Kultur | 28.01.2007

Die „Winterreise“ in Kenya

Das bayrische Gefühlsdrama "Winterreise" von Hans Steinbichler trug zum Erfolg der 42. Solothurner Filmtagen bei. Ein Film, der mit Leidenschaft und Spannung überzeugt.
Ausgangspunkt des Films: Der mysteriöse abgestorbene Baum mit Blick auf die weite Ebene.
Bild: www.filmfest-muenchen.de, www.wega-film.at, www.sueddeutsche.de Ehefrau Martha weiss mit Franz oft nicht mehr weiter. Der Unternehmer lebt anfangs des Films in einer eigenen Welt. Schauspielerin Sibil Kekilli und Regisseur Hans Steinbichler.

Franz Brenninger ist Chef eines Eisenwarengeschäfts und hat in seinem Leben viel erreicht. Der angesehene und vermögende Mann ist Vater von zwei erwachsenen Kindern und lebt mit seiner Ehefrau Martha in einem schönen Einfamilienhaus. Brenninger hat jedoch einen sehr eigenen und launigen Charakter. Damit kommt er nicht überall gut an. Er wirft mit dem Geld um sich und auch seiner kleinen Firma geht es finanziell immer schlechter, bis sie schliesslich kurz vor dem Bankrott steht. Nachdem zu allem Elend hinzu noch Ehefrau Martha erkrankt, lässt sich der manisch-depressive Eisenwarenhändler auf ein angeblich hoch lukratives Geschäft mit kenianischen Geschäftsleuten ein. Als sich jedoch auch diese Aktion bald als Betrug herausstellt, und Brenninger weitere Verluste einstecken muss, will er sich das verlorene Geld wild entschlossen auf eigene Faust zurückholen. Die Reise nach Kenia, die er zusammen mit der jungen Dolmetscherin Leyla in Angriff nimmt, stellt sich als eine sehr schwierige Mission heraus.  

Überzeugender Hauptdarsteller

„Winterreise“ ist nach „Hierankl“ der zweite Spielfilm des deutschen Regisseurs Hans Steinbichler. Franz Brenninger, der Hauptcharakter des im Jahre 2006 erschienenen Filmes „Winterreise“,  ist mit dem Schauspieler Josef Bierbichler bestens besetzt. Bierbichler grollt und donnert mit einer schauspielerischen Naturgewalt auf der Leinwand. Seine Rolle, die ein Wechselbad der Gefühle widerspiegelt, spielt er sehr eindrucksvoll, egal ob er nun in seiner Werkstatt wutentbrannt herumtobt oder sich nackt auf dem Balkon stehend einschneien lässt. Neben Bierbichler wirkt die Nebendarstellerin Hanna Schygulla, die in die Rolle von Ehefrau Martha schlüpfte, unterfordert. Während des gesamten Filmes tritt sie fast ausschliesslich im Bett liegend in Erscheinung. Auch die junge Dolmetscherin Leyla geht etwas im Schatten des Hauptdarstellers unter. Die schüchterne und ruhige Kurdin wird jedoch von Sibel Kekilli sehr gefühlsvoll und zärtlich gespielt. 

Gefühlvoll und spannend

Hans Steinbichlers „Winterreise“ ist ein Gefühlsdrama, in dem sich moralisch gesehen völlig unterschiedliche Momente abwechseln. Wenn zu Beginn des Filmes immer wieder Lacher durch die Publikumsreihen gehen, werden die Zuschauer in der zweiten Hälfte des 96-minütigen Streifens doch eher nachdenklich gestimmt. Wenn Bierbichler zu der traurigen Ballade „Eine Strasse muss ich gehen, die noch kein Mann ging zurück“ von Franz Schubert ansetzt, kommt es vor, dass die Tränen nicht nur auf, sondern auch vor der Leinwand ins Rollen kommen.

Die Handlung ist während des gesamten Filmes sehr glaubwürdig aufgebaut und nicht voraussehbar, das verleiht der „Winterreise“ viel Spannung. Ob man diesen leidenschaftlichen Film nun mag oder nicht, ist wohl Geschmackssache. Für alle, die aber tiefgründige und gefühlsvolle Dramen mögen, ist „Winterreise“ unumgänglich.

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