Kultur | 08.01.2007

Pummerin schlägt zur Mitternachtsstunde

Text von Anita Kupper | Bilder von Janosch Szabo
Nach dem weihnachtlichen Feiern in der Schweiz habe ich spontan entschieden, die Silvesternacht in Wien zu verbringen, um erstmals in einer Weltstadt ins neue Jahr zu rutschen. Teil fünf der Serie Wiena Gschichtln.
Mit Feuerwerk und Wiener Walzer ins neue Jahr.
Bild: Janosch Szabo

Nach einem gemütlichen Abend mit vielen Käs-Spätzle haben wir uns am 31. Dezember 2006 kurz nach elf Uhr auf die Strasse getraut, um in Richtung Rathaus zu spazieren. Bereits nach wenigen Schritten hörten wir die erste Knallserie, die uns an einen Bombeneinsatz im Krieg erinnerte. So musste es sich angehört haben, wenn Feinde versucht haben, die Stadt zu zerstören. In dieser Nacht aber wurden keine Bomben gezündet, sondern Feuerwerke und Knaller zum Explodieren gebracht: Je mehr wir uns der Innenstadt näherten, desto lauter und heller wurde es. An jeder Ecke gingen ohrenbetäubende „Piraten“ in die Luft und Feuerwerke wurden in den Himmel geschleudert, was angesichts der Menschenmenge auch gefährlich sein konnte.

Laut Berichten waren es an diesem Silvester 700’000 Menschen aus dem In- und Ausland, die in der Wiener Innenstadt das neue Jahr mit Champagner begossen haben. Anders gesagt: Beinahe die doppelte Einwohnerzahl der Stadt Zürich hat in der Wiener Stadtmitte Silvester gefeiert. Aufgrund der Gefahr, eine Rakete oder einen Böller in den Kragen zu kriegen, haben uns unsere Wiener Freunde davon abgeraten, uns zum Steffel, dem Stephansdom von Wien, vorzukämpfen. Stattdessen haben wir uns vor dem Rathaus positioniert, wo sich die Menschenmasse glücklicherweise ein wenig lichtete und von wo wir dank dem Rathauspark freie Sicht auf den Himmel sowie die imposanten Feuerwerke hatten. 

Kurz vor zwölf Uhr stimmten alle ins Einzählen des neuen Jahres ein: Zehn, neun,… „Ihr müsst ins neue Jahr tanzen, Anita. Gib mir deine Tasche.“ …sechs, fünf,… „Komm mit.“ Ich wurde auf die Strasse gezogen …zwei, eins. Und wir tanzten mitten im Trubel auf der Wiener Ringstrasse mit einem nicht ganz perfekten Walzer zu den Klängen von Johann Strauss ins neue Jahr, wie es in Österreich Tradition ist. Im Hintergrund hörten wir den tiefen Klang der Pummerin, der grössten Glocke des Stephansdoms, die mit einem Durchmesser von 3,14 Metern, einer Höhe von 2,94 Metern und einem Gewicht von 21,383 Kilogramm zu Ehren des Jahreswechsels mit aller Kraft versuchte, die Raketen und Knallkörper zu übertönen. Prosit Neujahr, Wien!