark der Alpen

Der knapp 92 Jahre alte Schweizer Nationalpark ist etwa so gross wie der Halbkanton Appenzell Innerrhoden. In ihm finden Gemsen, Murmeltiere, Rothirsche, Steinadler und viele Insekten ideale Lebensbedingungen vor.
Natur pur im Schweizer Nationalpark. Fotos: Alexander Debrunner

Der Schweizer Nationalpark liegt im Engadin an der Grenze zu Italien. Die Gemeinde Zernez gilt als Ausgangspunkt für Wanderungen durch den Park, der als ältester Nationalpark der Alpen gilt. Er wurde am 1. August 1914 von Fritz und Paul Sarasin, Carl Schröter und dem ersten Parkwächter Steivan Brunies aufgrund der zunehmenden Abholzung der Bergwälder gegründet. Heute entwickelt sich die Natur im Schutzgebiet ohne den Einfluss des Menschen. Keine Tiere werden gejagt, keine Bäume geschlagen, keine Wiesen gemäht. Besuchern des Parks ist es verboten, die markierten Wege zu verlassen, Feuer zu machen, zu jagen, zu fischen, zu biwakieren und Pflanzen, oder Steine mitzunehmen.

Die Gesamtgrösse des Parks beträgt 173 km², somit ist er gleichgross wie der Halbkanton Appenzell Innerrhoden. Er erstreckt sich ab einer Höhe von 1400 Metern aufwärts, die höchste Erhebung ist mit einer Höhe von 3174 Metern der Piz Pisoc. Der Park besteht zu 28 Prozent aus Wald, hauptsächlich Nadelwald, zu 21 Prozent aus alpinem Rasen (Alpenpflanzen), und 51 Prozent sind vegetationsfrei (Geröll, Fels, und Hochgebirge). Das Engadin ermöglicht ideale Voraussetzungen für ein Reservat. Auf 80 Kilometern Wanderwegen können jährlich 150 000 Besuchern einen Einblick in die wilde Natur wagen. An der Grenze zu Italien schneidet sich der Park mit dem italienischen Nationalpark Stilfserjoch. Nur die Ofenpassstrasse, die sich auf zehn Kilometern durch den Park schlängelt, stört die Ruhe der Natur.

Ideal sind diese Bedingungen für Gemsen, Murmeltiere, Rothirsche, Steinadler, viele Insekten (1400 Schmetterlingsarten) und andere Tiere. Mit Bären, Luchsen und Wölfen wird in Zukunft wieder gerechnet. Und nun, dank eines erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekts, segelt auch wieder ein Vogel, der über 50 Jahre lang ausgestorben war, durch die Schweizer Lüfte: Der Bartgeier (siehe mehr zum Thema).

Der Eintritt in den Nationalpark ist gratis. Er ist mit öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln erreichbar. Ausgangspunkt ist Zernez. Es gibt zwei Übernachtungsmöglichkeiten: Das Blockhaus „Chamanna Cluozza“ liegt im Val Cluozza und kann nur zu Fuss, in etwa drei Stunden, erreicht werden. Mit dem Postauto oder mit dem Privatwagen gelangt man zum Hotel „Il Fuorn“ an der Ofenpassstrasse, welche den Nationalpark durchquert.

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