Kultur | 29.01.2007

Hollywood klärt auf

Text von Marina Lienhard
Edward Zwick benutzt mit "Blood Diamond" die altbewährte Moralpredigt als Mittel zum Oscar und präsentiert uns Afrika als romantisch verklärte und äusserst blutige Kulisse für pathosreiche Sinnfragen.
"Blood Diamond", der neue Film von von Edward Zwick: Ein Action-Drama mit einfallslosem Skript und geschmackloser Inszenierung. Fotos: Warner Bros. Pictures In Aktion: Leonardo DiCaprio als rhodesischer Diamantenschmuggler Danny Archer... ...und Djimon Hounsou als Sierra Leonischer Fischer Solomon Vandy.

Würde man „Blood Diamond“ in einem Satz zusammen fassen wollen, dann würde der etwa so lauten: „Amistad“ meets „The Interpreter“ meets „Gladiator“, political correctness trifft auf hollywoodsche Werte und wird mit jedem erdenklichen Klischee der Emotionsbildung geschmückt, mit absichtlich verwackelten und überbelichteten Actionaufnahmen vermengt und als Gewissensberuhigung für politisch Inaktive an die Leinwand geschmettert.

Konflitktdiamanten  

Der Film erzählt uns die Geschichte des Sierra Leonischen Fischers Solomon Vandy (Djimon Hounsou), dessen Dorf von der RUF (Revolutionary United Front) eingenommen wird. Bei dem Massaker wird er von seiner Familie getrennt. Er muss nun für die RUF, deren Leader seine Absichten stets in langen Reden für das Kinopublikum erklärt, im Fluss nach Diamanten fanden. Als das RUF-Lager vom staatlichen Militär zerstört wird, gelingt es Solomon einen besonders grossen, pinkigen Diamanten zu vergraben, bevor er festgenommen wird. Im Gefängnis trifft er auf den weissen rhodesischen Diamantenschmuggler Danny Archer (Leonardo DiCaprio), der ihm anbietet seine Familie wiederzufinden, wenn er ihm das Versteck des pinkigen Diamanten zeige.

Dies wäre kein Hollywoodfilm, wenn nicht noch eine schöne Journalistin ins Spiel käme (Jennifer Connelly), deren Ziel es ist das amerikanische Diamantenkartell aufzudecken und sich die nötigen Informationen dazu von Danny erhofft.  

political correctness auf Kosten der Tiefgründigkeit  

Zugunsten der political correctness wurde darauf geachtet, dass die einzigen zwei integren Figuren im Film – ihre Taten sind zwar ambivalent, aber ihr Herz ist rein -, die weisse Frau (Connellly) und der schwarze Mann (Hounsou) sind. Ihre Charaktere sind entsprechend platt ausgefallen und wirken besonders neben DiCaprios Figur ziemlich farblos. Aber auch Danny Archers Charakter bleibt nur solange interessant, bis er in einer circa zwanzigminütigen Sterbesequenz dermassen heroisiert wird, dass seine bisherigen Abgründe und damit seine Glaubwürdigkeit ganz vergessen werden. DiCaprio schlägt sich zwar wacker – dass er zu Glanzleistungen fähig ist hat er jüngst in Scorseses „The Departed“ bewiesen – aber gegen die Einfallslosigkeit des Skripts und die geschmacklose Inszenierung – seinen Sterbemonolog hält er am Funktelefon – kommt er nicht an. Die wenigen, zumindest oberflächlich, tiefgründigen Sequenzen, wenn Connelly und DiCaprio sich über den menschlichen Zynismus und persönliche Moral unterhalten, müssen wie Diamanten aus den Gewaltdarstellungen ausgesiebt werden, allerdings besteht keine Gefahr sie zu verpassen, da sie stets von einem melancholischen Geklimper untermalt sind und die Schnittfrequenz mit einem mal drastisch reduziert wird.  

Happy end?

Sehr eindrücklich ist das Ende Films, in dem nach allen Regeln des Pathos die Moralpredigt von niemand anderem als Stephen Collins, bekannt als Reverend Camden in der republikanische Familienwerte propagierenden Fernsehserie 7th Heaven („Eine himmlische Familie“), gehalten wird. Die „erste Welt“ darf die Augen nicht vor der „dritten“ verschliessen. Den Abschluss bildet eine weisse Runde Applaus für den schwarzen Bruder aus Sierra Leone. Happy End.  

Aber man soll ja das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Woraus hier Profit geschlagen wird, ist deswegen nicht weniger wahr. Vielleicht sehen sich einige Menschen lieber den Film mit den US-Filmstars an, als die echten Bilder mit dem echten Blut am Fernsehen und im Idealfall profitieren davon Organisationen wie Amnesty International, die sich gegen den seit 2003 illegalen Verkauf von Konfliktdiamanten einsetzen. Oder vielleicht gibt es andere, wie mich, denen dieser Film zumindest Anlass gibt wieder einmal Bilanz über ihre eigene politische Aktivität zu ziehen und die sich weigern das vorgekaute „happy end“ zu schlucken.  

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