Politik | 15.02.2007

Augen auf

Text von Nora Jakob
Obwohl ich erst im ersten Semester meines Studiums bin, arbeite ich schon jetzt hart an meiner beruflichen Perspektive. Und ich bin überzeugt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich halte stetig die Augen nach Möglichkeiten offen, wie ich mich weiterbilden kann. Trotzdem mache in erster Linie das, was mir gefällt. Protokoll:
Svenja Dietze, 19 Jahre, Bremerhaven.

Ich studiere Islamwissenschaften mit den Nebenfächern Altorientalistik und Indogermanistik. In meinem späteren Berufsleben möchte ich in jedem Fall etwas mit diesen Themen zu tun haben. Deshalb versuche ich mich momentan wirtschaftlich zu orientieren. Mein Traum wäre es in einer Führungsposition mit dem Schwerpunkt Naher und Mittlerer Osten zu arbeiten. Das bleibt hoffentlich keine Utopie. Aber es ist meine Vision, nein, eigentlich ist es mein Ziel. Dennoch habe ich Angst, dass ich es nicht schaffe Fuss zu fassen, oder dass ich die Anforderungen für den Job, der mir Spass macht, nicht erfüllen kann.  

Denn ich möchte einen Beruf ausüben, der mich erfüllt und den ich gleichzeitig auch voll und ganz ausfüllen kann. Für mich gehört zu meinem Berufswunsch auch ein regelmässiger Aufenthalt im Ausland, wo ich dann lebe und arbeite. Aber obwohl ich gerne andere Kulturkreise kennen lerne, kommt es für mich nicht in Frage Deutschland dauerhaft zu verlassen. In Deutschland möchte ich bleiben. Schliesslich ist hier meine Heimat. Hier ist meine Familie, hier sind meine Freunde…  

Und das obwohl ich alles andere als optimistisch in die Zukunft Deutschlands blicke. Mit der Grossen Koalition bin ich unzufrieden, weil ich das Gefühl nicht los werde, dass sich die Politiker mit Dingen aufhalten, die zwar Schlagzeilen machen, aber kaum zum Wohl Deutschlands beitragen. Und meiner Meinung nach färbt dieses, nennen wir es Theater, auf die Jugend ab. Und wie sollen die dann in Zukunft Deutschland repräsentieren?  

Die Schweiz ist multikulturell. Das habe ich lange nicht geglaubt, bis ich in Damaskus in Syrien zwei Schweizerinnen traf, die mir von der Schweizer Multikulti-Gesellschaft erzählt haben. Das hat mich beeindruckt. Und trotzdem kann ich mir nicht vorstellen in der Schweiz zu leben, weil ich eben Deutsche und nicht Schweizerin bin.