Politik | 08.01.2007

Rumäniens erste Jugendsession

150 junge Rumäninnen und Rumänen im Alter von 18 bis 26 Jahren haben sich Ende November während drei Tagen zum ersten Mal als Abgeordnete im nationalen Parlament versucht.
Das eindrückliche rumänische Parlament ist nach dem Pentagon in Washington das zweitgrösste Gebäude der Welt.
Bild: Wikipedia Stolz präsentieren sich die Teilnehmenden der ersten rumänischen Jugendsession um Mihaela Paval (1. v. r.).

Die Hauptziele der ersten rumänischen Jugendsession waren nicht gerade bescheiden: praktische Inputs für angewandte Demokratie und parlamentarische Mechanismen sowie ein Startschuss für neue politische Initiativen der rumänischen Jugend.

Und auch die Auswahl folgte einer aufwändigen Prozedur: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden anhand von Vorschlägen sowie ihrer Lebensläufe ausgesucht. Damit die Jugendsession die parteipolitische Zusammensetzung des richtigen Parlaments entsprach, bekamen die Ausgewählten eine ausführliche Beschreibung ihrer Rolle und Aufgaben sowie von der Partei, die sie zu repräsentieren hatten.

Eid auf die Demokratie

Bevor es richtig zur Sache ging, mussten die jungen Abgeordneten sogar einen Eid ablegen, „die demokratischen Werte zu verteidigen und das Mandat als Mitglied des Jugendparlaments ehrenvoll zu erfüllen“. Diese einleitende Sitzung wie auch die Plenarversammlung am Schluss der Jugendsession wurde von ehrenwerten Gästen besucht. Unter ihnen auch Bogdan Olteanu, der Präsident des rumänischen Abgeordnetenhauses und gerade mal 35 Jahre alt.

Alle Teilnehmenden arbeiteten zuerst für die politischen Partei, die sie vertraten, an einer allgemeinen Strategie und dann in einem der sechs Spezialkomitees an Themen wie Ausbildung, Wissenschaft und Jugend, Soziales und Arbeitssolidarität oder Gleichheit von Geschlechtern.

Harte Arbeit, starke Meinungen, Gegenargumentationen – wirklich ziemlich anspruchsvoll, besonders da das ganze Programm nur von 10 Uhr bis offiziell 18 Uhr geplant war. «Wir haben es nie geschafft vor halb acht fertig zu sein. Aber es hat sich gelohnt. Ich musste so viel in so wenig Zeit lernen«, sagt Mihaela Paval, Mitglied des Komitees für Ausbildung, Wissenschaft und Jugend.

Meisterleistung

Während der Plenarsitzung am letzten Tag präsentierten die Initiatoren die diskutierten gesetzgebenden Vorschläge und die Hauptpunkte, die Komitees begründeten ihre Anpassungen und die anderen Abgeordneten hatte das Recht Fragen zu stellen, Anmerkungen hinzufügen und schliesslich darüber abzustimmen. Uah! Ein langes und schwieriges Verfahren, doch die Ergebnisse waren bemerkenswert: 13 diskutierte Vorschläge, von denen fünf zurückgewiesen und die restlichen acht mit Änderungen angenommen wurden. Die echten Parlamentsmitglieder könnten eifersüchtig werden auf die Fähigkeiten und die Arbeitskraft ihrer jungen Kolleginnen und Kollegen.

Ein wichtiger Moment war die Verleihung von sechs Preisen für die aktivsten und fähigsten jungen Abgeordneten. Einige der attraktivsten Belohnungen waren ein Tag mit Bogdan Olteanu oder die Teilnahme an der Jugendsession in Belgien.

Ende und gleichzeitig Anfang
Die Abschiedsparty schien nur gerade ein Aufwärmen zu sein, denn die Leute entschieden sich, über eine Online-Gruppe in Kontakt zu bleiben um aktuelle Fragen der nationalen Politik zu diskutieren und sich bald wieder zu treffen. Es entstand sogar die Idee einer Projekteingabe für einen ständigen Versammlungsort.

Alles in allem gaben sich Teilnehmenden zufrieden und sahen ihre Erwartung als erfüllt. Trotzdem will die veranstaltende Asociatia Pro Democratia schwache Punkte im nächsten Jahr verbessern. Parallel dazu gibt es eine andere bemerkenswerte Initiative, die Asociatia Tact. Sie plant ein ständiges Jugendparlament für zwei Jahre mit regionalen Ablegern. Im Moment ist das alles noch in Planung, aber es wird bestimmt schon bald über die Details informiert.

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