Kultur | 28.01.2007

Randgruppen auf Abwegen

Text von Lena Tichy | Bilder von www.swissfilms.ch
Deutsche Filme sind nicht lustig. Dieses alte Vorurteil wurde an den Solothurner Filmtagen ein für allemal widerlegt. Und zwar von einem Schweizer Regisseur, der sich vorgenommen hat, Berlin so zu zeigen, wie die Welt es noch nie gesehen hat - vollkommen unzurechnungsfähig.
Auch die Liebe ist schöner, wenn man pleite ist. Das jedenfalls finden diese Turteltauben.
Bild: www.swissfilms.ch

„Ich wünsche Ihnen viel Spass bei diesem Film“, sagt der Regisseur Oliver Rihs zum Schluss seiner kleinen Begrüssungsansprache und geht lächelnd von der Bühne. Er hat das Publikum in der Reithalle in Solothurn vorgewarnt: „Die Geschichten, die Sie jetzt gleich sehen werden, sind grösstenteils wahr. Wir haben sie aus Zeitungsmeldungen entnommen.“ „Black Sheep – Schwarze Schafe“ ist laut Filmplakat eine Komödie über Sex, Drogen und Arbeitslosigkeit. Damit verkauft sich dieser Streifen aber eindeutig unter Wert. Oliver Rihs‘ zweiter Spielfilm teilt nach allen möglichen Seiten aus und sorgt dafür, dass jede Randgruppe, die irgendwas auf sich hält, ihr Fett wegbekommt. In die Pfanne gehauen werden unter anderem Ostdeutsche, Bonzen, Ausländer, Christen, Schwule, Betrüger, Satanisten und faule Teenager.

Gebrüll und Gekreisch

Der Film, welcher im August 2006 am Filmfestival Edinburgh Premiere hatte, mauserte sich innert kürzester Zeit zum Geheimtipp unter all jenen, die unter Lachen mehr verstehen als gepflegtes Hüsteln. Auch an den Solothurner Filmtagen waren die Reaktionen auf „Black Sheep“ in jeder Hinsicht heftig, und mehr als einmal sah man jemanden den Saal verlassen. Vergisst man allerdings jene zehn oder zwölf Leute, deren Nerven nicht stark genug waren, bleiben noch dreihundert Personen, die neunzig Minuten lang fast nichts anderes taten, als vor Lachen zu brüllen und den Film am Ende mit tosendem Applaus und Gekreisch zu quittieren.
Dass Oliver Rhis für sein Projekt praktisch alle begabten Deutschen Schauspielerinnen und Schauspieler der Gegenwart aufbot, ist die Kirsche obendrauf. Wer wissen will, was ihnen in „Black Sheep“ alles passiert, muss sich den Film aber schon selbst ansehen. Würde ich es hier erzählen, man würde es mir sowieso nicht glauben.

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