22.01.2007

Österreich süchtig nach Natel

Text von Anita Kupper
One bietet neuen Kunden den 4-zu0-Tarif, Drei bewirbt das 3-genial-Angebot mit der österreichischen Popsängerin Christina Stürmer und Telering jagt dem Speck nach.
Immer diese Handys Fotos: Anita Kupper Und was ist jetzt das Richtige? Das Wiener Handygeschäft

Vor Weihnachten war es am schlimmsten. Jeder Werbeplatz im Radio, Fernsehen oder auf der Strasse preiste die besten Tarife der Netzanbieter an. Mit den verschiedensten Marketingstrategien versuchen die Firmen ihr Angebot schmackhaft zu machen.

Es ist unglaublich, wie tief die Kosten fürs Telefonieren mit dem Handy hier in Österreich sind. Ich bezahle mit meiner Yesss-Prepaid-Karte gerade mal neun Cent pro Minute in alle Netze, wohingegen ich für eine SMS 13 Cent bezahle. Bei Vertragsabschluss gibt es bei gewissen Anbietern sogar null Cent in alle Netze und Musikhandys zum besten Preis. Telering hat mit dem Slogan «Weg mit dem Speck« seine Preise gedrückt. Um dies zu verdeutlichen, hat der Anbieter drei übergewichtige Figuren erfunden, die den Speck symbolisieren und nun vor Telering flüchten, der sich mit dem Ätschtarif über den Speck lustig macht: Ätschpeck! Ätschpeck! Der Ausdruck wurde zum österreichischen Unwort des Jahres gewählt.

Hält die Werbung, was sie verspricht? Während eines Shopping-Spazierganges auf der Mariahilferstrasse erkundige ich mich vor Ort nach den Bedingungen bei einem Wechsel vom einen Handyanbieter zum andern. Das erste Geschäft scheint von aussen wie jedes andere zu sein: Über dem Schaufenster, das die neuesten Modelle und Angebote der Topmarken präsentiert, sind in grossen Lettern alle Handyanbieter zu sehen. Beim Betreten des drei Quadratmeter kleinen Raumes müssen wir jedoch unser Erstaunen überspielen. Die Glastür lässt sich nicht vollständig öffnen, da einer der beiden runden Stehtische im Weg steht. Hinter dem zweiten Tischchen sitzt ein 50-jähriger Mann mit Goldkette und Telering-Dächlikappe, an jeder Wand hängen weitere Handymodelle, Kabel, Zubehör. Mehr als drei Personen haben in diesem kleinen Geschäft kaum Platz. Wir lassen uns beraten und wissen wenige Minuten später, dass bei einem Wechsel von Telering zu One die Telering-Nummer für eine Gebühr von 19 Euro mitgenommen werden kann, wobei es ungefähr zehn Tage dauert, bis die Nummer dann freigeschaltet wird. Der Mann versicherte mir bestimmt drei Mal, dass ich den ganzen Wechsel bei ihm durchführen könne, er vertrete alle Firmen.

Kurz darauf versuche ich es mit einer zweiten Beratung im offiziellen One-Geschäft auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Gegensätzlicher könnten die beiden Läden nicht sein. Hier werden wir als erstes per Hinweiszettel darum gebeten, beim Gerät neben der Eingangstüre anzugeben, ob ich bereits One-Kundin bin oder nicht. Als Gegenleistung streckt mir die Maschine einen Zettel mit einer Nummer zu, die mir weist, wann ich an der Reihe bin. Der lange, hohe Raum ist in Weiss gehalten, an den Wänden können die exklusiven Handy-Modelle in glasigen Kästen bestaunt werden. Über den Beratungstheken sind weisse Flachbildschirme angebracht, wo jeweils die Nummern der Kunden aufleuchten. Nach einigen Minuten sind wir dran. Auch hier wird uns gesagt, dass es möglich ist, die Rufnummer bei einem Wechsel zu portieren, dies dauere jedoch nur etwa eine halbe Stunde. Herzlichen Dank, ich überlege es mir.

Ähnliche Artikel