Kultur | 15.01.2007

House attack

Text von Anita Kupper | Bilder von Annina Meyer
Wien ist bekannt für seine architektonischen Prachtstücke. In jedem Touristenführer werden Bauten aus allen Stil-Epochen erwähnt. Wer genau hinsieht, entdeckt Erstaunliches in der Wiener Häuserlandschaft. Teil 6 der Serie Wiena Gschichtln.
Spektakulär: Die Installation "House attack" des Künstlers Erwin Wurm. Fotos: Bernhard Braun Kreativ: Wiener Bauherren haben früher neue Stockwerksnamen erfunden, um hohe Häuser bauen zu können. Ziemlich verwirrend: Stockwerkbezeichnungen im Lift des Wiener Rathauses. Hängend: Kopfüber klebt ein Einfamilienhaus an Museumsdach des MUMOK. Beschützend: Häusschen auf dem Wiener Parlament für die Rennovierungsarbeiten an den Reiterfiguren.
Bild: Annina Meyer

Das Wiener Rathaus hat es mir angetan. Von Anfang an hat es mir gefallen und als ich es das erste Mal bei Nacht sah, habe ich mich in das über 120 Jahre alte Gebäude verliebt. Durch die intelligente Beleuchtung strahlt es in der Dunkelheit von innen und sieht aus wie ein Märchenschloss.
Vor Weihnachten durfte ich das erste Mal das Innere des stattlichen Gebäudes bewundern. Geschäftlich waren wir zu einer Sitzung im Büro der amtsführenden Stadträtin geladen: Rathaus, Stiege 8, 1. Stock, Tür 323. Diese genaue Bezeichnung ist bei 1575 Räumen von Vorteil und wir haben das Büro nach nur zehnminütiger Suche auch gefunden.

Schlaue Bauherren

Die Bezeichnung der Stockwerke erinnerte mich an eine kleine Wiener Anekdote: In früheren Jahren waren beim Bau eines Hauses nicht die Meterhöhe über dem Boden für die zulässige Gebäudehöhe bestimmend sondern die Geschosse. So haben kreative Bauherren neue Stockwerksnamen erfunden, wodurch sie den Regeln der Bauvorschrift Folge leisteten und trotzdem höhere Häuser bauen konnten. Daher sind nicht nur im Wiener Rathaus neben den herkömmlichen Geschossbezeichnungen Schilder mit der Aufschrift „Mezzanin“, „Hochparterre“, „Halbstock“, „Zwischengeschoss“ oder „Souterrain“ zu finden. Ein Freund von mir wohnt beispielsweise im 1. Stock, muss jedoch tatsächlich die Treppen bis zum 3. Stock hinaufgehen, um zu seiner Wohnung zu gelangen.  

Häuser auf den Dächern

Mit der Häuserlandschaft Wiens könnte ich mich noch länger beschäftigen. Immer wieder entdecke ich neue, faszinierende Häuser. Im Museumsquartier, einem Viertel voller Museen, in dem zu Kaiserzeiten die Hofstallungen angesiedelt waren, kann momentan ein ungewöhnliches Haus auf dem MUMOK (Museum Modernder Kunst) bestaunt werden. Das Einfamilienhaus hängt als Installation „House attack“ des Künstlers Erwin Wurm kopfüber vom Dach des MUMOK und bringt Jung und Alt dazu, ihren Blick in den Himmel abschweifen zu lassen.    

Nicht ganz so spektakulär, aber doch erwähnenswert ist das kleine Haus, das zur Zeit auf dem Dach des Parlaments zu sehen ist. Das weisse, einfache Häuschen ist nur mithilfe eines Baugerüstes zu erreichen und steht neben einem vergoldeten Kamin. Wie ich erfahren habe, wird darunter der Reihe nach jeweils eine der vier Reiterstatuen auf dem Dach renoviert. Ganz schön luxuriös, denn das Arbeiterhäuschen ist doppelstöckig und sogar mit Dachfenstern versehen.