Kultur | 01.01.2007

„Ich bin genauso versaut wie die Jungs“

Schon den ganzen Dezember war die deutsche Band Die Happy auf Tour. Nach einem Interview mit Bassist Ralph doppelt Tink.ch jetzt nach und spricht mit Sängerin Marta über ihre Position als Frau in der Band.
Marta, Sängerin von Die Happy: "Wer den Mund aufmacht, wird angeschaut" Fotos: Stephanie Sonderegger "Ich bin schon ein bisschen sensibler als die Jungs." Frontfrau mit Power: "Ich glaube, ich bekomme die meisten Geschenke, beziehungsweise die meiste Aufmerksamkeit."

Ihr seid mit eurem neuen Album „No Nuts, No Glory“ auf Tour. Bist du zufrieden mit den bisherigen Konzerten?

Marta: Ja sehr. Vor allem nach dem gestrigen Konzert vor über 500 Leuten im Stuttgarter LKA-Longhorn. Es war eines der schönsten Konzerte unserer Tour und damit ein tolles Weihnachstgeschenk für uns.

Wie sind die Reaktionen der Leute während den Konzerten?

Sehr gut eigentlich. Natürlich merkt man, dass die Leute textsicherer sind bei den älteren Sachen, aber sie haben schliesslich auch mehr Zeit zum Üben gehabt, als für die Songs der neuen Platte.

Die Meinungen über euer neues Album teilen sich stark. Gehst du anders um mit Kritik als deine Bandkollegen?

Ich bin schon ein bisschen sensibler als die Jungs. Aber mit Kritik muss man leben, sobald man öffentlich etwas macht. Je mehr Leute man erreicht, desto grösser ist die Zielscheibe, die man den Leuten anbietet. Es ist klar, dass Geschmäcker unterschiedlich sind und dass es Menschen gibt, denen das Ablum nicht zusagt. Hauptsache ist, dass wir ehrlich sind, hinter unserem Album stehen und die Lieder lieben, die wir geschrieben haben. Dann können wir unsere Fans glücklich machen.

Du bist die einzige Frau in der Band. Bassist Ralph hat anfangs Dezember in einem Interview mit Tink.ch gesagt, dass du das Niveau der Band hebst. Inwiefern tust du das?

Ich glaube, dass sagen die nur so. Denn ich bin inzwischen genauso versaut wie die Jungs. (lacht) Einige Schimpfwörter kann ich auch schon…

Aber die Männer passen schon mehr auf, wie sie sich über andere Mädchen äussern, oder dass keine Pornos laufen im Bus, wenn ich dabei bin. Ich glaube sie tun das, weil sie mir Respekt erweisen wollen.

Gibt es für dich auf der Tour Nachteile?

Ja, beim Umziehen und Duschen muss ich immer mehr aufpassen. Wobei, bei uns in der Band ist das inzwischen egal. Wir gehen zusammen in die Sauna und haben uns alle schon tausendmal nackt gesehen. Da ist also keine Scham mehr. Ein Nachteil den ich erlebe, ist vielleicht, dass sich die Jungs mehr um die Mädchen im Publikum kümmern, als um die eigene Sängerin, die sie am liebsten haben sollten. (grinst) Sonst fühl ich mich nicht benachteiligt.

Wirst du von den Fans bevorzugt?

Klar werde ich von den Fans am meisten angeschaut bei einem Konzert, weil ich ja singe. Jeder der den Mund aufmacht, wird angeschaut, egal in welchem Job, ob beim Singen oder im Theater. Ich glaube, ich bekomme die meisten Geschenke, beziehungsweise die meiste Aufmerksamkeit.

Könntest du dir vorstellen ein weiteres weibliches Mitglied in der Band zu haben?

Nein. (lacht) Die Band besteht seit 13 Jahren und ich bin die einzige Sängerin. Ich glaube, ich könnte das nicht ertragen, auf jeden Fall keine zweite Sängerin. Das ist meine Arbeit, das ist mein Platz, den habe ich mir in den letzten 13 Jahren erobert. Ich muss ehrlich sagen, dass es mir schwer fallen würde, jemand anders dazu zu nehmen. Als musikalischen Support hätte ich kein Problem eine weitere Frau dabei zu haben.

Was hältst du von reinen Girlgroups?

Reine Mädchenbands gibt es ein paar, die tatsächlich gut sind, auch musikalisch. Man sagt immer: „Frauen können keine Gitarren spielen“ oder „Frauen können nicht Schlagzeug spielen“. Gewissermassen stimmt das auch, jedenfalls sind Frauen meist besser im Gesang als an den Instrumenten. Aber es gibt auch Ausnahmen. Meistens trauen die sich aber nicht genug zu.

Komischerweise machen viele Frauenbands Punkmusik. Ich habe kaum eine Band erlebt, die Crossover spielt, was ich schade finde. Warum müssen alle Mädchenbands Punkmusik machen, auf frech und girlie? Das tut mir ein bisschen Leid. Sie wollen immer den Männern hinterher. Sie sind zwar eine Mädchenband, machen es aber den Männern nach.

Neben Die Happy arbeitest du auch mit anderen Künstlern zusammen und bist nächstes Jahr wieder bei Stefan Raabs „Bundes Vision Song Contest“ dabei, schon zum zweiten Mal. Wie kommt es zu der Zusammenarbeit mit OOMPH?

Die Jungs haben mich gefragt, und ich glaube, es gibt nicht viele Sängerinnen in Deutschland, die immer wieder „böse“ Lieder machen. Die Auswahl war ziemlich knapp und wir kennen uns auch schon sehr lange. Dann habe ich einen Anruf bekommen, ob ich nicht Lust hätte. Ich habe zuerst nachgedacht, ob es richtig ist, weil ich schon einmal mitgemacht habe. Aber: Andere Band, neues Glück. Mal schauen, vielleicht werden wir genauso gut oder platzieren uns sogar besser als vor zwei Jahren mit Apocalyptica.

Mit wem willst du in Zukunft noch gerne zusammenarbeiten?

Meine Band hat Priorität. Ausserdem hätte ich Lust auf ein Duett mit dem Sänger von Incubus. Aber es gibt noch viele Künstler, bei denen ich nie nein sagen würde, wenn sie anklopfen würden.

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