Kultur | 15.02.2007

Demokratischer Theaterspass

Gestern Mittwoch öffnete das Miller's Studio in Zürich aus ganz besonderem Anlass seine Tore. Das sechste internationale Theatersportfestival wurde mit einem abendfüllenden Programm eröffnet. Den Besuchern wird das noch lange in Erinnerung bleiben.
Die Zuschauenden wählen ihre Lieblinge.
Bild: Melanie Pfändler Das Eidgenössische Improvisationstheater aus Zürich. Fotos: www.theatersportfestival.ch Teater Narobov aus dem slowenischen Ljubljana. Belleville aus Bologna. www.festival.theatersport.nl

Vor wenigen Jahren waren Begriffe wie Improvisationstheater und Theatersport noch Teil eines Fachjargons, das nur wenigen Insidern eigen war. Verblüffend eigentlich, ist das Prinzip doch ebenso einfach wie bestechend: Zwei Theatergruppen treten gegeneinander an, indem sie mit ihrer Darbietung um die Gunst des Publikums werben. Klingt einfach? Der Haken an der Sache ist bloss, dass keiner der Akteure ahnt, was gleich auf ihn zukommt. Sämtliche Szenen werden aus der Luft gegriffen und entstehen vor den Augen des Publikums, das am Ende als wertende Jury fungiert. Auf dem internationalen Parkett hat diese spezielle Kunstform schon lange Kultstatus erreicht. So füllen die Matches in ihrem angeblichen Ursprungsland Kanada ganze Stadien. Dass Theatersport mittlerweile auch in unseren Breitengraden kein Geheimtipp mehr ist, beweist das multikulturelle Potpourri am diesjährigen Festival.  

Hochkarätiges Ensemble

Vier Teams aus Italien, Slowenien, Deutschland und der Schweiz versammeln sich bis Samstagabend zum heiteren Kräftemessen. Die Veranstalter des Anlasses, das Eidgenössische Improvisationstheater (EIT), gelten als erste Improtheatergruppe der Schweiz und beförderten sich an der letztjährigen Schweizermeisterschaft bis ganz oben aufs Podest. Die Capital Legends sind eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus der deutschen Haupstadt. Die Berliner schafften es bereits am ersten Abend, den Lokalpatriotismus des Freiburger Schiedsrichters zu entfachen, was zu unterhaltsamen Sticheleien führte. Das Team aus Bologna stellte seine Improvisationskünste schon im Vorfeld des Festivals unter Beweis: Belleville sprang spontan für eine Gruppe aus Strassburg ein, die im letzten Moment absagte. Das vierte Team verleiht dem Festival endgültig den letzten Schliff: Teater Narobov aus Ljubljana setzt in der internationalen Improszene immer wieder neue Massstäbe. Die Slowenen kehrten soeben von ihrer erfolgreichen USA-Tournee zurück.  

Grenzen spielerisch überbrückt

Manch einer würde vermuten, dass diese kulturelle Vielfältigkeit auch Schwierigkeiten nach sich zieht. Doch die Schauspieler brachten die sprachlichen Barrikaden mühelos zum Einstürzen, indem sie manche Begegnungen auf Englisch absolvierten oder gar ihre Muttersprachen wild kombinierten. Schwer zu sagen, was das Publikum mehr zum Lachen brachte: Die unzähligen Pointen oder die Englischkenntnisse des Moderators und Schiedsrichters Christian Sauter. Dieser bewies während des ganzen Abends, dass er den Schauspielern in Sachen Komik keinesfalls hinterherhinkt. Mit seinem einnehmenden Charme vermochte er zu verhindern, dass das fröhliche Durcheinander aus dem Ruder lief.  

Sprühende Fantasie

Die Palette der dargebotenen Szenen ist unmöglich zusammenzufassen. Die Bühne wurde unter anderem zum Schauplatz eines Kettensägenmordes, eines Stuhlfabrikmusicals, einer Music-Star-Castingshow und mehrerer Herzinfarkte. Sogar der erste Kuss eines anwesenden Liebespaars wurde detailgetreu nachgestellt, stets begleitet von der passenden Live-Musik. Dementsprechend schwer fiel es dem Publikum, einen Sieger zu küren. Doch wie bei einer echten Sportveranstaltung gilt natürlich auch hier: Dabei sein ist alles. Das gilt auch für die Zuschauer. Wer zu jenen Glücklichen zählt, die noch eines der heiss begehrten Tickets ergattern können, darf sich auf einen unvergesslichen Abend freuen.

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