Gesellschaft | 01.01.2007

Stress kennt ein Kiwi nicht

Wenn von Kiwi die Rede ist, denkt man erst mal an diese runde, grüne, saftige Frucht. Doch bevor euch das Wasser im Munde zusammen läuft, besser nochmals nachfragen, was denn nun genau gemeint ist. In Neuseeland gibt es nämlich drei Arten Kiwis und nicht alle sind essbar.
Exportprodukt: Die chinesische Stachelbeere, genannt Kiwi.
Bild: aboutpixel.de Laufvogel: Der Kiwi stochert gern mit seinem Schnabel im Boden nach Würmern. wikimedia.org Einheimischer: Geschlossene Schuhe kommen selten an seine Füsse. Anina Peter

Kiwi Nummer Eins ist eben die Frucht. Obwohl ursprünglich aus China stammend, hat sie sich zur neuseeländischen Nationalfrucht entwickelt. Schliesselich hat sie auch hier ihren bekanntesten Namen erhalten – die Kiwifrucht heisst eigentlich chinesische Stachelbeere. Da sich dies aber nicht so gut verkauft und Neuseeland schliesslich keine chinesischen Produkte auf den Markt bringen will, heisst die Stachelbeere halt eben Kiwi. 80 Prozent der grünen Riesenbeeren kommen heutzutage von den beiden Inseln und werden in die ganze Welt exportiert. Dieser Export hat in Zusammenhang mit der Klimaerwärmung jüngst heftige Diskussionen in Neuseeland ausgelöst. Die Regierung ist nun daran, Massnahmen herauszutüfteln, wie man Kiwis am umweltschonendsten auf den internationalen Markt bringen kann. Hoffentlich erfolgreich, denn es wäre doch schade, würden sie in unserem Fruchtsalat fehlen.


Kiwi kann nicht fliegen
Kiwi Nummer Zwei ist alles andere als ein fruchtiger Leckerbissen, sondern der
Nationalvogel Neuseelands. Vogel? Das sagt auf jeden Fall der Biologe. Auf den
ersten Blick ist aber schwer zu sagen, in welche Gruppe man das Tierchen einordnen soll. Der gute Kiwi Bird kann nämlich gar nicht fliegen. Seine Flügel sind kurze Stummelchen und die Federn so flauschig, dass man ihn schnell mal mit einem Teddybären verwechselt.

Der Kiwi gehört zu den Laufvögeln und ist mit seiner Grösse von knapp über 30 Zentimetern der kleinste in dieser Gruppe. Wer einen der Vögel aufspüren will, kann sich ganz einfach auf die Essgewohnheiten des Kiwis verlassen. Dieser stochert auf der Suche nach Insekten und Würmern mit seinem Schnabel im Boden herum und hinterlässt so tiefe Löcher. Trotzdem könnte das Beobachten schwierig werden, denn der Kiwi verbirgt sich tagsüber in Höhlen und im Dickicht. Erst bei völliger Dunkelheit kommt er hervor und durchkreuzt sein Revier mit Hilfe seines herausragenden Geruchssinns und Gehörs.

Leider ist der Kiwivogel eine der gefährdeten Tierarten. Neuseeland bemüht sich dem Abhilfe zu schaffen, indem riesige Schutzreviere angelegt und Vögel auf kleinen Insel angesiedelt werden.

Kiwi mag Alkohol und Toast mit Vegimite
Kiwi Nummer Drei ist ebenfalls nachtaktiv, aber um einiges einfacher zu
entdecken, als der gleichnamige Vogel. Die Rede ist von den menschlichen
Bewohnern Neuseelands. Wer seit mehreren Generationen auf einer der Inseln lebt, darf sich mit Stolz Kiwi nennen. Und dies tun die Neuseeländer gerne und oft.

Der typische Kiwi lebt in einem selbst zusammengebastelten oder aufgestellten
Häusschen, hat meist zwei, drei Autos für die Familie, ein Boot in der Garage
und ein Trampolin im Garten. Stress kennt ein Kiwi nicht, er geniesst das
Leben, sei es nun mit Freunden im Garten, auf dem Boot oder im Pub. Auch das Pub wird unter den Fittichen der Kiwis schnell einmal zum Nachtclub, es wird getanzt sobald irgendwo Musik zu hören ist, natürlich nicht ohne vorherigen Bierkonsum. Denn Alkohol mag der Kiwi, oft und viel, was dem ausländischen Pubbesucher das Verstehen des neuseeländischen Englisch nicht gerade erleichtert. Am Morgen knabbert der Kiwi gerne an einem Toast mit Vegimite, einer braunen Paste, die zwar wie Schokolade aussieht, aber schrecklicher schmeckt als Maggisosse. Ausserdem zieht es ein echter Kiwi vor, in Flip Flops oder barfuss herumzulaufen. Geschlossene Schuhe kommen selten an seine Füsse. Einige lustige Exemplare sieht man ab und zu in den Socken durch die Strassen schlendern.

Auf jeden Fall sind die Kiwis angenehme Lebensgenossen, entspannt und doch aktiv, gastfreundlich und immer für ein Schwätzchen bereit.