Kultur | 22.01.2007

„Die Leute glauben, dass ich depressiv bin“

Bereits ein Jahr nach seinem Letztling «Loupita« erschien 2005 das neue Album «So Much for Staying Alive«. Nun stellt er es ohne seine damalige Band Hidden Truck vor. Tink.ch traf Kristofer Aström im Rahmen der Sit Down and Sing Tour Vol. 2 in Basel und sprach mit ihm über Selbstvertrauen, Solotouren und Stockholm.
"Trinken und Country passen ganz gut zusammen" Foto Martin Sigrist Musik als eine Form der Therapie
Bild: Kriostofer Åström Kristofer mit Martin von tink.ch

Bist du interessant?

Kristofer Aström: Nicht wirklich, aber vielleicht mein zweites Ich, das könnte interessant sein.

Wenn man über dich im Internet etwas erfahren will, steht da sehr wenig, ausser, dass du nach Göteborg gezogen bist.

Ja, ich weiss. Ich habe keine Ahnung warum, aber darüber fragen mich alle. Ich mochte Stockholm einfach nicht, da bin ich halt weggezogen. Wie du siehst, ist auch das keine besonders interessante Geschichte.  

Bist du kein Stadtmensch?

Doch, auf jeden Fall, Städte sind toll. Ich mag Berlin, New York und Tokio. Das sind richtige Städte, aber Stockholm ist einfach nicht gross genug. Da lebe ich lieber in Göteborg, das ist zwar noch kleiner, aber wenigstens sind die Menschen freundlich. Man muss sich einfach an deren Humor gewöhnen, sonst hat man immer das Gefühl, dass sie sich über einen lustig machen.  

Du tourst jetzt wieder ohne Band. Was sind für dich die Unterschiede dabei?

Ich habe mehr Spass, wenn ich mit einer Band unterwegs bin, denn sonst sind es die ganze Zeit nur ich, meine Gitarre und vielleicht noch jemand Zweites. Bei den Konzerten kann ich einfach mehr machen, wenn ich mit einer Band auf der Bühne stehe. Momentan habe ich nicht die Inspiration und die Motivation, die ich eigentlich brauche, um alleine auf der Bühne zu stehen. Ich würde gerne wieder mit einer Band touren. Trotzdem versuche ich jetzt mein Bestes und die Konzerte haben ganz gut geklappt.  

Benimmst du dich denn mit einer Band sehr anders?

Nein, es macht einfach mehr Spass. Der Lärm der Band und die Möglichkeit, mit Menschen auf der Bühne zu kommunizieren. Natürlich ist auch bei einem Soloauftritt jeder Auftritt und jeder Song anders, doch es macht halt sonst mehr Spass. Es ist traurig, so was zu sagen. (lacht)

Kannst du die Inhalte deiner Songs auch alleine rüberbringen?

Die meisten ja, aber mit einer Band kann ich den Songs gerechter werden, ich bekomme alleine teilweise das Gefühl für den Song nicht. Übrigens, ich habe jetzt eine neue Band, denn Hidden Truck ist nicht mehr. Die neue heisst Rainaways, in Anlehnung an Göteborg, wo es so viel regnet. Es wird damit alles neu bei mir.

Was sind die Unterschiede?

Die Musik wird popiger und einfacher, man wird schneller in die Stücke reinkommen. Das aktuelle Album muss man sich schon fünf Mal anhören, bis man richtig reinkommt.

Wovon wird es handeln?

Die Texte sind vor allem über das Trinken. Es ist eine Art Country-Album denn ich dachte einfach, dass Trinken und Country ganz gut zusammenpassen.  


Dein aktuelles Album «So Much For Staying  Alive« beginnt mit dem Satz «It’s been raining for years« und endet mit «It’s been so long«. Geht es dir also jetzt viel besser?

Ja, ich fühle mich viel besser. Aber das Album bezieht sich nicht nur auf diese eine Zeit seit dem Album davor, da sind auch ganz alte Songs drauf, die ich einfach nie aufgenommen habe. Aber es stimmt, vor den Aufnahmen fühlte ich mich nicht so prächtig. Wie gesagt geht es mir jetzt aber viel besser.  

Deine Musik klingt halt so depressiv.

Die Leute glauben oft, dass ich depressiv bin, aber das bin ich nicht, überhaupt nicht. Ja, klar, ab und zu bin ich traurig, aber nicht mehr als alle anderen auch. Gestern ging es mir zum Beispiel ganz schlecht, jetzt ist wieder gut. Es ist dieses Auf und Ab, gerade auf einer Tour.


Ist das Musikmachen für dich eine Art von Therapie?

Ich wollte immer sagen, dass dem nicht so sei, weil ich Musik nicht aus diesem Grund mache. Ich will nicht, dass Musik dafür da ist, einem aus dem Elend zu holen. Aber irgendwie musst du das ja machen. Ich hatte nie Mühe, Songs zu schreiben, das geht bei mir ziemlich einfach und schnell, vielleicht 15 Minuten für einen Song und fertig. Also ist es wohl schon eine Form von Therapie, all die vielen Sachen aus meinem Kopf zu holen.

Was kannst du den Leuten mit deiner Musik geben?

Ich möchte den Leuten zeigen, dass es keine grossen Unterschiede gibt zwischen dir und mir. Gewisse Bands wollen immer einen grossen Abstand zwischen ihnen und den Fans. Ich möchte mit den Leuten kommunizieren können. Man kann immer mit mir in Kontakt treten, entweder bei den Konzerten oder über Myspace, da antworte ich immer, denn das braucht doch so wenig Zeit.

Was gibt dir dieser Kontakt?

Das ist so ein Ego-Ding. Ich bekomme viele positive Antworten und das gibt mir Selbstvertrauen. Ich brauche das, um auf eine Tour zu gehen und Musik zu machen. Denn wenn ich nicht zufrieden bin mit mir, dann fehlt mir dieses Vertrauen für Konzerte, was besonders schlecht ist, wenn ich ganz alleine auf der Bühne stehen sollte. Bei den ersten Konzerten einer Tour bin ich dann immer etwas nervöser. Aber danach gewöhne ich mich daran, denn ich treffe nette Menschen und bekomme Komplimente. An den Touren ist es nur blöd, dass da immer so viel Zeit dazwischen liegt, wo mein Selbstvertrauen dann wieder fällt. Auf jeder Tour kommt es dann wieder zurück.  

Ihr tourt momentan als ein Programm von drei Bands, welche bist du?

Ich bin Nummer zwei, die Mitte, ich mag das, nicht politisch, aber hier schon.  


Ist das wieder die Frage des Selbstvertrauens?

An diesem Punkt der Tour könnte ich wohl als Letzter auftreten, aber bei den ersten Shows ging das nicht, ich wollte nicht diesem Druck ausgesetzt sein. Und Maria Taylor spielt zu dritt, das macht sich doch eh besser als Abschluss.

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