Politik | 24.01.2007

And the award goes to …

Text von Lailo Sadeghi
Während Bridgestone und Novartis für ihre Geschäftsphilosophie eine öffentliche Schelte bekommen, kann sich Coop über den erstmals vergebenen Positive Award freuen.
Patrick Frey. Auch dieses Jahr wieder als Moderator dabei. Fotos: www.publiceye.ch Werbemaskottchen von Publiceye Nicht alle begnügen sich mit leeren Versprechungen und Sonntagsreden. Meister der Selbstdarstellung. Bridgestone Fotos: Schreenshots von den Firmenwebsites Ikea Trafigura Novartis Xstrata Scheinbar heiss begehrt -“ der Public Eye Award Werbeplakat des Public Eyes Award

Der Public Eye Award zeichnet Unternehmen aus, welche mit unverantwortlichem Konzernverhalten und aozialem Geldstreben die Erde vergiften oder ihre Bewohner unterdrücken und hintergehen.

Über 40 Unternehmen aus aller Welt wurden von verschiedenen nichtstaatlichen Organisationen nominiert. Der Public Eye Award wird in drei Kategorien vergeben: Global, Swiss und erstmals auch Positive. Tink.ch stellt Gewinner und Nominierte vor.

Public Eye Global Award

Bridgestone Cooperation, (Sieger)

das japanische Muterunternehmen der Firma Firestone Natural Rubber Company, ein Hersteller von Autoreifen, qualifizierte sich für die Nomination durch das Verhalten gegenüber seinen Arbeiterinnen und Arbeitern in Liberien. Diese leben in heruntergekommenen Lehmhütten, welche weder über fliessendes Wasser noch elektrischen Strom verfügen, kommen täglich mit vergifteter Atemluft und verseuchtem Wasser in Kontakt, werden von der Aussenwelt isoliert und müssen, um ihr Pensum zu erreichen, von frühmorgens bis spätabends arbeiten. Kinderarbeit wird von den Plantagenaufsehern toleriert und durch die Firma selbst auch gefördert, wenn nicht gar erzwungen. Nach Friends of Earth USA, welche Bridgetstone nominiert haben, wurde regelmässig beobachtet und dokumentiert, wie Firestone giftige Stoffe und Chemikalien in der Natur entsorgt und somit mehrere Flüsse so stark verschmutzt hat, dass ganze Ökosysteme zusammengebrochen sind.

Dies war für die Public Eye Award Jury auch Grund genug, diesem Unternehmen den Award zuzusprechen.

Ikea

Die schwedische Möchtegern-Firma, die eigentlich keine ist, sondern viel mehr ein unüberschaubares Wirrwarr aus Stiftungen und Unternehmen, verdankt ihre Nomination aufgrund ihrer Steuerpolitik. Die Stiftung Stichting Ingka Foundation, welche offiziell Besitzerin von Ikea ist, erfüllt ihre Funktion darin, dass sie dem Unternehmen lästige Steuern erspart. Zusammen mit weiteren Firmen und Instutitionen – auf der ganzen Welt verteilt – hat es Ikea durch ein ausgeklügeltes Netzwerk geschafft, pro Jahr nur noch 19 Millionen Euro Steuern zu zahlen. Für ein Unternehmen, das 2005 einen Jahresumsatz von 17,3 Milliarden Euro erzielte, ist dies sehr wenig. Ingvar Kamprad, der gemäss Wirtschaftsmagazin Economist hinter der Fassade die Fäden in der Hand haben soll und der reichste Mann der Welt ist, wohnt übrigens im Kanton Waadt, wo er als Privatperson von der Pauschalbesteuerung profitiert.

Trafigura Beheer B. V.

Eine Ölfirma, die im Sommer vergangenen Jahres eine Schiffsladung Gifftmüll in der Stadt Abidjan (Elfenbeinküste) abgeladen hatte und beauftragte, diesen Abfall auf öffentlichen Deponien zu entsorgen, sorgte mit dieser Aktion für den Tod von mindestens sechs Menschen und der Spitaleinlieferung von Zehntausenden. Noch sind die Details nicht bekannt, da Trafigura Beheer ein undurchsichtiges und verschwiegenes Unternehmen sein soll. Der Chef von Trafigura befindet sich mittlerweile in Haft. In der Folge dieses Skandals trat die Regierung, die sich nach Jahren des Bürgerkriegs immer noch im Aufbau befand, aufgrund der Proteste aus der Bevölkerung vollständig zurück.  

Public Eye Swiss Award

Novartis (Sieger)

Der Schweizer Pharmariese erhielt im Jahr 2003 ein Patent für das Medikament Imatinib Mesylate (Glivec), welches das Leben von Krebserkrankten verlängert und die Krankheit verzögert. In Indien wurden bis anhin von diversen Unternehmen Generikaprodukte hergestellt, welche vor allem in Indien selbst und in Entwicklungsländern verkauft wurden. Dies wurde aufgrund des Monopols untersagt. Novartis vertreibt Glivec für 26’000 US-Dollar pro Patient und Jahr. Während die Generikaprodukte für 2’100 US-Dollar pro Patient und Jahr erhältlich waren. Dies hatte zur Folge, dass sich viele Krebskranke die Behandlung nicht mehr leisten konnten und ihrem Schicksal überlassen wurden. Cancer Patients Aid Association (CPAA) erreichte, dass dieses Patent im Januar 2006 aufgehoben wurde und die Produktion von billigeren Medikamenten wieder aufgenommen werden konnte. Novartis führt seither mit zwei Klagen einen erbitterten Rechtsstreit und setzt alles daran, das Patent wieder zu erhalten, was ihnen Milliarden einbringen und Millionen Menschen das Leben rapide verkürzen würde.

„Das Balser Unternehmen wird sonst immer angepriesen und gelobt wie gut es ist, uns ist wichtig, dass auch andere  Informationen  publik werden“ verkündet Oliver Classen, Mediensprecher von Public Eye und gibt bekannt, dass Novartis den Public Eye Swiss Award gewinnt.

Ruag Holding

Die staatseigene Schweizer Rüstungsfirma ist Europas grösster Hersteller von Kleinkalibermunition. Unter anderem belieferten sie die amerikanische und britische Armee während des Irakkrieges, stellen die von Menschenrechtsorganisationen hart kritisierten Cluster-Bomben her, die von der Ruag selbst mit dem Slogan «Wie ein Hagelsturm“ beworben wird und sich vor der Detonation in hungerte kleine Splitter aufteilen. Die Firma trägt Mitverantwortung am Tod der rund tausend Menschen, die jeden Tag durch Kleinkaliberwaffen ums Leben kommen, und arbeitet eng mit Kriegsakteuren zusammen. Was dabei etwas widersprüchlich daherkommt, ist, dass sich der Bundesrat gegenüber der UNO für eine stärkere Kontrolle von Kleinwaffen einsetzt und sich angesichts der Statistiken von Kleinwaffenopfern schockiert zeigt. Selbst aber schöpft der Bund enorme Profite mit der Ruag. Auch die Tatsache, dass sich die Ruag auf ihrer Website als ökologisch verantwortliche Firma darstellt, da sie auch bleifreie Munition herstellt, erscheint sonderbar.

Xstrata

Das Schweizer Rohstoffunternehmen will, um ihren Profit zu maximieren, die in Australien betriebene Zink-Blei-Mine McArthur River von einem Untertagebau- in einen Tagebaubetrieb umfunktionieren. Dies bedeutet, dass die Rohstoffe aus einer offenen Gruben gefördert werden sollen. Um dies zu erreichen, wird der unberührte McArthur River um fünf Kilometer umgeleitet und in seinem Flussbeet eine Grube ausgehoben. Neben einer massiven Umweltverschmutzung kommt hinzu, dass vier Ureinwohnergruppen aus ihrem Gebiet vertrieben werden und ihre Existens verlieren. Die Regierung und der australische Umweltbundesminister haben das Projekt im Oktober 2006 gutgeheissen. Einsprüche von Umwelt- und Eingeborenenorganisationen wurden nicht beachtet.

Doch natürlich verhalten sich nicht alle Unternehmen rücksichtslos. Es gibt auch welche, die das Wort soziale Verantwortung nicht nur in Reden, sondern auch in Konzepte aufnehmen.

Public Eye Positiv Award

Coop (Sieger)

Der Schweizer Lebensmittelkonzern stieg 1993 in die Vermarktung von Biorodukten ein und spielt heute in der Branche eine nicht unbedeutende Rolle. Er half mit, die Schweizer Biobauern zu unterstützen. Seit 1993 ist ihre Zahl von 1’000 auf 6’000 angestiegen und macht so 11 % der Gesamtlandwirtschaft aus.

Für die Jury Grund genug dieses Unternehmen zu würdigen und es mit dem ersten Public Eye Positive Award auszuzeichnen.

Eosta

Die erfolgreiche Nahrungsmittelkette aus den Niederlanden garantiert den Konsumentinnen und Konsumenten ein Höchstmass an Transparenz und führt ein grosses Sortiment an Bio- und biodynamischen Produkten. Das Unternehmen engagiert sich für hohe Qualitätsstandards und tritt konsequent für eine ökologisch nachhaltige und ethisch vertretbare Produktion ein.

Marks & Spencer

Der Gigant des britischen Detailhandels entwarf eine eigene Fair-Trade-Kleiderkollektion und garantiert ihren mittlerweile über 1’700 Baumwollbauern in Mali eine sichere Existenz. Das Unternehmen setzt sich für nachhaltige Produktionsbedingungen ein und erweitert laufend das Angebot an Fair Trade Produkten.

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