Politik | 29.01.2007

„Jugendliche mit einbeziehen“

Zwei Jugendliche und zwei Grossrätinnen am runden Tisch mit Tink.ch: Dominik von Allmen aus Pieterlen, Fabian Schneeberg aus Farnern, Margreth Schär aus Lyss und Rita Haudenschild aus Köniz diskutieren über den Jugend-Grossrat-Tag und darüber, was an diesem Austausch nachhaltig ist.
Fabian Schneeberg, 14, und Dominik von Allmen, 16 (von links). Fotos: Johannes Dietschi Margreth Schär, 51, und Rita Haudenschild, 48 (von links).

Waren die Gespräche nachhaltig?

Dominik: Ja, in dem Sinne nachhaltig, dass wir nun wissen, wie die Grossräte uns Jugendliche sehen. Das wollten wir im Austausch mit ihnen erfahren.

Fabian: In unserer Gruppe ging es konkret um den Klimawandel. Das Thema ist heute und sicher auch noch in zehn Jahren aktuell. Wir haben uns überlegt, wie wir die Klimaerwärmung aufhalten können, beispielsweise durch das Recycling von Plastik, die Förderung des öffentlichen Verkehrs und indem wir anderen Ländern den Umweltschutz nahe legen.

Haudenschild: Mir zeigten die Gespräche, dass auf Seiten der Politiker wie auch der Jugendlichen etwas geschehen muss. Wir müssen die Jugendlichen auch auf Gemeindeebene in die aktuellen Diskussionen stärker mit einbeziehen. Und sie sollen wissen, dass sie jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen können, am besten per E-Mail.

Schär: Wir haben viel über Integration geredet, haben uns die Frage gestellt, warum Ausländer ein so schlechtes Image haben und nach Möglichkeiten gesucht, dem entgegenzuwirken, zum Beispiel mit mehr Instrumente wie Elterngesprächen. Die Jugendlichen haben sich auch daran gestört, dass die Berichterstattung der Medien gegenüber Ausländern oft sehr einseitig ist.

Fabian: In den Medien verkaufen sich negative Meldungen immer viel besser.

Haudenschild: Das ist genau das Problem. Die Medien richten ihr Auge auf die fünf Prozent der ausländischen Jugendlichen, die Probleme machen, die mit ihrem Leben nicht zu Recht kommen.

Wie habt ihr den Austausch erlebt?

Fabian: Ich habe mir die Politiker grauenhaft vorgestellt, sehr auf sich, ihre Partei und ihre Ziele fixiert. Dieses Bild hat sich aber geändert, denn sie haben uns zugehört und waren offen für unsere Vorschläge. Das hat mich verwundert.

Haudenschild: Danke.

Schär: Ich bin jedes Jahr dabei, weil ich es einen tollen Anlass finde. Heuer war ich in einer grossen gut gemischten Gruppe, wo viel geredet und diskutiert wurde. Die Jugendlichen haben sich engagiert eingebracht.

Haudenschild: Mich beeindruckt, wie politisch ihr Jugendlichen seid, denn in dem Alter interessierte ich mich überhaupt nicht für die Politik.

Schär: Ich finde es faszinierend, mit welcher Sicherheit ihr euch im Plenum ans Rednerpult stellt und erzählt. Ihr solltet mal schauen kommen, wie das bei uns läuft.    

Was nehmt ihr mit von diesem Tag?

Fabian: Ein völlig anderes Bild von der Politik. Bis heute habe ich mich aufgeregt, wenn zum Beispiel die Wahlergebnisse die Tageschau verlängert und die Filme hinausgezögert haben. Vom Grossen Rat wusste ich absolut nichts. Heute aber wurde mein Interesse für die Politik geweckt.

Dominik: Viel Neues habe ich zwar nicht gelernt, das politische System kannte ich schon von der Schule. Aber den Austausch fand ich spannend. Und es war eine gute Erfahrung mal vor so vielen Leuten im Plenum zu reden.

Schär: Für mich war es ein toller Nachmittag, der mir gezeigt hat, wie wichtig es ist sich zusammen mit Jugendlichen Gedanken zu Themen unserer Gesellschaft zu machen.

Haudenschild: Heute ist mir wieder bewusst geworden, dass ein Austausch mit Jugendlichen, wie wir ihn heute hatten, eigentlich immer stattfinden muss. Ich werde mich dafür einsetzen. Es wichtig, denn ihr seid ein Teil unserer Gesellschaft.