05.02.2007

Auf den Standort kommt es an

Text von Alain Bopp
Als erste Veranstaltung des Ökumenischen Zyklus der reformierten und katholischen Kirchen des Embrachertales fand am Montag, den 15. Januar 2007, im katholischen Kirchenzentrum St. Petrus in Embrach, ein Abend über den eigenen Standpunkt und die Ungleichheit auf der Welt statt.
Wo stehe ich? Fotos: Johannes Dietschi Kontinente gezeichnet Gemeinsame Runde Ewig mahnend - im guten Sinne.

Im ökumenischen Sinne führte der reformierte Pfarrer die Gäste durch den Abend und hielt eine Einleitungsrede über die globalen Zusammenhänge der einzelnen lokalen Elende. Nachdem eine kontinentale Kuchenverteilung mit den rund fünfzig teilnehmenden Personen in einem symbolischen Akt vollzogen wurde, wechselten diese in einen anderen Saal und lösten sich da in vier Diskussionsgruppen auf. Bei Gedanken über das globale und lokale Elend empfanden die einzelnen Gruppen Angst, Unmut und Ohnmacht. Gegenüber dieser Machtlosigkeit oder Hilflosigkeit sei man als Konsument auch nicht ganz unverantwortlich.  

Konsumentenschutz

Produktionen müssen aufrecht erhalten werden, und die Wirtschaft bleibt die treibende Kraft. Allerdings, wie ein älterer Teilnehmer meinte, sei es führ ihn beelendend Teil dieser Konsumkultur zu sein, wenn eine Migros 100’000 Stück Fasnachtschüechli an einem Tag produziere, und dies auch, wenn sie nicht konsumiert werden, während an anderen Orten Nahrungsmangel herrsche. Eine Dame bemerkte, dass die Bürger im Wohlstand des Schweizer Lebensstandards diesen als selbstverständlich betrachten, was er offensichtlich nicht ist. Die hiesige Bevölkerung sei verwöhnt in ihrer Konsum- und Spasskultur, und nehme unbewusst an dieser Teil.  


Was man denn ändern könnte, wenn man die Macht dazu hätte?

Die Fliegerei, Schifffahrt oder Automobilindustrie verbieten könnte man. Aber auch wenn der unwahrscheinliche Fall eintreffen sollte, und die menschliche Vernunft sich in universale Belange einschleicht, so wird die Natur doch alle menschlichen Zivilisationen – besonders mit ihren ausgeprägten menschlichen Verhalten – einholen.

Naturkatastrophen und makrokosmische, klimatische Veränderungen bis zum Unerträglichen sind das eine. Bevor das Ende der Rohölerschöpfung endgültig zum Umdenken zwingen müsste, träten unweigerlich die Folgen der vorgezogenen Steigerung des Treibhauseffektes ins Bewusstsein, welche die Ölfrage in den Hintergrund geraten lassen.

Politische, staatliche oder überstaatliche Macht oder Kontrolle der Privatwirtschaft ist das andere. Beziehungsweise die Handhabung der staatlichen Autorität. So kamen Ideen ins Spiel, gesetzlich Produkte zu verbieten, die importiert werden und die nicht erlaubt wären, wenn sie in gleicher Weise im Inland hergestellt würden. Oder Zollerhöhungen auf importierte Ware zu erlassen, welche auch im Inland produziert werde und da kaum Abnehmer finde. Von einer Internationalisierung des Konsumgüterhandels zu einem ethisch kontrollierten nationalen Waren- und Arbeitsmarkt war die Rede. Allerdings müsse bei hoch besteuerter Ware darauf geachtet werden, dass diese keine Luxusware werde, die nur jene erwerben können, die das Geld besitzen. In alter Tradition wäre eine saisonale Nahrungsmittelkultur zu empfehlen. Die westliche Kultur, falls von einer solchen gesprochen werden darf, entwickle sich zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft.  

Garantie?

Und wer garantiert uns, dass unsere hohen Zivilisationen nicht in den Zustand eines Entwicklungslandes zurückfallen? Auch hätte der Mensch eine Würde. Und humanitäres Engagement aus Europa basiert vorwiegend auf privater Natur. Die ungerechte Verteilung der Mittel und das Schreien nach Lösungen seien erklärt in einer mangelhaften Verbreitung an Wissen und Bildung, und deren Investitionen und Innovationen. Der Schlüssel: exportierende Bildung. Ein älterer Herr erzählte, ihm falle in letzter Zeit immer öfter auf, dass Jugendliche unterwegs sind, die ein neues Denken besitzen und das Ganze aus einer völlig anderen Sicht sähen. Ob durch die schulische Bildung, fragte eine Dame. Er glaube, teilweise, aber vor allem durch die eigene, selbst erarbeitete Bildung. Diese gehegte Hoffnung in die wirksame Aktivität und Originalität der Jugend wirkte fast als ein verzweifelter Schrei aus einer älteren Generation, die das kommende und zwangsläufig folgende Ende der sozialen und natürlichen Strukturen beginnt zu erfassen, und nach dem alten Spruch, die Hoffnungen an die Kinder hängen, sofern diese sich nicht daran erhängen. Auch wenn ich Gefahr laufe, mich in einer gewagten Formulierung zu verirren: Die Hilflosigkeit macht sich in allen Generationen breit.  


Bildung als Schlüssel  

Ein Teilnehmer erzählt, die Kuchenteilung hätte er als Asiate belastend empfunden. Eine Frau sicherte sich in ihrem Glauben, dass alle politischen Veränderungen einen Schritt nach vorn und zwei zurück seien. Aus welchen Entwicklungen denn bestärkte Hoffnung oder bestätigter Pessimismus ersichtlich sind? Die Entwicklung in Asien sei positiv, auch wenn der fehlende Naturschutz schwerwiegende Probleme erhalte; die globale Machtverschiebung in Richtung Hände und Füsse der asiatischen Staatengemeinschaften sei zu begrüssen. Neben den arabischen und jüdischen Gesellschaften überbieten sich die Übrigen in substanzieller Abhängigkeit ihrer selbst definierten Bedürfnisse. Die dank Forschung erbrachte Erkenntnis, dass PET-Flaschen unter Sonneneinstrahlung Wasser entkeimend verwendbar sind, auch wenn das Wasser danach ziemlich gleich wie vorher aussehe, sei eine hoffnungsvolle, umsetzungswürdige Idee. Der Friedensnobelpreisträger mit den Bankgeschäften in Bangladesch ist in einer kurzen Lobrede gepriesen worden.

Nach der Präsentation der Ergebnisse aus den einzelnen Diskussionsgruppen sind die vorwiegend älteren Teilnehmer zu einem kleinen Apéro geführt worden. Auf die Frage, ob er an ein Streben zum Idealen hin glaube, antwortete der reformierte Pfarrer, dass man dies müsse. Der katholische Pfarrer nickte schweigend. 

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