Politik | 29.01.2007

Politiker und Jugendliche im Austausch

Text von Simon Kaiser
Eine Reportage aus der Gesprächsgruppe Biel-Seeland 3, wo eine spannende Diskussion über das Bild der Jugend in der Öffentlichkeit entstand, und über die Möglichkeiten, Jugendliche besser in die Politik mit einzubeziehen.
In der Gesprächsgruppe Biel-Seeland 3 wurde viel über das Bild der Jugend in der Gesellschaft gesprochen. Fotos: Johannes Dietschi

Ein Gespräch mit Grossrätinnen und Grossräten will gut vorbereitet sein. Darum stellen die zehn Jugendlichen unter der Leitung von Marcel Meier und Sandrine Hilfiker eine Liste mit Themen zusammen. Die Schüler möchten den Anlass nutzen, um das eigene Interesse an der Politik auszuloten, einen Einblick zu gewinnen. Der Wille, sich selbst einzubringen, ist vorhanden. Die Fragen, die auf dieser Grundlage erarbeitet werden, beziehen sich somit hauptsächlich darauf, welchen Zugang die Politiker zu Jugendlichen haben, welches Bild der Jugend dabei entsteht und wie stark sie sich für Jugendthemen engagieren. Daneben entsteht als zweiter Schwerpunkt die Frage, wie man denn die Jugend besser in den politischen Prozess integrieren könnte. Die konkreten Forderungen nach Stimm- und Wahlrecht ab 16 Jahren und nach einem totalen Verbot von Alkohol am Steuer gehen daneben etwas unter.  

Angeregte Diskussion

Als dann die Grossrätinnen und Grossräte dazu stossen, ist jeder mit einer Frage gewappnet. Aus einem anfänglichen Frage-Antwort-Spiel entwickelt sich schnell ein angeregtes Gespräch. Dabei stehen nicht konkrete Projekte im Vordergrund, viel mehr geht es darum, sich ein Bild der anderen zu machen. Falls eine Aussage nicht zufrieden stellt, wird nachgefragt und kritisiert. Die Jugendlichen scheuen sich nicht, die Grossräte mit ihren Meinungen, die auch mal auseinander gehen, zu konfrontieren. Die Politiker zeigen sich sehr kooperativ und lassen sich bereitwillig auf die Diskussion ein. Diese verläuft manchmal etwas holperig, da die Erwachsenen auf einem höheren Niveau als die Jungen diskutieren und über ein wesentlich grösseres Fachwissen verfügen. Dank der Gesprächsleitung wird aber der rote Faden immer wieder aufgenommen.  

Mehr Mitsprachemöglichkeiten

Es wird viel über das Bild der Jugend in der Gesellschaft gesprochen. Alle sind sich einig, dass dieses stark von einer kleinen Zahl von «Problemkindern« dominiert wird, während über die restlichen 95 Prozent der Jugendlichen kaum gesprochen wird. Diese müssten sich halt stärker engagieren und auf sich aufmerksam machen, fordern einige Mitglieder des Grossen Rates. Man einigt sich schliesslich darauf, dass dazu aber auch mehr und bessere Plattformen zur Verfügung gestellt werden müssen. Ebenso wichtig wäre eine bessere Vorbereitung der Jugendlichen auf eine Teilnahme am politischen Leben.  

Am Ende scheinen viele motiviert, etwas zu bewegen. Besonders die Jugendlichen nehmen viele positive Erfahrungen und das Wissen, dass man ihnen zuhört, mit nach Hause.