Gesellschaft | 08.01.2007

Stinkende Teiche mitten in der Stadt

Text von Anina Peter
Kaum zu glauben: Es gibt einen Ort, der schlimmer stinkt, als die gesamte Kanalisation von Zürich. Rotorua, eine Stadt im Zentrum der Nordinsel Neuseelands, ist durchlöchert von Schwefelgasquellen und aktiven Geysiren. Sie alle versprühen einen wohligen Faule-Eier-Geruch.
In Rotorua dampft und spuckt es aus allen Löchern. Fotos: Anina Peter Millionen von Besuchern kommen, um sich einnebeln zu lassen. Die Fontänen der Geysire erreichen Höhen von bis zu 20 Metern. Heisser Teich im Rotoruapark. Schöne Formen, ätzender Geruch: Ein prachtvoll blubberndes Schwefelschlammloch.

Wer auf der Suche nach Rotorua ist, braucht ganz einfach seiner Nase zu folgen. Schon auf den ersten 100 Metern auf der Hauptstrasse durch die Stadt empfiehlt es sich, die Autofenster zu schliessen. Für einmal sind es nicht die Abgase und Gifte der menschlichen Zivilisation, die hier die Luft verpesten, sondern die Natur in Aktion. Rotorua ist auf einem Vulkanplateau aufgebaut. Geothermale Aktivitäten unter dem Erdboden vermiesen den Bewohnern regelrecht den Duft ihrer Rosenbüsche. In mehreren Gebieten der Stadt sind ganze Felder von dampfenden Schwefellöchern und aktiven Geysiren zu finden. Dampffontänen prägen das Stadtbild und hinterlassen beim Besucher einen etwas spukigen Eindruck.

Heisses Spritzspektakel

In den meisten Gebieten mit aktiven Vulkanen sind Geysire zu finden. Unterirdische Wasserkanäle speisen die spuckenden Löcher. Auf dem Weg nach oben wird das Wasser von Magma aufgeheizt und kann bei der Eruption bis zu 100 Grad Celsius heiss sein. Die Fontänen der aktiven Geysire um Rotorua erreichen Höhen von 20 Metern und mehrere von ihnen sorgen für Spritz-Spektakel im 15-Minuten-Takt. Aufgrund der Hitze im Untergrund haben sich an vielen Orten siedende Schlamm- und Schwefelschwimmbecken an die Oberfläche durchgeschmolzen und blubbern zufrieden vor sich hin. Diese stinkigen Riesenkochtöpfe zogen schon vor mehr als hundert Jahren ganze Menschenmassen an – dazumals keine Touristen, sondern Krieger.

Schmorende Feinde

Rotorua wurde anfangs 1800 von herumziehenden Maori gegründet. Der Stamm nutzte die Geysire und Schwefellöcher als strategische Festung und Abwehr gegen Feinde. Kamen ungewollte Besucher oder Eroberer, lockten und jagten sie diese ganz einfach in eine der heissen Quellen und liessen sie dort wortwörtlich schmoren – bis zum Tod. Jahrzehnte später entdeckten auch die europäischen Einwanderer die Attraktivität Rotoruas. Die Stadt wurde zum Kur- und Heilort erkoren. Bis heute bringen Busse ganz Horden von Toursiten in die „Stinkstadt“.

Blubbernde Schlummermusik

Wenn auch stinkig, eindrücklich ist der Ort auf jeden Fall. Wo kann man schon mitten in der Stadt durch einen Park mit unzähligen dampfenden Teichen spazieren? Ohne Geruchssinn wäre dies der ideale Platz für einen romantischen Spaziergang mit dem Liebsten. Wer aber ohne Schuhe unterwegs ist, oder sehr dünne Sohlen unter den Füssen hat, sollte aufpassen: An manchen Stellen ist der Boden extrem heiss und es ist schade, wenn man das ganze Szenario nur rennend und tänzelnd bestaunen kann. Diese natürliche Bodenheizung wissen auch die Touristenställe zu nützen. Wer mit Zelt und Schlafsack unterwegs ist, wird hier ein wohlig warmes Bett haben. Die Campingplätze wurden nämlich auf heissen Kanälen platziert. Für heisse Köpfe unter den Zeltblachen ist somit gesorgt, ebenso für die Schlummermusik. Das Blubbern der nahegelegenen Schlammlöcher sorgt für die richtige Stimmung und lässt den Camper mit dem Gedanken an ein heisses Sprudelbad in den Schlaf sinken.